LZ-Serie zu 50 Jahre Schwanau Ottenheim sieht sich nicht als Zentrum der Gemeinde

Jonas Köhler
Ortsvorsteherin Silke Weber (hier vor der Ortsverwaltung) ist sich sicher, dass Ottenheim vor allem in Sachen Gewerbesteuereinnahmen vom Zusammenschluss zur Fusionsgemeinde Schwanau profitiert hat. Foto: Köhler

Vor 50 Jahren gaben die vier Schwanauer Ortsteile ihre Eigenständigkeit auf, um zu fusionieren. Ottenheim ist heute mit dem Rathaus das politische Zentrum Schwanaus. Doch eine Sonderbehandlung gibt es nicht, sagt Ortsvorsteherin Silke Weber.

Ottenheim - Es waren die Gemeinden Ottenheim und Wittenweier, die bereits im Jahr 1971 die Kommunalreform im Ried in Gang brachten. Wittenweier schloss sich damals Ottenheim an, noch bevor über eine Fusionsgemeinde nachgedacht wurde. Dass es am Ende vier Schwanauer Ortsteile wurden und nicht etwa fünf lag auch an Ottenheim, genauer gesagt deren Verhältnis zu Meißenheim, das ursprünglich mit dazugehören sollte.

"Es gab immer eine gewisse Konkurrenz zwischen Ottenheim und Meißenheim", erinnert sich der damalige Gemeinderat Hans Weide. Die damalige Stimmung in der Bevölkerung sei eher gegen einen Zusammenschluss gewesen – ob mit Meißenheim oder einer anderen Gemeinde. Dennoch trieben Ottenheim und Wittenweier die Fusion voran und sprachen auch mit Meißenheim. Weide berichtet, dass die Gemeinde damals durchaus bereit war, unter den bereits verhandelten Bedingungen sich mit Meißenheim zusammenzuschließen, Meißenheim jedoch nicht. Dort sah man sich finanziell stärker aufgestellt und war nicht bereit, den Sitz der Gemeinde nach Ottenheim, was dann das geografische Zentrum gewesen wäre, zu verlieren.

Ortsvorsteherin Silke Weber ist sich sicher, dass der Ort Ottenheim vom Zusammenschluss zur Gemeinde Schwanau profitiert hat. "In Ottenheim hätte es sonst nicht, diese Menge an Gewerbesteuer gegeben", sagt sie. Von der Firma Herrenknecht würden alle Ortsteile profitieren. Weber wisse beispielsweise nicht, ob Ottenheim mit der Bärbel-von-Ottenheim-Schule überhaupt eine Hauptschule hätte, wäre der Ort eigenständig geblieben. Darüber hinaus habe der Ort durch die Schaffung von Baugebieten wachsen können. Nicht nur aus den anderen Schwanauer Ortsteilen, sondern auch aus der Umgebung wie aus Lahr seien die Menschen in den Ort gekommen. Heute zählt Ottenheim 2823 Einwohner.

Diese bezeichnet Weber als ein "reges Völkchen", wenn etwas auf die Beine gestellt werden soll. Das sei zum Beispiel beim Ottenheimer Kirchturm deutlich geworden. Vor allem die "Ur-Ottenheimer" seien sehr engagiert. Weber selbst kam im Jahr 1982 nach Ottenheim, berichtet sie. "Ich bin sofort aufgenommen worden. Die Ottenheimer sind sehr offen, man fühlt sich hier wohl", lobt sie die Bewohner ihres Orts.

Doch so offen die Ottenheimer auch sind, "es gibt immer noch das Ortsteildenken", erzählt Weber. Jeder identifiziere sich noch mit seinem Wohnort, das spiegele sich auch in der eigenen Ortsverwaltung und dem eigenen Ortschaftsrat wider. Dennoch: "Die Jugend lockert das auf", sagt Weber. Gerade in den Vereinen sind Mitglieder auch aus anderen Ortschaften aktiv und führen dort ein produktives Miteinander. "Ich hoffe, dass es wirklich mal ›ein Schwanau‹ wird", meint Weber.

Auch wenn es manchmal Reibereien gebe, seien Diskussionen mit den anderen Ortsteilen wichtig. "Wir Ortsvorsteher arbeiten nicht gegeneinander", versichert Weber. Durch Diskussionen finde man eine Kompromisslösung, die im Sinne der Gemeinde ist. Auch nehme der Gemeinderat alle Meinungen der Ortschaftsräte gleichermaßen ernst. Ottenheim ist zwar der größte Ortsteil und Sitz des Schwanauer Rathauses, als "Stadt von Schwanau" sehen sich die Ottenheimer dennoch nicht, so Weber.

Vielmehr lege man Wert auf ein familiäres Verhältnis innerhalb des Orts. "Man kennt noch fast jeden", sagt Weber. "Die Nachbarschaft wird noch gepflegt". Schließlich müsse man "nur einen Biertisch auf die Straße stellen, schon hat man ein Fest". Gerade die Vereine – seien es die Fußballer, die Handballer oder die Musiker – prägten den Zusammenhalt des Orts. Lebenswert sei Ottenheim auch durch die Nähe zum Rhein, einem Naherholungsgebiet vor der Haustür, die Baggerseen, die zum Schwimmen einladen, und den Anschluss ans Radwegenetz.

Auch wenn der Ort keinen Supermarkt und "nicht mehr so viele Einkehrmöglichkeiten" hat, könne man im Hofladen vor Ort umweltbewusst einkaufen und die lokalen Betriebe unterstützen. "Nicht jeder muss nach Allmannsweier oder Nonnenweier fahren", so Weber.

LZ-Serie zum Jubiläum

Die Lahrer Zeitung stellt in der Serie zum Schwanauer Jubiläum die Perspektive jedes Ortsteils vor. In den einzelnen Teilen geht es darum, wie das Stimmungsbild in jedem Ortsteil bezüglich der Fusion vor 50 Jahren war und welche Vor- und Nachteile sich aus dem Zusammenschluss für den jeweiligen Ort ergeben haben.

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