Lahr Das sollten Chefs alles drauf haben

Chefs haben’s nicht leicht, sagt Personal-Coach Mario Leutner von der neuen Volksbank-Akademie. Viele müssen ihren Führungsstil in veränderten Zeiten neu ausrichten. Foto: Braun

Lahr - Die Volksbank Lahr setzt seit dieser Woche auch auf externe Beratung von Firmenkunden, die Fragen rund um Personalmanagement und soziale Medien haben. Dazu wurde im größten Kreditunternehmen der Stadt eine neue Abteilung geschaffen, die als "Die-Mehr-Akademie" an den Start geht. Mario Leutner als ausgebildeter Coach gibt den Firmenchefs Tipps, wie es mit dem Führen von Personal besser läuft.

Herr Leutner, wenn es um moderne Mitarbeiterführung geht: Was zeichnet eine erfolgreiche Führungskraft aus?

Sie nimmt im heutigen Zeitalter mehrere und somit auch neue Rollen ein, welche in der Vergangenheit noch nicht so relevant waren.

Was sind das für Rollen?

Als Sinnstifter vermittelt der Chef den Sinn der anstehenden Veränderungen und gibt den Mitarbeitern so die notwendige Orientierung. Als Coach und Begleiter bezieht die Führungskraft die Mitarbeiter viel mehr in die Veränderungsprozesse mit ein und begleitet diese während der entsprechenden Prozesse. Er ermächtigt und entwickelt die Mitarbeiter zum eigenverantwortlichen Handeln. Aus meiner Sicht ist dies der Punkt, der in der Praxis noch nicht gelebt wird, weil entsprechende Coaching- und Feedback-Kompetenzen nicht oder noch nicht vorhanden sind.

Was muss ein guter Chef heute noch sein?

Ein Personalentwickler, der stetig die Mitarbeiter in ihrer Entwicklung unterstützt, gerade, was das Lernen vor Ort mit Kollegen oder Kooperationspartnern angeht. Hier besteht oft noch der Gedanke, dass lediglich in der Schule oder im Training gelernt wird.

Muss er nicht auch Vorbild sein?

Ja, natürlich. Nach wie vor gilt, dass die Führungskraft das vorleben muss, was an Zielen, Vorgehensweisen und so weiter definiert wurde. Ganz spannend: Gerade was die Digitalisierung angeht, müssen die Führungskräfte eine Vorbildrolle einnehmen. Nüchternes Signal: Erhebungen von führenden Managermagazinen zufolge sind neun von zehn Führungskräften nicht fit für den digitalen Wandel.

Was hat sich bei der Personalführung verändert?

Genau das ist die Krux. Leider hat sich da noch nicht so viel verändert, da viele Führungskräfte in der Regel oft so führen wie es auch ihre Vorgänger getan haben, oder es in der Unternehmenskultur noch verankert ist. Tatsächlich leben wir nun aber im 21. Jahrhundert, in einem Zeitalter mit überdimensional schnellen Veränderungen, mit neuen Mitarbeitergenerationen, der Digitalisierung und Netzwerken, etwa mit öffentlichen Bewertungsportalen, wo Mitarbeiter ihre Chefs und das Unternehmen bewerten können. Es gibt viele Chancen, viele Headhunter und vor allen Dingen ist die Wertewelt eine andere geworden. Es gilt Potenzialträger und Schlüsselpositionen zu halten, weiter zu entwickeln und das Unternehmen auch für Bewerber attraktiv zu machen.

Haben das schon alle Chefs begriffen?

Leider nein.

Was sollte man tun, damit die Mitarbeiter so mitmachen, wie man es sich vorstellt?

Führungskräfte sollten wertschätzend und fürsorglich zu ihren Mitarbeitern sein. Sie sollten Förderer und Unterstützer der Mitarbeiter sein und aktiv Feedback geben und auch aufnehmen. Konsequent ziel- und aufgabenorientiert sollten sie sein, dazu lösungsorientiert vorgehen und Verantwortung übernehmen. Das Vorleben von Transparenz, offener Kommunikation und dem Einbeziehen der Mitarbeiter gehören dazu.

Das ist eine ganze Menge. Aber selbst, wenn ich das alles beherzige, wird es doch weiterhin Mitarbeiter geben, die sich nicht ändern wollen und werden.

Das stimmt leider. Allerdings glaube ich, dass es sich dann hierbei in den wenigsten Fällen um Potenzialträger handelt.

Was sind die schlimmsten Fehler, die man als Chef heutzutage machen kann?

Ganz einfach: Alles, was ich gerade an Anforderungen genannt habe, nicht zu beherzigen.

Thema Digitalisierung: Was raten Sie mit Ihrer neuen Akademie da Unternehmern, die damit erst starten oder noch kurz davor sind?

Sie sollten sich zuerst viele Fragen stellen, um Klarheit zu erlangen und konkrete Ziele definieren zu können. Dies am besten gleich mit relevanten Vertretern und Multiplikatoren entsprechender Mitarbeitergruppen.

Welche Fragen sollten sich die Firmenchefs stellen, wenn es um die Digitalisierung geht?

Wenn es um digitale Prozesse im Unternehmen selbst geht: Was ist unser Ziel und unsere Vision? Was genau soll optimiert werden und warum? Was soll der Nutzen sein? Was für Auswirkungen hat dies für uns generell, für unsere Kunden, für unsere Mitarbeiter? Wen müssen wir mit einbeziehen? Wie sichern wir die Nachhaltigkeit? Wie gehen wir konkret vor?

Da ist also viel zu hinterfragen. Wenn es um Social Media Marketing geht, wie geht man da am besten heran?

Auch mit vielen Fragen: Wie wollen wir wahrgenommen werden? Was wollen wir wie kommunizieren? Warum wollen wir das kommunizieren, was bringt uns das? In welchen sozialen Medien treffen wir unsere relevanten Zielgruppen? Wie können wir gewährleisten, dass wir stetig präsent sind und bleiben? Wie können wir unsere Mitarbeiter zu Werbeträgern und Influencern motivieren und befähigen? Und: Wie sichern wir die Nachhaltigkeit?

Wie gewinnt man seine Mitarbeiter, sich für dieses Thema zu begeistern?

Mitarbeiter gewinnt man für Veränderungen, indem man sie bestenfalls gleich integriert. Indem man den Grund für die Veränderung transparent macht und den entsprechenden Nutzen für Unternehmen, für Kunden, für Mitarbeiter kommuniziert. Auch wichtig: Man sollte die Mitarbeiter begleiten, befähigen und stets über den Verlauf der Veränderung informiert halten. Immer mit gegenseitigem Feedback.

Chefs sollten da doch sicher auch vorangehen?

Auf jeden Fall! Alle relevanten Führungskräfte sollten geschlossen hinter dem entsprechenden Projekt stehen und die gewünschten Veränderungen für die Mitarbeiter wahrnehmbar vorleben.

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