Lahr "Wir besinnen uns auf das, was wir können"

Marion Gentges wurde 2016 für die CDU in den Landtag gewählt. Sie bewirbt sich um eine weitere Amtsperiode. Foto: Kleinberger

Lahr/Mittleres Kinzigtal - Seit 2016 ist Marion Gentges für die CDU im Landtag. Jetzt hofft sie auf eine weitere Amtsperiode. Die Corona-Krise sieht sie gleichzeitig als große Herausforderung und Chance. Die Digitalisierung müsse unbedingt vorangetrieben werden.

Programm breit aufgestellt

"Ich mache meine Arbeit unheimlich gern", sagt die 49-Jährige, die seit 2004 eine eigene Rechtsanwaltskanzlei in Zell am Harmersbach betreibt. Als Abgeordnete habe sie in den vergangenen Jahren vielfältige Einblicke in die unterschiedlichsten Themenfelder erhalten – "ich habe viele Dinge gesehen und mich für Vieles eingesetzt", blickt Marion Gentges zurück.

An vielen Stellen habe sie selbst gesehen, dass ihr unmittelbarer Einsatz sich gelohnt, sie etwas habe bewegen können. Ein gutes Gefühl sicher für die Abgeordnete selbst, aber umso mehr für die Betroffenen, denen sie helfen konnte. "Ich würde mich freuen, wenn die Wähler mir die Chance geben würden, weiterzumachen", sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Bei der vorherigen Wahl errang sie das Zweitmandat für den Wahlkreis Lahr-Offenburg.

Die Zusammenarbeit mit dem Koalitionspartner (Bündnis 90/Die Grünen) in den vergangenen Jahren, die Diskussionen und das Einigen auf Kompromisse, haben Gentges großen Spaß gemacht. Die Leidenschaft, mit der sie ihr Amt ausfüllt, wird deutlich, während sie aus dem Alltag berichtet – und auch nach vorn blickt.

Um wieder in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt zu werden, hat Gentges ihr Programm breit aufgestellt. Auf Schwerpunkte angesprochen, überlegt sie trotzdem nicht lange und stellt zuallererst fest: "Baden-Württemberg ist für mich mehr als ein Name." Was in ihren Augen hinter dem Ländle steckt, wird schnell klar: "Baden-Württemberg ist eine Idee. Wir sind das Land der Tüftler und Denker, der schwäbischen Hausfrau und der badischen Lebensart."

Rezept für den Erfolg des Landes

Diese Idee sei das Rezept für den Erfolg des Landes, sowohl wirtschaftlich als auch ideell. Das sei jedoch keine Selbstverständlichkeit, Gentges sieht diese Position gefährdet. "›Chillen statt schaffen‹ löst keine Probleme", stellt die Politikerin, die in Welschen­steinach aufwuchs, klar. Auch die Pandemie bedrohe Baden-Württembergs Wohlstand. "Wir müssen uns auf das besinnen, was wir können."

Und dazu gehören Gentges’ Ansicht nach drei Teilaspekte. Zum Einen sei das die Bildung – "wir müssen weiter, breiter und länger lernen", sagt sie. Das gelte beispielsweise auch für Weiterbildungen während des Berufslebens, die stärker in den Fokus rücken müssten. "Bildung ist auch Persönlichkeitsbildung", stellt die CDU-Politikerin dar. Und: Eine "Lust auf Leistung" gehöre dazu – wir sind im Ländle der "Schaffer".

Der zweite Aspekt, der unmittelbar in eine Stärkung des Bildungsangebots hineinspielt, ist die Digitalisierung. "Und das ist viel zu tun", stellt Marion Gentges für die Region fest. Spätestens in der Pandemie mit ihren Homeschooling- und Heimarbeits-Anforderungen habe sich gezeigt, wie wichtig eine funktionierende digitale Infrastruktur sei – aber da hakt’s.

"Es braucht vor allem Konzepte", fordert die Politikerin und stellt klar: "Jeder Einzelne muss etwas davon haben." Hinsichtlich der digitalen Angebote zur Bildung sei außerdem wichtig, dass diese einen wirklichen Mehrwert böten. "Diese können nicht einfach angeboten werden, nur weil es derzeit so sein muss", stellt Marion Gentges klar. Sie müssten ausgeweitet werden.

Als dritten Schwerpunkt macht sie klar die Wirtschaft aus. Um in der Corona-Krise zu unterstützen, hat das Land viel Geld in die Hand genommen –­ "aus der jetzigen Situation kommen wir nur mit einem neuen Wirtschaftswunder heraus", meint Gentges. Denn die hohe Neuverschuldung in 2020 könne nicht durch Steuererhöhungen kompensiert werden. Vielmehr brauche Baden-Württemberg eine wachsende Wirtschaftslandschaft, um Gewerbesteuereinnahmen zu generieren.

Baden-Württemberg als Vorreiter bei der Entwicklung neuer Technologien

Den Kampf gegen den Klimawandel sieht Gentges in diesem Zusammenhang als Vorteil. "Mit unserem Erfindergeist haben wir die Chance, neue Technologien zu entwickeln. Darin wird unser Beitrag liegen", ist sie sich sicher. Baden-Württemberg als Vorreiter bei der Entwicklung neuer Technologien könne diese dann anderen Regionen zur Verfügung stellen.

Zur Person

Marion Gentges ist verheiratet und hat eine Tochter. Sie kam 1971 in Haslach zur Welt und wuchs im Steinacher Ortsteil Welschensteinach auf. Seit Anfang der 90er-Jahre ist sie Mitglied der CDU Steinach, war von 1993 bis 1996 Kreisvorsitzende der Jungen Union Ortenau und ist seit 1993 Mitglied im Kreisvorstand der CDU – mit einer berufsbedingten Unterbrechung. Darüber hinaus ist Marion Gentges unter anderem Vorsitzende des Arbeitskreises Wissenschaft, Forschung und Kunst. Seit 2004 ist sie selbstständige Anwältin mit einer Kanzlei in Zell.

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