Lahr "Wollen kleines Holland werden"

Früher eins der besten Turniere im Land, heute eine reine Spaßveranstaltung: das Pfingstturnier des HC Lahr. Foto: Archiv: Künstle

Früher war der HC Lahr eine echte Institution in Sachen Hockey. Beim Pfingstturnier kam die Crème de la Crème des Sports in Lahr zusammen. Inzwischen ist der Hockeyalltag in der Ortenau eher grau, doch ein neuer Vorstand will das jetzt ändern.

 

Es gab eine Zeit, da zählte das traditionell an Pfingsten ausgetragene Schwarzwald-Hockey-Turnier in Lahr zu den besten seines Fachs in Deutschland. Zu Beginn der 1980er Jahre war das, als einige der größten Namen im Feldhockey aus dem In- und Ausland in den letzten Maitagen der Ortenau ihre Aufwartung machten. Lang ist das her. Inzwischen ist das Traditionsturnier zu einer reinen Spaßangelegenheit verkommen, mit viel Musik und wenig sportlichem Ehrgeiz. Hockey-Hochkaräter sucht man hier schon seit einer Weile vergebens. Während sich die erste Herrenmannschaft des ausrichtenden HC Lahr, immerhin einst stolzer Regionalligist, in der abgelaufenen Spielzeit noch gerade so vor dem Abstieg aus der 1. Verbandsliga retten konnte, sucht man eine Feld-Frauenmanschaft gar auf der Homepage des Vereins vergeblich. Rund 230 Mitglieder hat der Verein inzwischen noch, ein Großteil davon nimmt nur noch passiv am Vereinsleben teil.

"Für viele Spieler aus ganz Deutschland war unser Pfingstturnier damals ein echtes Highlight. Es war ein Muss dabei zu sein", erklärt Bernd Dahlinger, seines Zeichens 1. HC-Vorsitzender. Und genau dahin will Dahlinger das Turnier und ganz speziell seinen Verein wieder hinbringen: "Das Turnier muss einen Wandel erfahren", sagt der Vorsitzende. Schließlich handele es sich dabei um eine der Haupteinnahmequellen des Vereins. Und wenn die Gelder wieder fließen, könne der Klub auf lange Sicht auch wieder aufblühen, so die nachvollziehbaren Gedankengänge. Schließlich will sich Dahlinger mit dem Ist-Zustand des einstigen Großvereins nicht abfinden. Zusammen mit den anderen Mitgliedern des im September 2017 gewählten Vorstands will Dahlinger stattdessen wieder voll angreifen.

Das Hauptaugenmerk bei der Neuausrichtung des Vereins soll dabei nicht etwa auf der ersten Männermannschaft liegen als vielmehr auf der Jugend. "Wir wollen Jugendliche wieder für Teamsport begeistern, auch wenn das zunehmend schwerer wird", sagt Dahlinger. Mit Jochen Bornemann (Vorstand Sport) und dem Sportlichen Leiter Christian Stengler hat sich Dahlinger dabei zwei echte Typen mit ins Boot geholt, denen in Sachen Hockey wohl kaum einer etwas vormachen kann. Der gebürtige Lahrer Stengler, dem eine gewisse Ähnlichkeit mit Schauspieler Sean Connery nicht abzusprechen ist, ist ehemaliger Nationalspieler, fünffacher deutscher Meister und zweifacher Europameister. Außerdem ist Stengler ein richtiges HC-Eigengewächs. Schon der Vater des 49-Jährigen war im Verein als Spieler, Trainer und schließlich Vorsitzender im HC aktiv, Stengler wuchs gewissermaßen auf den Hockeyplätzen der Region auf. Von 2013 bis 2015 trainierte der Lahrer zudem die Schweizer Nationalmannschaft. "Es ist wichtiger, dass Spieler sich zusammen durch mehrere Ligen quälen, als dass sie irgendwo oben dazustoßen", macht Stengler deutlich, dass der Fokus nicht auf der ersten Mannschaft liegt. Der 1954 in der Hockey-Hochburg Hamburg geborene Bornemann kam mit acht Jahren zu "seinem" Sport, den er noch immer betreibt. Bornemann ist aktueller Ü60-Nationalspieler und trainiert die Verbandsligamannschaft. "Es ist ein faszinierender Sport, in dem Körper und Gerät koordiniert werden und bei dem man Egoismen überwinden muss, weil alleine der Teamgedanke zählt", schwärmt Bornemann und hofft darauf möglichst bald weitere Spieler für den HC gewinnen zu können. Bis zu 400 Mitglieder lauten die ehrgeizigen Planziele, die Bornemann, Stengler und Co. in den nächsten Jahren erreichen wollen. "Wir brauchen alleine 150 bis 200 Jugendliche, um die Fluktuation in den Griff zu bekommen."

Im Jugendbereich müsse derzeit laut Bornemann noch jede zweite Altersgruppe ausgelassen werden, so dünn ist der Verein dort aufgestellt. Doch das müsse ja nicht so bleiben, wünscht sich der neue Vorstand: "Wir wollen hier in Lahr ein kleines Holland werden", sagt der Hamburger in Anspielung auf die große Hockeynation Niederlande.

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