Lahr Kommunalwahl: Wenn Schüler erstmals wählen dürfen

Mazze Biegert (rechts) brachte den Jugendlichen das Thema Kommunalpolitik näher. Foto: Baublies

Lahr - Bei der Kommunalwahl am 26. Mai dürfen auch 16- und 17-Jährige wählen. Warum sie davon Gebrauch machen sollten, hat Lehrer Mazze Biegert der Klasse 10 d der Otto-Hahn-Schule bei einem Vortrag im Schlachthof nahegebracht.

"Irren ist menschlich – jemand anderen dafür verantwortlich zu machen ist Politik." Das sagte Hubert Humphrey, der von 1965 bis 1969 Vizepräsident der USA war. Und der chinesische Revolutionär Mao Tse Tung (1893 bis 1976) bezeichnete Politik als "unblutigen Krieg". Mit diesen Statements hatte Realschullehrer Biegert das Interesse der Schüler schnell geweckt. Sie folgten einer theoretischen Einheit über Demo­- kratiemodelle und so abstrakte Begriffe wie Volkssouveränität sowie Gewaltenteilung. Anschaulich klang das so: "Im Parlament wird geredet." Das gelte für den Bundestag ebenso wie für alle Landtage, den Kreistag oder jede Gemeinderatssitzung.

Was aber hat der Gemeinderat einer Stadt wie Lahr für Aufgaben? Freiwillige Aufgaben seien ein Jugendcafé, wie es nach der LGS in der Stadt geplant ist, das Terrassenbad oder die Jugendbegegnungsstätte Schlachthof – samt dieser "Unterrichtsstunde". Das war anschaulich. Immer noch recht nah an der Praxis für die Schüler waren "weisungsfreie Pflichtaufgaben" einer Verwaltung: wie Schulen und Kindergärten in der Stadt unterhalten werden oder der Betrieb der Feuerwehr und die Straßenreinigung. Außerdem übergibt das Land "weisungsgebundene Pflichtaufgaben" an die Kommunen. Dazu gehören das Einwohnermeldeamt oder das Standesamt, erfuhren die Zehntklässler.

"Ich werde euch eine Stunde vollquasseln"

Biegert unterrichtet Schüler in dieser Form außerhalb der Schule seit Jahren. Den Frontalunterricht – der Lehrer steht der geschlossenen Klasse gegenüber – bezeichnete Biegert nach der Begrüßung salopp so: "Ich werde euch eine Stunde vollquasseln." Dass das Ganze trotzdem anschaulich war, lag an der Art, wie der 38-jährige Lehrer die Klasse ansprach, und wie er seine weniger theoretischen Beispiele darstellte.

Eine "Teilnehmer­gebühr" war ein Fragebogen, den alle – wenn gewollt sogar mit Kontaktdaten – am Ende ausfüllten. Biegert versprach, den Adressaten alles zukommen zu lassen, was zu den Kommunalwahlen wichtig ist. Vertreter des Jugendgemeinderates, die dieses Plenum initiiert hatten, belohnten die Besucher am Ende mit alkoholfreien Cocktails.

Der Lehrer appellierte an die Schüler, sich an der Politik zu beteiligen. Dazu haben die meisten von ihnen am 26. Mai die Gelegenheit, denn bei Kommunalwahlen liegt die Altersgrenze bei 16 Jahren. Biegerts Zuhörer sind zwischen 15 und 17 Jahren alt.

Dass sie an dem Stoff Interesse haben, erklärten hinterher vier junge Frauen, die im Mai wählen dürfen und das auch tun wollen. Sie fanden alles, was Biegert erzählt hatte, interessant. Es habe einen guten Überblick zu dem Thema gegeben. Die neue Sichtweise sei hilfreich gewesen.

Die Konkurrenz zum relativ trockenen Thema Wahl der Kommunalparlamente im Schlachthof war beträchtlich. Fast gleichzeitig haben Schüler am Freitag für mehr Klimaschutz demonstriert (wir haben berichtet).

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