Lahr "Wir wollen weiter wachsen"

Hat auf dem Lahrer Flughafen noch viel vor: Betriebsleiter Michael Erath von der Lahrer Flugbetriebs-GmbH. Für ihn ist das Gelände ein "Juwel im Dreiländer-Eck". Foto: Bieber Foto: Lahrer Zeitung

Es tut sich was auf dem Lahrer Flughafen: Rund 11 000 Starts und Landungen pro Jahr werden inzwischen abgewickelt. "Wir wollen weiter wachsen", sagt Michael Erath von der Lahrer Flugbetriebs-GmbH.

Lahr (db). Der ausgebildete Pilot ist seit 2013 Betriebsleiter des Lahrer Flugplatzes. Er hat den früher insolventen Flugplatz wieder betriebsfähig gemacht und in die schwarzen Zahlen gebracht, berichtet er. Seitdem Erath das Sagen hat, gab es 50 Prozent mehr "Bewegungen" in Lahr als noch 2013.

Vor fünf Jahren erwarb die Stadt Lahr das Flughafengelände und übernahm auch die luftrechtlichen Genehmigungen. Den operativen Betrieb sicherte sich der Unternehmer Martin Herrenknecht und gründete mit der Lahrer Flugbetriebs-GmbH die jetzige Betreiberfirma. Gesellschafter der GmbH ist Martin Herrenknecht mit Unterstützung des Europa-Parks und der Firma Hansgrohe. "Klar hat Martin Herrenknecht mit einer ordentlichen Anschubfinanzierung dazu beigetragen, dass wir vernünftig arbeiten können und betriebsfähig sind", sagt Erath im Gespräch mit unserer Zeitung.

Nach der Übernahme fehlte es laut Erath an allen Ecken und Enden. Nach dem Aus für die frühere Betreiberfirma gab es keinen Sprit für die Maschinen, Rechnungen für Zulieferer waren nicht bezahlt, die Flugausstattung war nicht mehr auf dem aktuellen Stand, jede Menge Vertrauen war verspielt. Es stand ein Neuaufbau an. Erath und sein inzwischen 15-köpfiges Flugplatz-Team nahmen sich der Sache an – mit Erfolg. "Ich bin sehr stolz vor allem auf mein Team, von dem ich 150 Prozent Unterstützung bekam", sagt er.

Fünf Jahre später zeichnet sich ein ganz anderes Bild: Der Flughafen, der einerseits von Geschäftskunden und Promis aus dem Sport oder der Filmbranche angesteuert wird – 2011 landete sogar der Papst bei seinem Deutschlandbesuch in Lahr – und andererseits Frachtgeschäfte abwickelt, steht deutlich besser da und will weiter wachsen. "Unser Ziel ist es, das nahe gelegende Logistikzentrum von Zalando einzubinden", so Erath. Es geht um eine mögliche Abwicklung des Logistikgeschäfts über Luftfracht.

Direkt an der Autobahn gelegen und mit einer 3000 Meter langen und 45 Meter breiten Start- und Landebahn ausgestattet, ist der einstige Zeppelinflugplatz heute logistisches Drehkreuz und bedeutender Standortfaktor. Im angrenzenden "BusinessPark", wo früher die kanadischen Streikräfte stationiert waren, haben sich viele Unternehmen angesiedelt.

Selbst Großraumflugzeuge des Typs Boeing B 747 und Airbus A 380 oder auch das größte Frachtflugzeug der Welt, die Antonow 225, können problemlos in Lahr starten und landen. "Wir haben viel Kundschaft aus Russland, den arabischen Ländern, den USA sowie Chile und Mexiko. Viele kommen in großen Maschinen hier an. Russische Privatpersonen etwa shoppen gerne in Baden-Baden, andere Gäste wollen in den Europa-Park", sagt Erath, der gerne beim Flugplatz vom "Juwel im Dreiländer-Eck" spricht.

Mindestens genauso interessant wie die prominenten Privat- und Businesskunden – Bill Gates landete schon mehrfach in Lahr – sind die Ambulanz-Flüge, die lebenswichtige Organe transportieren. "Wenn beispielsweise ein Spender-Herz nach Lahr oder aus Lahr weg muss, kommen wir ins Spiel. Und das auch nachts, ohne Ankündigung. Wir versuchen dann schnell zu reagieren, und in neun von zehn Fällen gelingt es uns auch", erklärt Erath. Fünf Starts und Landungen seien in der Nacht, ab 24 bis 6 Uhr, erlaubt.

Der Flugplatz wurde zunächst von den Franzosen, nach 1967 dann von den Kanadiern militärisch genutzt. Die zivile Nutzung startete 1996 nach dem Abzug der kanadischen Streitkräfte. Noch bis zuletzt wurde der Airport als Drehscheibe für Militärtransporte aus aller Welt ausgebaut. Heute dient er ausschließlich dem beruflichen Fliegen privater Personen. Namhafte Unternehmen aus der Region und darüber hinaus starten hier zu Business-Reisen in aller Herren Länder. Der Flugplatz hat eine Frachtfluglizenz. Es gibt eine beschränkte Passagierfluglizenz, die für Europa-Park-Besucher gedacht war. Die Europa-Park-Flüge stießen jedoch nicht auf die erhoffte Resonanz.

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