Lahr Baustelle: Anwohner ärgern sich über große Lkws

Reichenbach - Die Umleitung für die B 415 sorgt in Reichenbach für reichlich Ärger: Anwohner berichten von Lkws, die verbotenerweise die Strecke befahren und dann in einer engen Kurve stecken bleiben.

Morgens um halb vier ist ein lautes Scheppern zu hören. Wieder hat ein Lkw-Fahrer die Schilder "Einbahnstraße" und "Halteverbot" mit viel Lärm umgestellt oder gar umgefahren, damit sein Fahrzeug um die enge Kurve passt. An ruhigen, erholsamen Schlaf ist nun nicht mehr zu denken. So beschreiben die Anwohner der Wittumstraße und Holunderstraße ihre Lage, seit die Umleitung direkt an ihren Häusern vorbeiführt. Sie sagen, dass zu viele große Lkws durch die engen Seitenstraßen fahren, die eigentlich nur Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen nutzen dürfen. Schwere Transporter brauchen dafür eine Ausnahmegenehmigung.  

Das sagen die Anwohner: Tanja Fischer, Marina Schweinfurth und andere Anwohner beobachten immer wieder, wie große Lkws die kurvenreiche und enge Umleitung nehmen. "Die haben hier nichts zu suchen und können genauso gut über Offenburg fahren", sagt André Marlow. An manchen Tagen seien es bis zu 20 Lkws in einer Stunde gewesen, die fast alle verbotenerweise die Umleitung nutzten, so Marlow.

Nicht wenige von ihnen versuchten demnach, nach Passieren der engen Kurve zwischen Wittumstraße und Holunderstraße mit erhöhter Geschwindigkeit weiterzufahren – oder sie blieben mit ihren Mehrtonnern an den Schildern oder sogar der Mauer dort hängen. Dann rufen die Anwohner die Polizei, die das Fahrzeug die komplette Wittumstraße im Rückwärtsgang wieder hinunterweisen muss.

Fischer, Schweinfurth und die anderen Anwohner sehen das städtische Ordnungsamt in der Pflicht, die illegalen Durchfahrten durch verstärkte Kontrollen zu unterbinden. "Die Posten winken viele Lkws einfach durch und überprüfen noch nicht einmal die Kennzeichen, die auf den Papieren stehen", lautet der Vorwurf. An Samstagen werde gar nicht kontrolliert.

Fischer ruft nach eigenen Aussagen mindestens ein Mal pro Woche auf dem Rathaus an, um von steckengebliebenen Lkws zu berichten. Außerdem hätten sie und die anderen Familien zahlreiche E-Mails geschrieben. Doch die Stadt "hält uns so lange hin, bis wir ruhig sind und aufgeben. Doch das tun wir nicht!". Sie alle fühlten sich "verarscht und nicht ernst genommen". Sie sind der Ansicht, dass die Stadt zu viele Ausnahmegenehmigungen für Lkws erteilt hat.

Zwar habe die Stadt mit dem Aufstellen von Blitzern für den nächtlichen Lkw-Verkehr und einer verbesserten Kommunikation mit den Posten an den Ortseingängen reagiert, doch das hat laut den Anwohnern nur für eine kurzzeitige Verbesserung gesorgt.

 Das sagt die Polizei: Bernd Wagner, der die Führungsgruppe Verkehr bei der Lahrer Polizei leitet, räumt ein, dass vor allem am frühen Morgen und an Samstagen, wenn nicht kontrolliert wird, Lkws durch die Umleitung fahren. "Für uns Polizisten sind solche Einsätze, bei denen wir einen Lkw zurückleiten müssen, Routinearbeit. Für die Anwohner vor Ort ist das ein Drama", so Wagner. Dass die Polizisten in Reichenbach Lkws umleiten und ein Bußgeld verhängen müssen, komme "hin und wieder vor, aber nicht jeden Tag."

Eine Aussage der Anwohner, ausländische Kennzeichen würden erst gar nicht für ein Bußgeld verfolgt, weist Wagner zurück: "Ausnahmslos jeder Fahrer, der die Umleitung verkehrswidrig befährt und den wir anhalten, muss 75 Euro Bußgeld bezahlen, bei Unfallflucht nach Umfahren der Schilder droht dann noch ein Strafverfahren." Mittlerweile sei bereits eine deutliche Besserung spürbar. "Die Anwohner dramatisieren es ein wenig, weil in ihrer Straße zuvor natürlich weniger Verkehr gefahren ist. Aber aus Sicht der Polizei gibt es keine bessere Lösung als diese Umleitungsstrecke." Wenn ein Anwohner am Tag oder nachts die Polizei anrufe, rücke diese immer aus und versuche zu helfen, wo es geht.

Das sagt die Stadt: Die Verwaltung nimmt schriftlich zu einer Anfrage unserer Redaktion Stellung: Die Bauarbeiten "an einer wichtigen Verkehrsachse in Lahr" seien zwar umfangreich, aber auch zwingend notwendig. Auch die Stadt spricht von "Belastungen für die Anwohner, Verkehrsteilnehmer und auch die weiteren Bewohner des Ortsteils Reichenbach". Deshalb habe es früh Gespräche zwischen der Stadtverwaltung, der Verwaltungsspitze und dem Ortsvorsteher mit den Anwohnern und über Monate hinweg auch Besichtigungen vor Ort gegeben. Dabei seien durch die wechselnden Umleitungen, die den ganzen Ort betrafen, "viele knifflige Situation gemeinsam zu bewältigen gewesen." Es seien – im Einvernehmen mit der Polizei – alle möglichen Verbesserungen umgesetzt worden. Trotzdem komme es zu Zuwiderhandlungen gegen das Durchfahrtverbot, "weil eben keine Überwachung rund um die Uhr möglich ist". Dies sei so den Anwohnern aller Umleitungsstrecken mitgeteilt worden, mit denen man auch aktuell im Austausch stehe.

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