Lahrer Traditionscafé Neue Pächterin nach gutem Start ausgebremst

Die Gastronomie ächzt unter dem Lockdown. Auch das "Süße Löchle", das erst im Sommer 2020 eine neue Pächterin bekommen hat. Das Lahrer Traditionscafé sehnt Lockerungen herbei, damit es nicht nur beim verheißungsvollen Start bleibt.

Lahr - "Ich sitze trippelnd zu Hause und hoffe, dass es weitergeht, bevor wir nicht mehr weitermachen können", sagt Heike Neumann. Vor einem Dreivierteljahr hat die 50-Jährige das "Süße Löchle" am Urteilsplatz übernommen. Obschon bereits der Start von Corona überschattet war, "hatten wir einen guten Zulauf", berichtet die Pächterin im Gespräch mit der LZ. Das Konzept, mit hausgemachten Kuchen und hochwertigem Kaffee die Tradition des im 19. Jahrhundert gegründeten Lokals hochzuhalten und nach und nach neue Speiseangebote zu etablieren, kam an: "Von Woche zu Woche stieg die Resonanz."

Zusätzlich zum Gastraum im Erdgeschoss, der Außenbestuhlung und dem Innenhof wurde auch der "Blaue Salon" im zweiten Stock, der eigentlich für Feiern und Veranstaltungen vorgesehen ist, für die Bewirtung genutzt. "So konnten wir trotz der guten Gästezahlen die Abstandsregeln einhalten", sagt Neumann. Bis zum abrupten Stopp. Nach nur drei Monaten musste die neue Betreiberin die "Löchle"-Tür schon wieder schließen.

"Es fehlt die Perspektive"

"Frau Neumann hat sich mit Unterstützung ihrer Familie trotz ganz schwieriger Umstände richtig gut im ›Süßen Löchle‹ eingefunden. Umso bitterer ist es, dass sie so schnell wieder ausgebremst wurde", sagt Adelheid Wagner. Sie hat das Café zusammen mit ihrem Mann Roland 2017 von einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft gekauft und anschließend umfangreich saniert. Die Eigentümerin will "nicht viel Aufsehen" darum machen – doch natürlich komme man der Pächterin während des Lockdowns finanziell entgegen. Denn: "Wir sind froh und dankbar, dass sie noch da ist."

Neumanns Vorgängerin hatte das Lokal nach wenigen Monaten wieder aufgegeben. In den vergangenen Tagen machte in der Stadt das Gerücht die Runde, das Ehepaar Wagner müsse sich nun schon wieder einen neuen Pächter suchen. Heike Neumann habe hingeschmissen, hieß es. Die Betreiberin widerspricht: "Keine Ahnung, wo das herkommt, aber ich bin noch nicht so weit, aufzugeben." Ausschließen könne sie ein frühzeitiges Aus angesichts der aktuellen Lage freilich nicht, erklärt die Lahrerin. "Wer weiß, was in ein paar Wochen ist. Mir geht es wie vielen anderen: Es fehlt die Perspektive."

Als Aerosolforscher jüngst erklärten, die Ansteckungsgefahr im Freien gehe gegen Null, hatte sie gehofft, dass zumindest Außenbewirtung bald wieder möglich sein könnte. Dann kam der Regierungsbeschluss zur landesweiten "Notbremse" und der Lichtblick erlosch. "Ein ständiges Auf und Ab".

Dass die staatlichen Corona-Hilfen mittlerweile auch im "Süßen Löchle" angekommen sind, mache die Situation nur bedingt besser, sagt Neumann. Bald gehen zwei ihrer drei Mitarbeiter von Bord beziehungsweise studieren. "Eigentlich müsste ich jetzt neues Personal einstellen, das ist momentan aber unmöglich." Die Gastro-Quereinsteigerin steckt "viel Herzblut" ins Café. "Am Ende", sagt sie, "muss es sich aber auch wirtschaftlich lohnen".

Pächterin zeigt trotz Lockdown Präsenz

Neumann zeigt trotz Lockdown Präsenz: Samstags von 12.30 bis 14.30 Uhr verkauft sie nach Vorbestellung Kaffee und Kuchen zum Mitnehmen. "Das läuft recht gut, die ganze Energie, die ich in mir habe, kann ich damit aber nicht freisetzen", sagt die zweifache Mutter. Ihr Traum: Jung und Alt gleichermaßen für den nostalgischen Charme des denkmalgeschützten Lokals zu begeistern. Auch da sei der Start vielversprechend gewesen: "Wir hatten ein bunt gemischtes Publikum und viele positive Rückmeldungen – auch in den sozialen Medien."

Eigentümerin Wagner hofft, dass ihre Pächterin durchhält, bis sich die Lage normalisiert. "Ich bin überzeugt, dass Frau Neumann im ›Süßen Löchle‹ eine Zukunft hat und etwas richtig Gutes aufbauen kann. Wir werden sie weiterhin unterstützen."

Das Engagement der Eigentümer im "Süßen Löchle" wurde im Dezember mit dem Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg gewürdigt. Die Preisverleihung, die mit einem Betrag von 5000 Euro versüßt wird, sollte am 28. April in Stuttgart stattfinden. Wegen Corona wurde der Termin abgesagt. "Wir hoffen, im Juli im kleinen Kreis im Café feiern zu können", sagt Adelheid Wagner. Da soll auch eine Bronzeplakette als äußeres Zeichen des Denkmal-Preises am Haus angebracht werden.

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