Lahr Zeitreise in die 60er-Jahre

Lahr - Bereits zum zweiten Mal taucht eine Fotoausstellung in den Fundus der Fotografen Eugen und Rolf Dieterle ein. Im Fokus stehen diesmal die 1960er-Jahre.

Auswahl aus 40.000 Negativen

Bei der Sonderausstellung im Stadtmuseum werden insgesamt 50 Fotografien gezeigt, die aus einem Konvolut von mehr als 40.000 Schwarz-Weiß-Negativen ausgewählt und aufwendig reproduziert wurden. Am Anfang steht ein Bild des 1961 gewählten Oberbürgermeisters Philipp Brucker als Baggerfahrer.

Eine Fotografie, die den Aufbruch in eine neue Zeit symbolisiert. Lahr verändert sich, es wird an vielen Ecken gebaut und modernisiert. Die Autobahn wird fertig, das Auto erobert sich immer mehr Raum in der Stadt.

Ende ist von Veränderungen geprägt 

Das Ende der Bilderschau wird geprägt von den Umwälzungen am Ende des Jahrzehnts. Auf dem Flugplatz lösen die Kanadier die Franzosen ab, in Lahr wird das erste Kaufhaus mit einer Rolltreppe gebaut, das Zeitalter des Computers bricht an. 1968 kommt Willy Brandt, damals Bundesaußenminister, nach Lahr und spricht auf dem Rathausplatz.

Die Jugend wird rebellisch, demonstriert gegen den Aufmarsch der NPD in der Stadthalle. Die Beatgeneration sorgt für frischen Wind, in der Stadthalle wird im Sommer 1968 erstmals gerockt, die Gruppe "IFE United" ist der Gewinner des ersten Beatfestivals in Lahr. Auf dem Flugplatz marschieren derweil die Dudelsackbläser der kanadischen Streitkräfte.

Kultur kehrt langsam zurück 

Die Sonderausstellung, die vom 13. September bis zum 15. November im Obergeschoss des Museums Tonofenfabrik zu sehen ist, war am Donnerstagabend für die Ausstellungsmacher erstmals geöffnet. Bürgermeister Guido Schöneboom erinnerte daran, dass die Kultur langsam zurückkehrt, offerierte den Besuchern einen ganz auf Lahr fokussierten Rundgang durch ein aufregendes Jahrzehnt. Die noch immer existierende Gruppe "IFE United" zeigte auf, dass die Hits von vor 60 Jahren noch immer gut klingen.

Die Ausstellung "Lahr im Sucher – Fotografien aus den 60er-Jahren" markiert den zweiten Akt der Aufarbeitung des Archivs von Eugen und Rolf Dieterle. Eugen Dieterle hat 1938 in Lahr sein erstes Fotogeschäft eröffnet, war ab den 1950er-Jahren auch Zeitungsfotograf.

Sammlung von mehr als 5000 Filmrollen 

Sein Sohn Rolf ist später in seine Fußstapfen getreten. Anfang des Jahrtausends hat er das analoge Archiv, eine Sammlung von mehr als 5000 Filmrollen, der Stadt überlassen. In der Villa Jamm wurde vor einigen Jahren bereits eine erste Auswahl über die 1950er-Jahre gezeigt. Nun geht es also um die 1960er.

Heinrich Caroli, Annemarie Friedrich-Kirn, Doris Hurst, Elisabeth Kempf und Klaus Ohnmacht haben rund 40.000 Negative durchgesehen und eine Auswahl getroffen.

Geteilte Kosten für die Ausstellung 

Das Museum und der von Jürgen Frank geleitete Freundeskreis haben sich die Kosten für die Aufbereitung und die Gestaltung der Ausstellung geteilt. Rolf Dieterle hat eine Vitrine mit Fotoapparaten aus der Zeit bestückt, eine weitere Vitrine zeigt Exponate aus dem Bestand des Museums. Die Ausstellung lädt ein zu einer Zeitreise mit viel Lokalkolorit.

Die Sonderausstellung ist bis zum 15. November im Museum Tonofenfabrik zu sehen. Die Öffnungszeiten sind mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr.

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