Lahr Von den Darstellungen aus der Steinzeit bis zu Gutenberg

Tom Jacob zeigte viele alte Schriftstücke. Foto: Haberer Foto: Lahrer Zeitung

Von Jürgen Haberer

Lahr. Im Rahmen der Literaturtage "Orte für Worte" hat es am Dienstag einen Exkurs gegeben, der tief in die Geschichte der Buchkunst und die Entstehung der Schrift eintauchte. In den Räumen der Freimaurerloge "Allvater zum freien Gedanken" referierte Tom Jacob über die Buchmalerei des Mittelalters.

"Am Anfang war das Wort und das Wort war Gott", leitete der Evangelist Johannes seine Version des neuen Testaments ein. Der Wunsch, Gottes Wort weiterzutragen, spielte zumindest in Europa eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Buchkunst. Ihre Anfänge reichen aber weit in die vorchristliche Zeit zurück. Ganz am Anfang standen die Höhlenmalereien der Steinzeit, die bildlichen Darstellungen von Tieren. Vor rund 6000 Jahren wurde dann in Mesopotamien die zunächst vor allem auf Bildsymbolen basierende Keilschrift entwickelt. Das älteste literarische Werk dürfte das vor mehr als 4000 Jahren entstandene "Gilgameschepos" sein.

Der Exkurs von Jacob wanderte von der Entstehungsgeschichte der Schrift zur Buchkunst, von der Tontafel und dem antiken "Kodex" zu den Schriftrollen aus Papyrus und dem Pergament, das erst den Siegeszug des Buchs in den kalten und feuchten Regionen Europas ermöglichte. Das geschriebene Wort war dort über viele Jahrhunderte einer kleinen, gebildeten Schicht vorbehalten. Zu Beginn des Mittelalters sind nicht einmal zehn Prozent der Menschen des Lesens und Schreibens mächtig, in den Klöstern blühten aber ab dem achten Jahrhundert die Schreibstuben auf. Die Buchmaler unter den Mönchen entwickelten eine Kunstfertigkeit, die immer weitere Kreise zog. Im Zen-trum standen dabei vor allem die Illustrationen, die vom Leben der Heiligen und den Werken Jesu erzählen. Es entstanden immer mehr Handschriften, die selbst auf die Menschen des 20. Jahrhunderts eine Faszination ausüben.

Auch Jacob ist spürbar von dem Virus infiziert. Immer wieder unterbrach er den Vortrag, um den rund 60 Zuhörern Bilder aus reich illustrierten Prachtbibeln und anderen theologischen Werken zu zeigen. Musikalisch begleitet wurde er von Günter Bläsi, der auf Drehleier, Sackpfeifen und Psalter alte Melodien und Lieder anstimmte. Maximilian Lichtenberg, Meister der Loge, ergänzte Jacobs Ausführungen mit passenden Zitaten aus alten Schriften. Der Vortrag war keineswegs wissenschaftlich ausgerichtet. Jacob ging es vor allem darum, die Zuhörer an seiner Begeisterung für alte Handschriften und die Buchmalerei teilhaben zu lassen.

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