Lahr Weitere Helfer willkommen

Lahrer Zeitung
Symbolfoto: Vechta Foto: Lahrer Zeitung

Freundeskreis Flüchtlinge hat sich für 2017 einiges vorgenommen

Die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge hat auch in Lahr abgenommen. Doch es bleibt immer noch eine Menge für sie zu tun. "Die Arbeit hat sich nur verlagert", teilt der Freundeskreis Flüchtlinge Lahr mit.

Lahr (sl). "Vor einem Jahr haben wir den Migranten gezeigt, wo sie günstig Kleider und Lebensmittel einkaufen können. Heute zeigen wir ihnen, wie sie an einen Job oder eine Wohnung kommen", berichtet Stephanie Kempchen auf der Internetseite des Freundeskreises.

Die Tierärztin, die dem fünfköpfigen Sprecherteam des Freundeskreises angehört, nennt ihre Gründe, den Neuankömmlingen unter die Arme zu greifen: "Es war mir wichtig, die Menschen mit offenen Armen zu empfangen, auch um ihnen Regeln zu vermitteln, wie man sich am besten verhält und sich somit am einfachsten integriert." Auch Abteilungsleiter David Schaller, ebenfalls Mitglied im Sprecherteam, offenbart seine Motivation: "Ich arbeite auf dem Flugplatzgelände. Daher musste ich zu meinem Entsetzen bereits im November 2015 Flüchtlinge in Flip-Flops und T-Shirts, also in jahreszeitlich nicht angemessener Kleidung, beobachten und habe beschlossen, dass das so nicht bleiben konnte."

Die rund 100 Helfer des Freundeskreises haben vielfältige Aufgaben: Sie geben Deutschunterricht, übernehmen Sprach- und Familienpatenschaften, begleiten Flüchtlinge zu Ämtern und Ärzten, helfen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Heimfried Furrer, ebenfalls Sprecher des Freundeskreises, nennt in einer Pressemitteilung Erfolge, die man in 2016 erzielt habe, etwa das Konzert von In-strumentalisten der Musikschule und Flüchtlingen im Konzertsaal der Musikschule, die Gründung der Flüchtlingsband "The Worlderers" und ihre Auftritte, die Teilnahme von Flüchtlingskindern an der Stadtranderholung, die zwei Fahrradkurse der Polizei für Flüchtlinge sowie Verbesserungen im Außenbereich der Unterkünfte – zum Beispiel durch das Aufstellen von Sitzgarnituren.

Flüchtlinge sollen verkehrssichere Fahrräder erhalten

Im neuen Jahr habe der Freundeskreis sich vor allem Projekte vorgenommen, die die bereits laufenden Unternehmungen weiterführen und vertiefen. So seien die Einrichtung von W-LAN für die Containerunterkunft auf dem Flugplatz und eine Gemeinschaftsantenne für die Unterkunft in der Willy-Brandt-Straße in Planung. "Unser Ziel ist es auch, möglichst alle Geflüchteten, die Bedarf anmelden, mit verkehrssicheren Fahrrädern zu versehen. Ein Tag mit Reparaturen und Fahrradausgabe ist für Januar vorgesehen", berichtet Furrer. Außerdem werde der Freundeskreis sich an den drei Erste-Hilfe-Kursen des DRK für Geflüchtete beteiligen, die mithilfe von Dolmetschern auf Englisch, Arabisch und Farsi Anfang des Jahres veranstaltet werden.

Ein weiteres wichtiges Ziel des Freundeskreises laut Furrer: "Wir wollen noch viele weitere Mitstreiter und Mitstreiterinnen gewinnen, die einzelne Flüchtlinge oder Familien betreuen."

Die Voraussetzungen für die wachsende Zahl von Geflüchteten in der Anschlussunterbringung müssten indes noch verbessert werden, stellt Furrer fest: "Wir wollen das soziale Miteinander in den Unterkünften fördern. Das erfordert Räume, in denen man miteinander kommunizieren, lernen, spielen kann. Hier ist das Landratsamt in der Pflicht."

"Deutsch lernen, Arbeit suchen und Wohnen, also raus aus dem Camp auf dem Flugplatz." Auf diesen Nenner bringt Schaller den Schwerpunkt der derzeitigen Arbeit für Flüchtlinge. Die Sprecher des Freundeskreises geben auch Antwort auf die Frage, wie sich ihr Engagement mit ihren Berufen und ihrem Privatleben verträgt. "In der Regel sehr gut, manchmal aber auch gar nicht, etwa wenn man an einem Telefon einen Flüchtling hat und am anderen einen Anruf wegen eines Patienten", so Kempchen. "Mein Privatleben leidet darunter kein bisschen – im Gegenteil", so Schaller. Vielmehr würde er , besonders auf menschlicher Ebene, "großartige Dinge erleben, die ich ohne meine Beziehung zu den Geflüchteten und ihren Familien nie hätte erfahren dürfen".

Weitere Informationen: www.freundeskreis-fluechtlinge-lahr.de