Lokales Diakonie: Heime könnten geschlossen bleiben

Die Diakonie Kork betreut unter anderem Menschen mit schwerer Epiliepsie, die ständige Überwachung benötigen. Foto: Diakonie Kork

Neuried - Zwischen Diakonie Kork und Landratsamt brodelt es. Anlass des Streits ist die Frage, wie viel Personal für die beiden neuen Behindertenheime im Ried notwendig ist. Sollte keine Einigung erzielt werden, könnten die Heime geschlossen bleiben.

Aufgrund Änderungen in der Landesheimbauverordnung, die vorschreibt, bis zum 31. August Einzelzimmer und individuelle Sanitärbereiche für die Bewohner zu schaffen, waren für die Diakonie unter anderem zwei Ersatzneubauten in Ichenheim und Altenheim nötig geworden. Um alle Umbauten zu gewährleisten, gibt es einen mit dem Landratsamt Ortenaukreis abgestimmten Masterplan zur Umsetzung.

Während die Bauarbeiten auf einem guten Weg sind, trifft dies nicht für die benötigten Leistungsvereinbarungen zu. Da die Zahl der Häuser der Diakonie sich durch diese Maßnahmen von zehn auf zwölf verändert und die Zahl der Wohngruppen von 40 auf 44 ansteigt, benötigt die Diakonie für den Betrieb mehr Personal. Dieser Fakt ist zwischen den Parteien unumstritten – die Frage ist nur wie viel, denn die Vorstellungen der beiden Parteien liegen weit auseinander.

Während das Landratsamt für die beiden neuen Einrichtungen in Altenheim und Ichenheim fünf zusätzliche Stellen finanzieren will, hält die Diakonie 21 weitere Arbeitskräfte für notwendig. Das Landratsamt beruft sich bei seiner Berechnung auf den Personalschlüssel und verweist darauf, dass es für die beiden Neubauten in Neuried keine von der Heimaufsicht vorgeschriebene Mindestpersonalmenge gebe.

Der Vorsitzende der Diakonie Kork, Frank Stefan, leitet hingegen eine solche aus den Einstufungen der bisherigen Häuser ab und schlüsselt seinen Personalbedarf in einem fiktiven Dienstplan auf. Laut diesem führe kein Weg an den 21 Stellen vorbei. "In unseren Wohneinheiten leben derzeit ausschließlich Menschen mit hohem Hilfebedarf. Mehr Häuser haben zur Folge, dass mehr Teams benötigt werden und mehr Nachtwachen", erklärt Stefan gegenüber unserer Zeitung.

Sollten die 21 Stellen nicht finanziert werden, könnte es seiner Ansicht nach sogar zu einer Insolvenz der Einrichtungen kommen, würden diese eröffnet werden, da der zusätzliche Bedarf an Personal, dann von der Diakonie selbst gedeckt wer den müsse. Deshalb erklärt Frank, dass die beiden Heime unter diesen Umständen erst gar nicht erst in Betrieb gehen könnten. Der Kreis ist laut einer Pressemitteilung bereit, 327 000 Euro jährlich einzuräumen, was den Personalschlüssel nach Ansicht des Landratsamts angemessen verbessern dürfte.

Wie es mit den beiden streitenden Parteien weitergeht, bleibt offen: "Bisher war der Ortenaukreis nicht bereit, diese Gesamtpersonalliste im Detail durchzusprechen. Zu den von uns vorgelegten detaillierten Listen des Personals gab es seitens des Landratsamtes bisher keine inhaltliche Rückmeldung, wie man sich andere Besetzungen vorstellen könnte", klagt Frank. Genau das fordert die Diakonie jedoch jetzt vom Landratsamt, um weiterzukommen.

Sollte es keine Einigung geben, könnten sich Diakonie und Landratsamt vor dem Schiedsgericht wiedersehen. Dort stehen die beiden Parteien bereits aufgrund eines Streits über die Personalkosten, die für die Tagesstruktur von Behinderten notwendig sind.

  • Bewertung
    0