Lahr OB-Wahl: "Wir könnten 600 neue Wohnungen bauen"

Diskussionsrunde in Dinglingen im Hotel "Westend". Kandidat Markus Ibert spricht über seine Ideen als künftiger Lahrer Oberbürgermeister. Foto: Braun

Dinglingen - Die Kandidaten der Lahrer OB-Wahl absolvieren in diesen Wochen zahllose Termine, um für sich zu werben. Unsere Redaktion besucht jeden Bewerber bei einem solchen Wahlkampfauftritt. Heute: Bewerber Markus Ibert aus Ettenheim.

Na, da ist kein riesiger Ansturm zu sehen, an diesem frühen Abend in Dinglingen, vor dem Hotel "Westend" in der Schwarzwaldstraße. OB-Kandidat Markus Ibert (51) hat zum öffentlichen Wahl-Rundgang durch den Teil der Stadt geladen, der zwar längst kein eigenständiger Stadtteil mehr ist, aber sich noch immer so fühlt. Nur zwei Gefolgsleute aus dem Ibert-Wahlkampfteam stehen mit dem Kandidaten am Treffpunkt, doch das macht nichts. Die Rundtour mit Haiko Holland von der Bürgergemeinschaft Dinglingen findet trotzdem statt. Denn Markus Ibert geht es auch darum, die großen und kleinen Probleme der einzelnen Stadtbereiche hautnah kennenzulernen.

Dutzende solcher Touren hat er schon hinter sich, Vereine besucht, Gruppen, Organisationen, Firmen, Einrichtungen. Ein taffes Programm, das er da absolviert, mindestens so viele wie die anderen wahlkämpfenden Bewerber. "Mal ist es sehr voll, mal weniger", sagt Ibert. Heute sind es eher weniger Interessierte.

Nach zwei Stunden Rundgang durch Dinglingen wartet im Hotel "Westend" ein Dutzend Interessierter auf seine Ausführungen. Ibert stellt sich und seine Person vor, als "Papa von drei Kindern". Alina, seine 19-jährige Tochter sitzt auch am Tisch.

Seit 40 Jahren mache er Musik, den Wallburger Musikverein führe er als Vorsitzender, steigt Ibert in seine Vorstellung ein. In Lahr machte der Ettenheimer seine Fachhochschulreife, studierte an der Kehler Verwaltungshochschule und startete sein Berufsleben in der Stadtkämmerei von Lahr, die er am Ende leitete, bevor er 2005 Geschäftsführer der IGZ Raum Lahr GmbH wurde. Das ist heute noch seine Aufgabe, parallel fungiert er als Verbandsdirektor des interkommunalen Zweckverbands IGP. Der Chef des Flughafenareals, also.

"Ich stehe mit beiden Füßen auf dem Boden", erklärt er den acht Zuhörern im Hof des Hotels. Einige Hotelgäste sitzen nebenan, ein Brunnen plätschert im Hintergrund. Einer Partei gehöre er nicht an, betont er. Er sehe sich "in der politischen Mitte" und stehe für bürgerlich-liberale Werte. Dass er von CDU und FDP als Kandidat unterstützt wird, fällt unter den Tisch. Stand wohl nicht auf seinen Handzetteln, von denen er die Stichworte für den Abend abliest.

Respekt vor dem Ehrenamt fordert Ibert ein. Selbst Vereinsvorsitzender, weiß er um die Mühen, die diese Posten mit sich bringen. "Die, die sich einmischen ins Leben von anderen, indem sie ehrenamtliche Aufgaben übernehmen, die müssen wir fördern", sagt er.

Dann geht’s in Richtung Wirtschaft. "Heute stehen wir in Lahr sehr gut da, aber wir müssen uns darum kümmern, dass das auch in Zukunft noch so sein wird", betont er. Viele Firmen, die er besucht habe, würden über das Problem klagen, keine Fachkräfte zu finden. Diese zu unterstützen, sei ihm ein echtes Anliegen. Denn wirtschaftliche Stabilität sei "die Basis für ein gutes Leben in Lahr." Dass er Wirtschaft kann, hören die Gäste mehrfach in seiner Ansprache. Viele Tausend neue Jobs seien in seiner Dienstzeit am Flughafen neu angesiedelt und geschaffen worden. Zum China-Thema braucht Ibert an diesem Abend nichts zu erzählen, seine ablehnende Haltung stand morgens schon in der Lahrer Zeitung.

Und dann schwenkt er direkt von der Wirtschaft ins Soziale: "Mich stört massiv, wenn es heißt, bei Zalando seien ja nur unqualifizierte Arbeitsplätze entstanden. Es ist doch nicht jeder ein Ingenieur. Wir haben nicht nur hoch qualifizierte Arbeitsplätze. Aber jeder braucht Arbeit!", wird er lauter. Was er selten wird. Ibert tritt bislang eher still auf, politisches Poltern und Vehemenz hat er noch nicht in seinem persönlichen Werkzeugkasten.

Ein konkretes Projekt hat er dafür mitgebracht. Eines, mit dem er mittelfristig die Wohnungsknappheit in Lahr bekämpfen will. Ihm schwebt eine Überplanung des Areals südlich des Seepark-Geländes vor, von dort bis zur Vogesenstraße. Dort, auf Gemarkung Mietersheim, wo heute Autohändler zu finden sind, einige Firmen, manche Bruchbuden und das einstige Möbelhaus MDS, das heute ein großes Eventhaus ist, möchte Ibert neu sortieren. "Das ist aktuell nicht die Perle der Stadt. Dort ist jedoch schon viel Fläche versiegelt. Die könnte man neu überplanen. Dann hätte man reichlich Fläche für neuen Wohnraum, attraktiv nah an B3 und Bahnhof, mit einem Seepark vor der Haustüre und nicht weit entfernt von den Mietersheimer Fachmärkten", malt er sein Wunschbild von einer ganz neuen Siedlung.

Bis zu 600 Wohnungen wären möglich, schätzt er, für bis zu 1500 Menschen. Sozialwohnungen ließen sich bauen, teils mehrgeschossige Neubauten. Flächenschonend und durchaus sehr aufwertend für Lahr. Die Zuhörer lauschen interessiert. Einen solch’ konkreten Vorschlag gab es bislang noch von keinem anderen Kandidaten.

Ibert fordert dann noch den Ausbau von Radwegen und deren bessere Beleuchtung nachts, mehr Carsharing und Leihfahrräder, natürlich auch einen besseren Bustakt. Gute Schulen, Kinderbetreuung, Pflege, Ärzte und ein breites Kulturangebot werde es mit ihm geben.

Mit ihm, so schließt er seine gut 45-minütige Rede, erwarte Lahr "eine sehr, sehr gute Zukunft", ruft er den Zuhörern zu. "Ich kann das!" Und er wolle bewusst in Lahr OB werden. "Beworben habe ich mich nur in Lahr, nicht in anderen Orten." Die Gäste applaudieren freundlich und lange. Markus Ibert sieht zufrieden in die kleine Runde.

Im Nachhock tauchen noch ein paar Dinglinger Probleme auf. Das Park-Chaos am Terrassenbad, Ärger mit renitenten Obdachlosen, die Krähen-Plage am Bahnhof, fehlende öffentliche Toiletten. Markus Ibert notiert sich die Punkte. Dann wird noch munter über Dieses und Jenes diskutiert und der laue Abend klingt gemütlich aus.

  • Bewertung
    0