Lahr Winterzelt am Storchenturm

Lahr - Lahrs Gastronomie blickt mit Sorgen auf Herbst und Winter. Wenn die Bewirtung im Freien wetterbedingt wegfällt, sehen viele Häuser für ihre Zukunft schwarz. Am Storchenturm wappnet sich Rebstock-Wirt Peter Becherer mit einem Winterzelt.

Die Verschnaufpause geht jetzt zu Ende

Andreas Feißt, der Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, hat düstere Vorahnungen, wie es kommendes Frühjahr in seiner Branche aussehen könnte: "Wenn es so weitergeht, müssen wir im Januar, Februar und März mit vielen Schließungen bei Betrieben rechnen", sagt er nach Kontakten mit zahlreichen Gastronomen aus Lahr und Umgebung.

Der schöne Sommer habe vielen Gastro-Unternehmen eine wirtschaftliche Verschnaufpause verschafft. "Die Menschen wollen in Cafés und Gaststätten, aber eben viel lieber im Freien, als innen", weiß Feißt. Das bestätigen auch mehrere Lahrer Gastronomen gegenüber unserer Redaktion. Sagen Sommer und Wärme Adieu, würden sich wohl auch wieder viele Gäste mit Café- und Wirtshausbesuchen zurückhalten, schwant den Unternehmern. "Da werden Bomben einschlagen", sagt Dehoga-Chef Andreas Feißt voraus.

Mehrere Gastronomen in und um Lahr, so berichtet Feißt, würden jetzt händeringend versuchen, ihre Situation zu verbessern. Einer von ihnen ist Peter Becherer, der Chef des Traditionsgasthauses Rebstock am Lahrer Wahrzeichen, dem Storchenturm. Im Gespräch mit der LZ berichtete er, was er vorhat:

Was ist am Turm geplant?

Aus der sommerlichen Gartenwirtschaft mit 17 Vierertischen wird ab nächster Woche nahtlos ein "Winterzelt". Geplant ist ein professionelles Zelt mit zehn auf 15 Metern Größe. Es soll bis zum Jahresende dort stehenbleiben, bis kurz nach Weihnachten.

Was ist das für ein Zelt?

Ein herkömmliches Festzelt, sturmsicher und mit festem Boden. Von außen wirkt es optisch wie eine Hütte. Eingerichtet wird es laut Becherer "urig rustikal". Angeboten werden Speisen und Getränke wie im Gasthaus nebenan, das geöffnet bleibt. Es wird im Zelt keine Partys oder Mottoabende geben.

Wie wird das Zelt beheizt?

Mit einer Ölheizung, wie in größeren Festzelten üblich, nicht mit Heizpilzen, die auch in Lahr mittlerweile von der Stadt verboten wurden. Geöffnet sein soll zu den üblichen Rebstockzeiten, also bis in den Abend.

Warum der Aufwand?

"Um wirtschaftlich zu überleben", sagt Peter Becherer. Regulär habe er im Gasthaus 60 Plätze, wegen der Coronabegrenzungen aber jetzt nur 30. Damit könne nicht genug Umsatz gemacht werden. Das bestätigt auch Dehoga-Chef Andreas Feißt: "Die halbe Sitzplatzzahl reicht hinten und vorne nicht". Becherer investiert mehrere Tausend Euro in die 77 zusätzlichen Zelt-Öffnungstage.

Was sagt die Stadt?

"Grundsätzlich sind auch im Winter sowohl Innen- als auch Außenbewirtungen möglich. Zelte und Pavillons werden in jedem Einzelfall geprüft und nach Möglichkeit auch genehmigt". Es gebe eine "wohlwollende Prüfung". Für das Storchenturm-Zelt gab es schon eine Vor-Ort-Besprechung, die laut Becherer positiv ausfiel. Wichtig sei laut Stadt, dass die Außenzelte nicht etwa Rettungseinsätze behindern dürften.

Wie ist es mit Gebühren?

Mit Blick auf die Corona-Situation hat der Gemeinderat entschieden, dass 2020 keine Sondernutzungsgebühren für die Nutzung des öffentlichen Straßenraums durch die Gastronomen erhoben werden.

Was sagt der Gastronomie-Verband?

Die Aussetzung der Gebühren für Sondernutzungen sei ein wichtiges Zeichen, so Degoga-Chef Feißt. Er fordert für die Gastronomie aber weitergehende staatliche Unterstützung in dieser kritischen Phase. Die Politik dürfe die Branche nicht im Regen stehen lasen.

Auch bei der Pacht sollten die Besitzer den Gastronomen entgegenkommen. Sonst werde es für viele zu eng. "Und klar ist dann auch: Wer jetzt seinen Betrieb zumacht, macht später erst mal keinen mehr auf".

Turm wird bunt 

Auch wenn vor dem Storchenturm ein Zelt steht, soll das städtische Wahrzeichen mit Chrysanthemen behängt werden, wie üblich. Einen gestalteten bunten Platz davor wird es aber nicht geben. Die weihnachtliche Krippe mit lebenden Tieren, für die die Werbegemeinschaft verantwortlich zeichnet, soll auch einen anderen Platz finden.

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