Lahr Virtuoser Umgang mit der Sprache

Preisverleihung (von links): Wendelinus Wurth, Inge Tenz, Mariele Loy, Nicole Keilbach-Schmittel und Tom Jacob Foto: Künstle Foto: Lahrer Zeitung

Lahr (red/sm). Der Lahrer Mundart-Literaturpreis wurde an die Autoren Mariele Loy, Inge Tenz, Nicole Keilbach-Schmittel und Wendelinus Wurth vergeben. Bei der Prämierung in der Mediathek lasen die Preisträger aus ihren alemannischen Texten und erhielten für ihren virtuosen Umgang mit der Sprache viel Beifall.

"Vor allem durch Philipp Brucker hat Lahr eine lange Tradition in der Literatur in alemannischer Mundart", betonte Tom Jacob vom Lahr Verlag, der den Mundart-Preis ins Leben gerufen hatte, bei der Begrüßung der Gäste. Er erläuterte, dass der Lahrer Mundart-Literaturpreis zur Erhaltung, Förderung und Verbreitung der alemannischen Mundart zum zweiten Mal in Zusammenarbeit mit der Stadt Lahr und der Muettersproch-Gsellschaft ausgelobt wurde. Jeder konnte mitmachen, einzige Bedingung war, dass die Beiträge bislang noch unveröffentlicht waren.

Die bekannten Schriftsteller Stefan Pflaum und Ludwig Hillenbrand hatten als Juroren etwa 30 Einsendungen bewertet. "Die Beiträge waren qualitativ sehr hochwertig, noch besser als bei der Premiere 2013", zeigte sich Jacob erfreut, der an die Gäste "echte" sprich frisch gebackene Lahrer Murren verteilte, bevor er die Autoren mit einer aus Holz gefertigten Murre ehrte.

Den ersten Preis in der Sparte Lyrik ging an Mariele Loy aus Oberried mit ihrem Gedicht "Regebogewunder", in dem sie beschreibt, wie sich nach einem Gewitter "des Sunnnelicht sich im Rege bricht". Wie alle Geehrten zeichnete sie sich durch einen scheinbar mühelosen, präzisen Umgang mit der Mundart und witzige Pointen aus.

Humor blitzte auch in den Beiträgen von Inge Tenz auf, die den zweiten Platz in der Sparte Lyrik für ihren Text "abspeichere" erhalten hat. Dabei enthüllte die Lörracherin die doppelte Bedeutung dieses Begriffes: einerseits "alles Grümple ufe zlänge" und andererseits digital als "e chleine klick". Obwohl die Preisträger allesamt aus dem hochalemannischen Sprachbereich kommen, waren – je nach ihrem Herkunftsort – feine Nuancen in der alemannischen Mundart zu hören.

Nicole Keilbach-Schmittel, die den ersten Preis in der Sparte Prosa erhalten, erzählte von "d’urgoßmueter monika", die im "schlofzimmerschrank s schneigzüg für d enkel het", die diese Oma "mega-cool" finden. Die jüngste Autorin aus dem Kreis der Geehrten überzeugte mit pfiffigen Texten, die durchgehend in Kleinschreibung verfasst sind. Ebenfalls den ersten Platz in der Kategorie Prosa erhielt Wendelinus Wurth aus Gutach. Er trug neben dem amüsanten Text "Kriese schnaike" auch noch dreizeilige Haikus vor, für die er in Lahr vom Bahnhof oder dem Marktplatz inspiriert worden war.

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