Lahr Walter Caroli erhält großen Beifall

Walter Caroli (rechts) hat dem Lahrer Gemeinderat fast 46 Jahre angehört – nun nicht mehr. Bei seiner Verabschiedung durch OB Markus Ibert war auch seine Frau Hannelore dabei. Foto: Schabel

Lahr - Walter Caroli gehörte dem Lahrer Gemeinderat schon an, als einige heutige Mitglieder noch gar nicht geboren waren. Nach fast 46 Jahren ist er am Montagabend aus dem Gremium verabschiedet worden.

Um 19 Uhr war der "historische Moment" gekommen, wie OB Markus Ibert es formulierte: Caroli verließ die Lahrer Volksvertretung, der er seit 1975 ohne Unterbrechung angehört hatte. Zuvor hatte der Rat eine Stunde lang über Hilfen für Gastronomen diskutiert und war sich dabei lange nicht einig geworden, obwohl doch eigentlich alle Ratsmitglieder den hiesigen Wirten in dieser schweren Zeit unter die Arme greifen wollen. Ein Caroli in Normalform hätte da beizeiten ein klärendes Wort gesprochen, diesen Gedanken konnte man als Beobachter haben.

"Alles hat seine Zeit."

Der 77-Jährige ist gesundheitlich auf der Höhe, leidet aber an den Folgen einer Stimmbandlähmung und konnte sich deshalb in den vergangenen Wochen nicht mit der gewohnten Wortgewalt in die Debatten des Gremiums einschalten. Deshalb hat er beschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen, obwohl es mit seiner Stimme jetzt immer besser wird, wie am Schluss zu hören war, als er ein paar persönliche Worte sagte. Er sei mit Leidenschaft Ratsmitglied gewesen, "aber alles hat seine Zeit", so Caroli.

Den Mitgliedern des Gremiums wünsche er "ein glückliches Händchen". Er selbst werde aktiv bleiben, aber nicht in der Politik.

Caroli erforscht bekanntlich die Lokalhistorie. So verfasste er Chroniken über Kuhbach, Dinglingen und Sulz – ohne Honorar. Zurzeit stellt er in einer Serie der Lahrer Zeitung die traditionsreichsten Gasthäuser der Stadt vor.

Ibert lobte Caroli eingangs in den höchsten Tönen und zählte eine ganze Reihe von Auszeichnungen auf, die er für sein ehrenamtliches Wirken erhalten hat, zum Beispiel für sein Engagement für den Langenhard. Caroli hatte sich über mehrere Jahre beharrlich dafür stark gemacht, dass das 109 Hektar große, bis 1992 von den Kanadiern genutzte Gelände zu einem Nationalen Naturerbe wird. Auch für Menschen mit Behinderungen setzt er sich ein. Und natürlich hat er auch im Landtag seine Spuren hinterlassen, wo er von 1988 bis 2006 ein Mandat hatte.

Im Lahrer Gemeinderat habe Caroli eine Ära geprägt, hob Ibert hervor. Zehn Wahlkämpfe für den Gemeinderat habe er in all den Jahren erfolgreich bestritten, vier Oberbürgermeister erlebt und zahlreiche politische Debatten im Gremium "angeführt", wie Ibert es nannte. Durch sein Wirken auf den unterschiedlichsten Ebenen, sei es im Gemeinderat oder in anderen Ehrenämtern, habe Caroli "Spuren in der Stadtgeschichte geschrieben".

"Walter Caroli hat seinen Platz in der Stadtgeschichte sicher."

Den Dankesworten schloss sich Eberhard Roth an, der für alle Fraktionen sprach. Roth erinnerte an ein paar der wichtigsten Entscheidungen für die Stadt, die in der langen Ratszeit Carolis getroffen wurden, sei es die Konversion des Flugplatzgeländes oder die Entscheidung, die Landesgartenschau nach Lahr zu holen.

Bei Diskussionen im Gemeinderat seien bisweilen "die Fetzen geflogen", trotzdem habe man sich am Ende immer gut vertragen, hob Roth hervor. Dann verlas er Statements der anderen Fraktionssprecher, aus denen erkennbar war, welchen Respekt Caroli, das dienstälteste Ratsmitglied, genießt. Er sei "ein Homo Politicus in der reinsten Form", hieß es zum Beispiel. Und dass es "sehr schade" und "ein großer Verlust" sei, dass er nun aufhört.

Auch Roland Hirsch, Fraktionssprecher der SPD, dankte Caroli, bezeichnete ihn als treibende Kraft der SPD-Fraktion über Jahrzehnte hinweg. Mit seinem vielfältigen Wirken habe er sich "einen Platz in der Stadtgeschichte gesichert". Er bedauere es, dass Caroli im Gemeinderat aufhört, freue sich aber darauf, viele interessante Texte von ihm über die Stadtgeschichte zu lesen.

Caroli erhielt Geschenke, seine Frau Hannelore wurde nach vorn gebeten, Ibert wollte auch ihr danken. Tja, und dann war der Moment gekommen, die Ratskollegen erhoben sich von ihren Plätzen und verabschiedeten Walter Caroli mit anhaltendem Beifall aus ihrem Kreis.

Norbert Bühler rückt nach

Für Walter Caroli rückt Norbert Bühler, der Ortsvorsteher von Kuhbach, in den Gemeinderat nach. Nach der Verabschiedung Carolis wurde er von OB Ibert verpflichtet. Das Amt des Dritten Bürgermeister-Stellvertreters übernimmt jetzt Hermann Kleinschmidt, der am Montagabend mit den Stimmen aller Ratsmitglieder gewählt wurde.

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