Lahr "Wir sind bereit, zu helfen"

13 000 Menschen haben beim Brand des Flüchtlingslagers Moria auf der Insel Lesbos ihre Unterkunft verloren. Nun sind sie auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Der Bund wie auch die Kommunen in der Ortenau sind zur Mithilfe bereit. Foto: Pförtner

Lahr - Auch die Bundesregierung könnte sich dazu entscheiden, Flüchtlingen aus dem abgebrannten griechischen Lager Moria Zuflucht in Deutschland zu gewähren. Die Kommunen der Region sind bereit, Menschen aufzunehmen, doch der Wohnraum ist knapp.

1500 Flüchtlinge sollen nach Deutschland kommen 

"Wenn es dazu kommen sollte, dass Flüchtlinge in Lahr aufgenommen werden, dann werden sich die Stadtverwaltung und der Freundeskreis sicher um Wohnraum bemühen", erklärte Günter Endres vom Freundeskreis Flüchtlinge Lahr auf Anfrage unserer Zeitung. Wohnraum in Lahr sei sehr knapp. Aus diesem Grund mussten die Gemeinschaftunterkünfte auf dem Flugplatzgelände wieder in Betrieb genommen werden.

Das Vorhaben von Kanzlerin Merkel und Innenminister Seehofer, zusätzlich zu den am vergangenen Freitag angekündigten 100 bis 150 Minderjährigen nun noch weitere 1500 ausgewählte Flüchtlinge von den griechischen Inseln in Deutschland aufzunehmen (siehe Info), kommentiert Endres so: "Es wäre eine Schande für Deutschland, wenn es nicht mehr Flüchtlinge aufnehmen würde. Eine europäische Lösung in allen Ehren, aber wir müssen schauen, dass schnell eine Lösung gefunden wird".

Lahr fordert europäische Linie: Guido Schöneboom, Erster Bürgermeister der Stadt Lahr, sieht das so: "Die Flüchtlingsthematik ist eine ganzeuropäische Angelegenheit und die damit einhergehende Flüchtlingskrise ist nicht isoliert zu lösen." Ihm zufolge müsste zuerst geschaut werden, wie man den Griechen vor Ort helfen könne.

"Erst, wenn auf europäischer Ebene eine klare Linie erkennbar ist und es dann von Seiten der Bundesrepublik zu einer Abfrage kommt, welche Stadt wie viele Flüchtlinge aufnehmen kann, wird sich die Stadt Lahr sicher nicht wegducken." Speziell zur Debatte um die Flüchtlinge aus Moria gebe es aktuell allerdings noch keine abgestimmte Haltung.

Ettenheim ist "komplett voll": Auch in Ettenheim zeigt sich Solidarität mit den Flüchtlingen aus Moria. "Wir sind jederzeit bereit, Flüchtlinge aufzunehmen. Sie werden auf dem Meer im Stich gelassen, und auch in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln sind sie auf sich allein gestellt. Für die Flüchtlinge ist es einfach schrecklich, wenn es keine Perspektive gibt", so Beate Kostanzer, Vorsitzende der Ettenheimer Willkommensinitiative Neustart.

Ihr zufolge habe die Stadt Ettenheim vergangenes Jahr den Antrag gestellt, Flüchtlinge auch freiwillig aufnehmen zu können. Dabei habe man sich auf fünf Personen pro Jahr geeinigt. "Die Zahl muss ja auch im Verhältnis zur Größe der Stadt stehen", so Kostanzer. Die Wohnraumfrage spielt jedoch auch in Ettenheim eine Rolle.

"Die Stadt ist aktuell komplett voll, es gibt mehr Wohnraumnachfrage als Angebote. Selbst, um fünf Personen unterzubringen, bräuchten wir aktuell einige Tage Vorlaufzeit. In der Vergangenheit hat es sich allerdings gezeigt, dass sich doch immer noch plötzlich eine Möglichkeit ergeben hat".

Genau wie Schöneboom plädiert auch Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz für eine europäische Lösung. "Bei aller Humanität, wir können nicht alle Menschen aufnehmen, die weltweit auf der Flucht sind. Es braucht eine wahrhafte Entwicklungs- und Migrationspolitik, die über die Kirchturmsgrenze hinaus geht. Es ist dringend notwendig, dass Europa seine Hausaufgaben macht."  

Friesenheim lag "schon immer" über der Quote: In der Gemeinde Friesenheim wurde die Aufnahme von Moria-Flüchtlingen noch nicht diskutiert, wie die Pressesprecherin der Gemeinde, Julia Edel, mitteilte. "Wir können aber festhalten, dass die Gemeinde Friesenheim schon immer mehr Flüchtlinge aufgenommen hat, als durch die normale Quotenregelung aufzunehmen waren. Auch derzeit haben wir unsere Aufnahmeverpflichtungen übererfüllt", so Edel. Bisher habe Friesenheim den Landkreis bei der Unterbringung von Flüchtlingen immer unterstützt.

Info: Streit im Bund 

Die Koalitionsparteien im Bund sind sich bei der Zahl der aufzunehmenden Flüchtlinge noch nicht einig geworden. Kanzlerin Merkel und Minister Seehofer wollen etwas mehr als 1500 Menschen aufnehmen, SPD-Chefin Saskia Esken hatte im ZDF gefordert, eine "hohe vierstellige Zahl" an Flüchtlingen von den griechischen Inseln nach Deutschland zu holen.

  • Bewertung
    5