Lahr Zu wenig Hilfe für Verfolgte

Von Alfons Vögele

Reichenbach. Verstörende Bilder und Berichte haben nachdenkliche Gäste zurückgelassen, die am Donnerstag ins Pfarrheim Reichenbach gekommen waren, um sich über die Lage der Christen im Nahen und Mittleren Osten zu informieren. Auf Einladung des Katholischen Bildungs-werks Reichenbach berichteten Vertreter der aramäischen Christen von den Leiden der Christen verschiedener Glaubensrichtungen im Orient.

Diakon Josef Önder von der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien und Josef Ga-briel vom Hilfswerk "We are Christians" erzählten über ihre Glaubensgemeinschaft, in der noch immer aramäisch, die Sprache Jesu, gesprochen wird. Das bis in die Antike zurückreichende Volk der Aramäer wurde durch die Grenzziehungen nach dem Ersten Weltkrieg auf drei Staaten aufgeteilt. Sie konnten nach den Eroberungen durch das Osmanische Reich Jahrhunderte lang mehr schlecht als recht überleben, denn wie die Armenier, Kurden, Chaldäer und andere Gruppen waren sie immer wieder bis hin zum Genozid bedroht.

Verfolgung durch den "Islamischen Staat"

Seit der Erstarkung des sogenannten "Islamischen Staats" im Jahr 2014 durchleiden sie eine besonders harte Verfolgung, hieß es am Donnerstag. Durch Massenflucht versuchten viele, sich dem Tod oder der Sklaverei zu entziehen, viele suchten im Libanon, in der westlichen Türkei oder in Europa Zuflucht. In Deutschland fanden etwa 30 000 aramäische Christen eine vorläufige Heimat.

Josef Gabriel, der die Hilfsorganisation "We are Christians" ins Leben gerufen hat, berichtete von seinen Eindrücken bei der Verteilung von Hilfsgütern im vergangenen Herbst und im Dezember an bedrängte Christen im Nordirak. Die Bilder des Elends und der Folgen von Grausamkeit und Todesangst, einer großen Armut und Hoffnungslosigkeit, die sich immer mehr breitmacht, berührten die Zuhörer tief.

Im Gespräch mit den Referenten kam immer wieder die Erkenntnis zum Ausdruck, wie wenig für die Verfolgten getan wird, und viele Zuhörer fragten, woran das liegen könnte. Dabei brach sich auch harsche Kritik an der Politik, aber auch an Vertretern der Kirchen Bahn, die zu diesem Thema in ein großes Schweigen gefallen seien.

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