Lahr Freizeit: Weiter Weg ins kühle Nass

Diesen jungen Männern aus Straßburg ist anzusehen, dass es ihnen im Lahrer Terrassenbad gefällt. Hier dürfen sie Badeshorts tragen, die in französischen Bädern verboten sind. Foto: Launay

Lahr - Sie haben einen Anfahrtsweg von mindestens 30 Minuten, tummeln sich aber trotzdem zahlreich im Terrassenbad: Fran­zosen. Wir haben uns bei Besuchern aus unserem Nachbarland umgehört, weshalb das Lahrer Bad bei ihnen so hoch im Kurs steht.

Zahlen, wie hoch der Anteil der französischen Badegäste ist, gibt es nicht, da die Nationalität der Besucher natürlich nicht erfasst wird. Vor allem an Sonn- und Feiertagen kommt gefühlt aber jeder vierte, vielleicht sogar jeder dritte Gast aus Frankreich. Viele von ihnen reisen aus Straßburg an, aber auch aus anderen Städten im Elsass, etwa aus Benfeld oder Hindisheim, die immerhin zwischen 30 und 35 Kilometer von Lahr entfernt sind.

Die Franzosen finden Lahr aus verschiedenen Gründen gut. Eine Gruppe aus sechs jungen Männern, zwischen 16 und 20 Jahre alt, sagt, dass sie "ein- bis zweimal pro Monat" kommen, weil das Schwimmbad sehr groß sei und man in Badeshorts baden dürfe, die nicht eng am Körper anliegen müssen, wie es in Frankreich in den meisten Schwimmbädern vorgeschrieben sei.

Sophie Thomas, die mit ihren beiden Töchtern auf der Liegewiese entspannt, findet die Grünflächen und die Kinderbecken besser als in Frankreich. "Es sind meine Kinder, die unbedingt in dieses Bad kommen wollen. Manchmal schlage ich vor, in ein anderes zu gehen, aber sie wollen nicht", sagt sie mit einem Lächeln. Jedes Mal wenn sie das Terrassenbad besucht, muss sie dafür aus Hindisheim 40 Minuten fahren. Aber es würde sich lohnen. Im Gegensatz zu den meisten anderen französischen Badegästen, die nie in die Lahrer Innenstadt gehen, macht Sophie Thomas dort manchmal auch ihre Einkäufe, wie sie erzählt.

Franzosen schätzen es, im Bad essen zu dürfen

Die Jugendlichen mögen die Sprungbretter, während die Familien die Rutsche, die gemütliche Atmosphäre und die Möglichkeit schätzen, im Bad auch essen zu dürfen, wie wir bei Gesprächen mit französischen Gästen erfahren. Denn in den meisten Bädern auf der anderen Seite des Rheins sei das Essen nicht erlaubt.

Martine David aus Erstein, Mutter von zwei und sieben Jahren alten Jungs, sagt, dass das Terrassenbad sauberer sei als französische Bäder. Außerdem seien die Freibäder in Frankreich an Feiertagen geschlossen. Der einziges Minuspunkt im Lahrer Bad sei, dass sich an Tagen mit vielen Besuchern lange Schlangen vor dem Kiosk bilden würden, so die Französin, die es sich mit ihrem Nachwuchs auf der Wiese neben dem Kinderbecken gemütlich gemacht hat.

In Straßburg gibt es zu wenige Schwimmbäder

Auf der großen Liegewiese zwischen dem Nichtschwimmer- und dem Schwimmerbecken kommt die Berichterstatterin mit zwei Familien aus Straßburg ins Gespräch. Sie erzählen, dass sie seit sechs Jahren jeden Sommer ins Terrassenbad kommen, weil es so groß sei. Außerdem gebe es in Straßburg einfach zu wenige Freibäder.

Tatsächlich verfügt der Großraum Straßburg mit gut 600 000 Einwohnern lediglich über neun Schwimmbäder. Deshalb hat die Elsass-Metropole einen "Schwimmbäderplan" aufgestellt, der für einen Zeitraum von zehn Jahren 100 Millionen Euro für Modernisierungen der Bäder vorsieht.

Doch zurzeit müssen viele Straßburger, die sich im Sommer abkühlen wollen, noch weite Wege auf sich nehmen – nach Lahr zum Beispiel.

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