Landratsamt zieht Konsequenzen Mutmaßliche Angreifer müssen umziehen

Nadine Goltz
Drei Männer sollen im Riedhof in Meißenheim am Samstag einen Mitbewohner attackiert haben. Das Landratsamt schreitet ein – die mutmaßlichen Angreifer müssen umziehen. Derweil ermittelt die Polizei weiter. Foto: Goltz

Nach der mutmaßlichen Attacke von drei Männern auf einen Mitbewohnern in der Flüchtlingsunterkunft im Meißenheimer Riedhof ermittelt die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung. Das Landratsamt hat bereits Konsequenzen gezogen.

Meißenheim - "Der Mann wurde an der linken Hand verletzt und flüchtete sich auf einen Balkon", hieß es in der Mitteilung der Polizei vom Montag über den Vorfall am Samstag. Zuvor soll der 30-Jährige von drei Männern im Alter von 18, 22 und 28 Jahren attackiert worden sein (wir berichteten). Ob er zum Schutz vor weiteren Angriffen anschließend "freiwillig" vom Balkon sprang oder die Angreifer möglicherweise nachgeholfen haben, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen.

Das verdächtige Trio konnte im Rahmen einer umgehend eingeleiteten Fahndung von einer Streife der Kriminalpolizei in der Rathausstraße festgestellt und vorläufig festgenommen werden, so der Polizeibericht weiter. Der Verletzte wurde mit einem Rettungswagen in das Lahrer Krankenhaus gebracht. Die Beamten des Polizeireviers Lahr haben Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung aufgenommen.

Sicherheitskraft ist nur nachts am  Riedhof unterwegs

Die Gemeinschaftsunterkunft in Meißenheim ist Ende November vom Landratsamt reaktiviert worden, die ersten Bewohner zogen am 23. November ein. Grund sind die wieder steigenden Flüchtlingszahlen. Mit der Reaktivierung der Unterkunft wurde auch ein Sicherheitsdienst beauftragt. "Er ist präventiv und auch befristet, da wir die Unterkunft erst wieder neu in Betrieb genommen haben und schauen wollten, wie es läuft", so Kai Hockenjos, Pressesprecher des Landratsamts, Anfang Dezember. Allerdings sei die Sicherheitskraft nur nachts anwesend – der Vorfall hatte sich aber am helllichten Tag abgespielt. Den Sicherheitsdienst nun auch tagsüber einzustellen, habe das Landratsamt nicht vor. "Tagsüber sind auch immer wieder Sozialarbeiter vor Ort", sagt Hockenjos im Gespräch mit der Lahrer Zeitung.

Stattdessen habe man andere Konsequenzen gezogen: "Zunächst einmal wurden natürlich deeskalierende Gespräche geführt", so der Pressesprecher. Außerdem seien die Männer getrennt worden und würden vorerst nun in anderen Unterkünften des Landratsamts wohnen – "zwei der drei Männer sind in eine Einrichtung gekommen, an der eine 24-Stunden-Sicherheitskraft vor Ort ist", sagt Hockenjos.

Info: 41 Plätze stehen zur Verfügung

Das Landratsamt des Ortenaukreises hat das ehemalige Hotel Riedhof seit November 2015 angemietet. Der Gebäudekomplex besteht aus einem Hoteltrakt sowie sechs Wohnungen. Anfänglich standen der Hoteltrakt sowie zwei Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung. In den Jahren 2016 und 2017 kamen zwei weitere Wohnungen hinzu, die restlichen beiden Wohnungen wurden vom Eigentümer selbst zu Vermietungszwecken genutzt. Es wurde eine maximale Anzahl von 110 Plätzen festgelegt. 2018 wurde eine Wohnung wieder an den Eigentümer zurückgegeben. Zum 31. März 2019 wurde die Einrichtung aufgrund der zurückgehenden Flüchtlingszahlen zunächst geschlossen. Die drei verbleibenden Wohnungen wurden an die Gemeinde Meißenheim zum Zwecke der Anschlussunterbringung untervermietet. Wieder aktiviert wurde jetzt der neuere Teil des Hoteltrakts in Meißenheim mit 41 Plätzen.

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