Lahr Wer ist dieser mysteriöse Mosaik-Mann?

Lahr - An immer mehr Stellen in Lahrs Innenstadt und in der Umgebung tauchen sonderbare Mosaikbilder auf, an Hauswänden, Brücken und Mauern. Wer steckt hinter diesen bunten Kunstwerken? Die Lahrer Zeitung kam dem Unbekannten auf die Spur.

Bunte Bilder an Hauswänden und auf Gegenständen

Plötzlich sitzt da ein grünes Krokodil auf der Mauer an der Schutter. So zumindest scheint es auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen wird schnell klar, dass das kein echtes ist. Irgendwie sieht das Tier gezeichnet aus. Wie ein Puzzle. Oder ein gepixeltes Videospiel früherer Zeiten.

Nach der Verwunderung kommen die Fragen: Was ist das genau da an der Wand? Kunst? Weshalb ausgerechnet hier? Und wie, bitte, ist das grüne Krokodil dorthin gekommen? Eine Antwort gibt es nicht. Zumindest nicht an der Schutter.

An der Ecke Kirchstraße und Roßplatz prangt ein weiteres Bild an der Wand, bestehend aus einem Dutzend Kleinteilen. Ein weiß-roter Pilz direkt über einem Zigarettenautomaten. Es zeigt wohl "Toad", eine Figur aus dem Computerspiel "Super Mario". Auch hier nur Fragen: Wer hat dieses Puzzlebild geschaffen? Einen Namen, eine Signatur sucht man vergebens.

Dafür aber finden sich in Lahr eine Vielzahl von weiteren Bildern dieser Art. Kunterbunte Bilder an ungewohnten Stellen, die nicht zu übersehen sind, wenn man erst mal ein Auge für die kleinen Dinger entwickelt hat.

Unsere Redaktion hat Blut geleckt und suchte den Urheber, den Künstler. Doch den zu finden, war nicht einfach. Wie sucht man jemanden ohne einen Anhaltspunkt? Nach einiger Recherche gibt es dann einen ersten Hinweis.

Über die sozialen Medien Kontakt aufgenommen

In der Facebook-Gruppe "Du bist aus Lahr, wenn..." berichtet ein Nutzer von obskuren Werken in Lahr.

Die Diskussion nimmt daraufhin an Fahrt auf. Auch andere erzählen, dass sie derartige "Kunstwerke" gesichtet haben. Die Teilnehmer sind sich einig: Ihnen gefällt, was sie sehen. "Ich persönlich finde die Dinger recht witzig, besser als manche doofe Graffiti-Schmiererei", schreibt etwa einer. Auch die weiteren Bilder haben alle eines gemeinsam: Sie bestehen aus einzelnen Teilen, sehen von der Machart her alle identisch aus.

Über den sozialen Dienst Instagram gelingt es unserer Redaktion nach mehreren Anläufen schließlich, den Urheber der Bilder ausfindig zu machen.

Vorweg: Wer er genau ist, wo er wohnt, sein Alter, all’ das bleibt auch unserer Redaktion bis zum Ende verborgen. Der junge Mann Anfang 20 will inkognito bleiben. Das ist seine Bedingung, als er sich mit unserer Redaktion erst digital im Netz und dann kurz auch live trifft.

Der Puzzle-Mann hat den Künstlernamen "le_konditor". Also ein Konditor. Auf seinem Profilbild im Netz trägt er eine große weiße Haube, wie sie Konditorenmeister tragen, mit aufgeklebtem schwarzen Schnurrbart. Die Haube ragt ihm über das ganze Gesicht, verhüllt alles, wie eine Sturmhaube bei Motorradfahrern. Nur seine Augen und der Mund sind sichtbar.

Auf eine Anfrage zur Videoschalte willigt er ein. Doch auch da bleibt die Verhüllungshaube auf. "Kondi", wie er genannt werden möchte, scheint das zu gefallen. Er hüllt sich in Geheimnisse. Gibt wenig bis gar keine Auskunft. Kommt er aus Lahr? "Aus der Region", antwortet der Mann. Weshalb der Name "Konditor"? Das sei eine Hommage an einen stereotypen Kerl aus dem Film "Ratatouille". Und bei der Herstellung seiner Kunstwerke gehe es teils auch zu wie beim Konditor. Etwa, wenn der Kleister hinten auf die Puzzle gepresst wird, das sehe aus wie ein Konditor beim Tortenverzieren mit dem Spritzbeutel.

Ein spezieller Kleber trägt die Bilder

"Kondi" möchte Menschen eine Freude bereiten, erklärt er. Diese untypischen Bilder seien eine Anlehnung an die Naschbeutel von früher. Für kleines Geld bekamen Kinder eine Auswahl an Gummibärchen. Süß, sauer oder beides auf einmal. Genau das möchte der Künstler auch ausdrücken. Jeder soll bei seiner Kunst auf seinen Geschmack kommen. Und das gelingt ihm augenscheinlich. Auf Facebook und Instagram kommen seine Mosaike gut an. Er selbst habe mit einem derart positiven Feedback nicht gerechnet.

Inspiriert wird "Kondi" von keinem geringeren als Leonardo da Vinci, wie er verrät. Dieser habe keine Grenzen gesetzt, sich mit allem beschäftigt. So, wie er es jetzt auch macht. Er möchte die Kunst für sich sprechen lassen. Nervenkitzel suche er dagegen aber auf gar keinen Fall, versichert er.

Doch wie bringt er die Bilder an die Wand? Und aus was bestehen sie? Die Mosaike sind aus normalen Fliesen angefertigt, erklärt "Kondi". Solche, die es im Baumarkt zu kaufen gibt. Je nach Motiv brauche er dafür verschiedene Größen. Diese Fliesen besprüht oder lackiert er dann. Mit einem entsprechenden Kleber befestigt er die Mosaike auf dem jeweiligen Untergrund. Manche müssen also schon länger in der Stadt hängen, bei ihnen blättert an manchen Stellen der Lack schon wieder ab.

Künstler bringt sein Werk heimlich an 

Und wie und wann bringt er die Fliesen an? "Das kommt auf das Bild und den Platz an", verrät der Künstler. Im Vorfeld spähe er die ausgewählte Gegend aus, beäuge den bevorzugten Platz. Wenn die Luft rein sei, bringe er sein Werk an. Dabei nutze er einen Spritzbeutel, den auch Konditoren nutzen.

Gefüllt sei dieser aber nicht mit Sahne, sondern mit seinem geheimen Klebstoff. Und bekommt man die Teile auch wieder weg? Vielleicht gefallen sie ja nicht jedem? Hm, ja, schon, meint der Puzzle-Mann, "die bekommt man schon wieder weg". Ärger hat er bei seinen Aktionen bislang noch nicht bekommen. Sich aber auch noch nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht, hört man im Gespräch mit ihm heraus.

Das Anbringen erledige er zumeist alleine. Ein richtiges Team habe er nicht. Eher Helfer, die sich immer mal wieder abwechseln würden. Diese Wechsel ziehen sich auch durch seine Werke. Er lasse sich inspirieren, gehe Kompromisse mit seinen Helfern ein. Am Ende entstehen eben Motive, inspiriert aus Filmen oder Comics. "Es könne alles passieren", sagt "Kondi" kryptisch. Er will auf jeden Fall weitermachen. Inkognito.

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