Lahr Windradbau hinterlässt Spuren im Wald

Lahr/Seelbach - Der Windradbau hat Spuren auf dem Langenhard hinterlassen – rechts und links des Höhenwanderwegs sind Bäume gefällt worden. Es geht darum, Platz zu schaffen für die Baufahrzeuge und Schwertransporter, die später die Windrad-Flügel anliefern.

Die Baustelle ist gerade eine Attraktion für Wanderer, Mountainbiker und Tierfreunde, die auf dem beliebten Wanderweg mit ihren Hunden Gassi gehen. Am Sonntag gegen 11 Uhr sah man immer wieder Menschen, die Halt machten, um das Fundament des Windrads zu bestaunen, das in den vergangenen Wochen aus Stahl und Beton gebaut worden ist.

Es hat einen Durchmesser von 23 Metern und ist damit um neun Meter breiter als das Fundament des Vorgängermodells, das bei einem Brand im Februar 2019 zerstört worden war – Beleg für die neuen Dimensionen, in die die Windradbauer auf dem Langenhard vorstoßen.

Denn die neue Anlage wird 230 Meter hoch und damit 80 Meter größer als das alte Modell. Entsprechend soll auch der Stromertrag "um das Vierfache" steigen, so Andreas Markowsky von der Ökostromgruppe Freiburg, die die Projektentwicklung übernommen hat. Die Rede ist von einer Nennleistung von 4,2 Megawatt, genug, um rund 3000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom zu versorgen (wir berichteten).

Der Bau des gigantischen Windrads kostet rund fünf Millionen Euro, die die Bürgerbeteiligungs-Genossenschaft Oekogeno aus Eigenkapital und aus Bankkrediten aufbringt. Einen Preis hat allerdings – wenn man so will – auch der Wald zu bezahlen, denn beiderseits des Höhenwanderwegs fehlen jetzt ein paar Bäume.

Den zusätzlichen Platz braucht es für die An- und Abfahrt der Baufahrzeuge, aber auch für die Kräne, die dort noch errichtet werden. Betroffen ist ein insgesamt gut 200 Meter langer Abschnitt des Geroldsecker Qualitätswegs zwischen Langenhard und Hasenberg, neben dem ein bis zu vier Meter breiter Streifen freigeräumt worden ist. Vor allem eine Wanderwegs-Kreuzung knapp 100 Meter westlich des Windradstandorts ist deutlich vergrößert worden, damit dort Schwertransporter einbiegen können.

Befragte Spaziergänger sind sich uneins

Der Textautor hat am Sonntag Wanderer gefragt, was sie von den Rodungsarbeiten halten. Das (natürlich in keinster Weise repräsentative Stimmungsbild): Ein Gassigeher konstatierte nüchtern, dass "der Weg schon breiter geworden ist", während ein älterer Herr sagte, dass das alles nicht so schlimm sei, da insgesamt nicht so viele Bäume gefällt worden seien. Eine Frau mittleren Alters wollte sich nicht äußern, sagte aber doch, dass sie generell keine Freundin von Windrädern im Schwarzwald sei, da sie das Landschaftsbild arg störten.

Dabei ist mit dem eigentlichen Windradbau noch gar nicht begonnen worden. Zunächst wird ein massiver Sockel aus Stahl und Beton errichtet, der später ungefähr fünf Meter aus der Erde ragen wird. Das Windrad soll dann im Sommer aufgebaut werden, wobei der Reihe nach zwei Kräne eingesetzt werden.

Der erste wird Bauteile bis in rund 100 Metern Höhe heben, ehe er wieder entfernt wird. Danach wird ein zweiter, noch größerer Kran errichtet, der zuvor in Einzelteilen angeliefert wird. Mit diesem Spezialkran wird der obere Teil des Windrads mit der Gondel und den drei Rotorblättern in 160 Metern Höhe aufgebaut.

Damit die Baufahrzeuge und später die Schwertransporter mit den rund 67 Meter lagen Flügeln der Windräder einbiegen können, war es erforderlich, Äste am Wegesrand abzuschneiden, aber eben auch, Bäume ganz zu entfernen.

Es geht darum, die mittlere der drei Anlagen des 2005 eröffneten Windparks Kempfenbühl/Schlossbühl neu zu errichten. Eine befindet sich auf Lahrer Gemarkung, die beiden anderen – darunter die, die nun ersetzt wird –­ stehen auf Seelbacher Gebiet.

Die Betriebsführung des neuen Windrads wird die Firma Ecovision mit Sitz in Stuttgart übernehmen. Deren Geschäftsführer Georg Hille teilt mit, dass die Inbetriebnahme für den 31. Dezember 2021 geplant ist.

Info

Als Folge der Bauarbeiten wird der Höhenwanderweg über den Langenhard, Schlossbühl und Kempfenbühl in Fortsetzung des Walter-Caroli-Wegs zeitweise nur eingeschränkt nutzbar sein, hat die Ökostromgruppe Freiburg mitgeteilt. Etwas unterhalb werde ein Ersatzwanderweg ausgeschildert.

"Wir hoffen, dass sich die Wanderinnen und Wanderer mit dem urigen Ersatzweg anfreunden und die Baufortschritte aus der Mitteldistanz interessiert begleiten", wird Geschäftsführer Andreas Markowsky in einer Unternehmensmitteilung zitiert. Wann der beliebte Wanderweg konkret gesperrt wird, steht jetzt noch nicht fest.

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