Lahr Klimaschutz: "Wir müssen viel schneller handeln"

Lahr - Bundesumweltministerin Svenja Schulze war am Donnerstag nach Lahr gekommen, um mit Bürgern über Klimaschutz zu sprechen. Mit auf dem Sonnenplatz dabei waren zwei Schüler von "Fridays for Future" aus Offenburg.

Das Motto der Einladung des SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner lautete "Kommen, um zu hören". Versprechen hat es – medienwirksam – gegeben, sagen Kritiker. Bisher ist nichts weiter passiert. Amelie Vollmer und Clemens Völker, die zu "Fridays for Future" gehören, erhielten das erste Wort. Die 16-jährige Schülerin des Okengymnasiums warf den Politikern generell vor, dass sie vor den Kommunalwahlen viel versprochen hätten und danach Stille herrsche. Es habe Sonntagsreden gegeben, wogegen danach – Vollmer sprach da sinnbildlich von montags – nicht gehandelt werde. "Das Klimaproblem ist seit Jahrzehnten bekannt." Daher müsste die Politik viel radikaler handeln.

Schulze sprach allen Schülern, die sich für eine bessere Klimapolitik einsetzen, generell und ohne Einschränkung "große Anerkennung" aus. Sie gab – ohne Wenn und Aber – zu, dass gerade in den vergangenen 20 Jahren viel zu wenig gemacht worden sei. Mit dem Ergebnis: "Wir sind die letzten, die noch die Weichen stellen können."

Die Umweltministerin verwies auf das neue Klimakabinett der großen Koalition in Berlin, das Kanzlerin Angela Merkel zur Chefsache gemacht habe. Man müsse jetzt viel schneller handeln, als das noch vor einigen Jahren gewesen sei. "Das wird Veränderungen geben, die alle spüren werden." Ein Beweis, dass der Klimawandel nicht zu leugnen sei, sei das stark veränderte Klima der vergangenen zehn Jahre. Schulze verwies auf den beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie und aus der Kohle. Das müsse aber auch für die Nachbarn gelten. Die Ministerin erinnerte daran, dass das AKW Fessenheim im Elsass immer noch am Netz ist. Laut Schulze gibt es bereits Erfolge bei der Energiepolitik. Dem würden aber auch noch deutliche Defizite bei der Mobilität gegenüberstehen.

So bezweifelte sie klar den Sinn von SUVs in deutschen Städten. Da werde es aber Forderungen an die Hersteller geben, dass der CO2-Ausstoß generell reduziert werden müsse.

Was bisher erreicht worden war, fasste Schulze so zusammen: Vor 20 Jahren habe es Warnungen gegeben, dass die Energieversorgung kollabieren würde, wenn es vier Prozent Strom aus erneuerbaren Energien geben würde. Heute seien 40 Prozent der Versorgung regenerativ – ohne jedes Chaos. Angepeilt würden in der näheren Zukunft 65 Prozent.

Die Frage von Enrico Schandl von " Fridays for Future" aus Lahr, wann der Ausstieg aus der Kohle und Kernenergie beginnen würde, beantwortete Schulze so: "Sofort".

Guido Schöneboom, der bei der Kundgebung als OB-Kandidat teilnahm, verwies auf die Arbeit der Stadtverwaltung und des Gemeinderats in den vergangenen Jahren. Angefangen bei einem neuen Radwegekonzept, Pedelecs in der Stadt und Unterstützung beim Car-Sharing gebe es eine Stabsstelle Umwelt und eine neue Klimamanagerin in der Verwaltung.

Fragen und Kritik gab es von den etwa 100 Besuchern zu Flächenverbrauch, zur Förderung bei der Fotovoltaik oder zu Mängeln bei der Müllentsorgung und dem relativ neuen Phänomen Mikroplastik.

  • Bewertung
    2