Lahr "Wie ich ihn liebe – meinen Langenhard"

Naturparadies oberhalb von Lahr: Zum Herbst färbt sich der Langenhard in Rot- und Gelbtöne. Foto: Kaiser Foto: Lahrer Zeitung

Jede Woche berichtet einer der Autoren des Buchs "Der Himmel über der Ortenau" von seinem Lieblingsort in der Region. Heute schreibt der Kulturschaffende Uwe Baumann vom Langenhard oberhalb von Lahr.

W ie ich ihn liebe und schätze – meinen Langenhard. Diese mittlerweile fest in mir verwurzelten Worte drücken ein Gefühl von Wertschätzung und Dankbarkeit für meinen besonderen Ort aus. Einem Ort, an dem ich dem Himmel und der Erde auf vielschichtige Weise ein Stückchen näher bin. Die Rede ist vom Lahrer oder korrekter gesagt Sulzer Hausberg Langenhard – einem kleinen Hochplateau in der Vorgebirgszone des mittleren Schwarzwalds.

Lange Zeit dominierte hier auf dem oberen Langenhard das Militär. Ab 1898 exerzierten kaiserliche und dann später französische Truppen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zu dessen Ende war dieser Truppenübungsplatz in der Hand des kanadischen Militärs. Nach Beendigung des "Kalten Krieges" verließ die militaristische Welt Lahr. Die Natur auf dem oberen Langenhard konnte wieder frei atmen. Und sie mauserte sich 2012 zum "Nationalen Naturerbe Deutschland" – mit integriertem Schutzbrief.

Von den Höhen des Langenhard hat man bei schönem Wetter eine wunderbare Weitsicht über die Rheinebene bis hinüber zu den Vogesen. Je nach Inversionslage blickt man tagsüber in ein Nebelmeer des Oberrheins oder des Nachts in ein faszinierendes Sternenfirmament. Offenland trifft auf dem Langenhard auf unterschiedlichste Waldtypen. Die Natur hat die über lange Jahrzehnte militärische verhunzte Fläche längst schon wieder zurückerobert. Eine reiche, zum Teil seltene bis hin streng geschützte Tier- und Pflanzenwelt hat sich entwickelt. Mächtige Hainbuchen und Stileichen wurzeln ebenso in der Erde wie Schwarzerle, Bergahorn, Espe und die Stechpalmen.

Keulhornbienen und Brombeerperlmutterfalter schwirren durch die Lüfte. Neuntöter, Schwarzspechte sowie der Rote Milan kreisen am Himmel. Gelbbauchunken, Berg- und Fadenmolch fühlen sich wohl in den Kleingewässern. Auf den Wiesen und Feldern grasen Kühe, Schafe und Ziegen – auch sie prägen das Landschaftsbild.

Ja, hier in der heute wieder ungestörten Natur sagen sich Fuchs und Hase tatsächlich gute Nacht. Bereits als Kind war dieses Naturparadies für mich mit seinen Fohlenweiden ein besonderes Familienausflugsziel, als Jugendlicher habe ich Sommerfreizeiten auf dem dortigen Freizeithof verbracht. Später wurde mir der Lahrer Hausberg teilweise zum Arbeitsplatz. Dort durfte ich Ende der 1980er-Jahre meine Idee einer Ökologiestation realisieren. Und heute? Heute lebe ich dort auf einem Bauernhof. Ich genieße die Stille, schöpfe aus dem Naturparadies meine Energie und meine Inspirationen. Der Langenhard bereichert meine Sinne, mein Sein, mein Leben.

"Der Himmel über der Ortenau" ist im Kulturverlag Art und Weise erschienen. Zu kaufen gibt es das Buch für 28 Euro in den Geschäftsstellen unserer Zeitung in Lahr und Haslach sowie im regulären Buchhandel und beim Verlag selbst.

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