Lahr Volle Busse trotz Pandemie

Lahr - Der Mindestabstand von eineinhalb Metern soll in Zeiten der Pandemie eigentlich stets eingehalten werden. Doch in den Schulbussen ist das fast unmöglich. Ob als Gegenmaßnahme in Lahr mehr Busse eingesetzt werden können, ist noch unklar.

Mittwochmorgen, kurz vor 7 Uhr. Auf der Reichenbacher Hauptstraße ist bereits mächtig Betrieb. Die Autos stehen an der Baustellenampel Schlange – und an der Bushaltestelle Reichenbach/Krone reihen sich gut 20 Schüler auf und warten auf den Schulbus Richtung Schweighausen.

Vom Corona-Abstand ist an diesem Morgen nicht viel zu sehen – und die Masken, eigentlich auch an den Haltestellen im ÖPNV Pflicht, bleiben meist in der Schultasche.

Ist dies noch das Fehlverhalten der Schüler, können sie im Bus gar nicht mehr anders, als die Abstandsregeln zu missachten. Bei einer Fahrt in der Linie 106 Richtung Lahr ist der Bus ziemlich voll. Zwar tragen alle Kinder wie vorgeschrieben ihren Mund- und Nasenschutz und schützen sich damit so gut es geht vor dem Corona-Virus. Und im Gangbereich wäre zudem noch der ein oder andere Stehplatz frei.

Aber die Mindestabstände, noch vor der Maske die effektivste Maßnahme gegen das Virus, können nicht eingehalten werden. Im Bus ist dafür schlicht kein Platz mehr – und das ist, wie die Stadt Lahr und die Elternvertretung berichten, kein Einzelfall.

 Das sagt die Elternsprecherin:

Christine Marrek leitet den Gesamtelternbeirat der Lahrer Schulen. Sie sei von besorgten Müttern und Vätern auf den fehlenden Abstand in den Schülerbussen hingewiesen worden, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Eltern aus dem Schuttertal hätten sich zusammengetan und eigens Fahrgemeinschaften gebildet, damit sich ihre Kinder nicht in vollen Bussen mit dem Coronavirus anstecken.

Die Elternsprecherin hat die Stadt und die SWEG auf das Problem des fehlenden Abstands bei der Schülerbeförderung aufmerksam gemacht. Die Antwort laut Marrek: In den Lahrer Schulbussen laufe alles regelkonform ab. Bis zu 61 Schüler dürften gleichzeitig transportiert werden, habe man ihr gesagt. Aus Sicht Marreks ist das aber keine gute Regelung – vor dem Hintergrund, dass bei Feiern zurzeit nur 50 Teilnehmer erlaubt sind. Sie sei selbst morgens an den Lahrer Schlüssel gegangen, um sich das Ganze mit eigenen Augen anzusehen. "Ich war geschockt, wie vollgestopft einzelne Busse waren", sagt sie.

 Das sagt die Stadt:

Bei der Stadtverwaltung sind bisher offenbar unterschiedliche Berichte eingegangen. "Der Gesamtelternbeirat hat uns über überfüllte Busse informiert. Die SWEG, die die Schülerbeförderung durchführt, konnte diese Angaben aber nicht bestätigen", sagt Ulrike Karl, Pressesprecherin der Stadt Lahr. Um die korrekten Daten zu ermitteln, würden derzeit die Fahrgastzahlen ­auf den einzelnen Linien ermittelt.

Von dem Ergebnis hängt ab, ob zusätzliche Busse eingesetzt werden können, damit sich die Schüler besser verteilen. "Tatsächlich können im Standardbus bis zu 61 Schülerinnen und Schüler mit Maske transportiert werden. Erst dann können zusätzlich Schülerbusse eingesetzt werden", so Karl.

Sollte sich herausstellen, dass die Zahl von 61 Schülern überschritten wird, könnte für diese Linienverbindung ein Antrag beim Kreis gestellt werden, die Finanzierung von weiteren Bussen zu gewährleisten. "Erst danach kann die SWEG zusätzliche Busse einsetzen", sagt Karl.

Das sagt die SWEG:

Eine Überprüfung habe ergeben, dass die Busse nicht überfüllt seien, berichtet Pressesprecher Christoph Meichsner. Und weist darauf hin, dass ein Bus in Corona-Zeiten als überfüllt gilt, wenn "alle Sitzplätze sowie 40 Prozent aller Stehplätze belegt sind".

Da nun bei kälterem Wetter die "fahrgaststärkste Zeit" des Jahres anstehe, beobachte die SWEG gemeinsam mit den Aufgabenträgern die Entwicklung, sodass gegebenenfalls mit zusätzlichen Bussen nachgesteuert werden könne. "Sofern diese zur Verfügung stehen, was je nach Einzelfall geprüft werden muss", betont Meichsner. Eine Abstandspflicht gibt es im ÖPNV und im Schülerverkehr nach der Corona-Verordnung laut dem SWEG-Sprecher allerdings nicht.

Auch in Friesenheim wird über volle Schülerbusse diskutiert. Dort hat sich der Gemeinderat mit dem Thema beschäftigt.

Ohne Maske drohen Strafen

Wer im ÖPNV die Maskenpflicht verletzt, kassiert ein Bußgeld in Höhe von 100 bis 250 Euro. Kinder ab 14 Jahren erhalten selbst ein Bußgeld in der dargestellten Höhe, bei Kindern unter 14 wird es gegen die Erziehungsberechtigen verhängt.

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