Lahr Vier Hunde beißen Mann – Strafe für Halter

Ein Halter von vier Hunden muss 450 Euro Strafe zahlen. Archivfoto: Braun Foto: Lahrer Zeitung

Lahr. Drei Schäferhunde und ein Berner Senne hatten auf dem Schutterlindenberg einen Dackel entdeckt und seinen Halter attackiert. Das Lahrer Amtsgericht hat den Besitzer der vier Hunde am Montag wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 450 Euro verurteilt. Geklagt hatte der Halter des Dackels, der bei dem Vorfall verletzt worden war.

Staatsanwältin Judith Herrmann hatte wegen fahrlässiger Körperverletzung eine Geldstrafe von 700 Euro gefordert. Verteidiger Stephan Jarvers forderte aufgrund unzulässiger Beweislage einen Freispruch.

Der Geschädigte erklärte, dass es alle vier Hunde auf seinen Dackel abgesehen gehabt hätten, mit dem er auf dem Schutterlindenberg im September 2018 spazieren gegangen war. Einer der großen Hunde sei wie aus dem Nichts auf ihn zugerannt gekommen. Daher habe er seinen Dackel über seinen Kopf gehoben, um das Tier zu schützen. Er selbst sei dabei gebissen worden und habe mehrere Hämatome an beiden Armen, an Brustkorb und dem Rücken abbekommen.

Der Kläger stellte dabei aber fest, dass es alle vier Hunde auf seinen Dackel und nicht auf ihn abgesehen hatten. Die Bisswunde am linken Ellbogen sei eine Folge der Sprünge der vier großen Tiere. Ein Zeuge, ein Polizeibeamter der Hundestaffel bei der Offenburger Polizeidirektion, bestätigte, dass die blutende Wunde eine Folge eines Hundebisses sei. Die Tiere hätten es dabei allerdings sicher nicht auf den Mann, sondern auf den Dackel abgesehen. Der Beamte und der Geschädigte schlossen aus, dass die blutende Wunde durch die Krallen der "Angreifer" entstanden seien könnte.

So hatte der Anwalt des Angeklagten argumentiert. Da man nicht sicher sei, ob die Hunde im "Spiel" den Geschädigten verletzt hätten, sei aufgrund nicht ausreichender Beweislage in diesem Fall eine Verurteilung – wenn auch nur wegen Fahrlässigkeit – nicht möglich.

Tim Richter, der am Lahrer Amtsgericht die Strafprozesse leitet, folgte beiden Zeugen in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte hatte ausgesagt, dass er das Opfer nicht gesehen habe, da es auf dem Berg eingeschränkte Sicht gegeben hatte. Der Kläger sagte, dass die Hunde über die Kuppe als Meute auf ihn zu gestürmt wären. Er habe dann aber keine genaue Erinnerung, wie lange genau die vier großen Hunde auf ihn losgegangen wären.

Der Angeklagte hatte angegeben, dass die Hunde nie beißen würden. Sie wären Menschen gewohnt. Er hatte gedacht, sie wären aufgrund eines Wildes losgestürmt. Tatsächlich hatte der Halter dann aber, nachdem er die Szene entdeckt hatte, seine Hunde vom Opfer vertreiben können.

Das, so Richter im Urteil, sei fahrlässig gewesen. Unabhängig davon, dass es auf dem Schutterlindenberg keinen Leinenzwang geben würde, hätte er als Halter Sorge tragen müssen, dass sich so eine Situation nicht ereignet . Dass Hunde in so einem Fall als Rudel reagieren, hätte der Verurteilte als Halter von vier Hunden zumindest wissen müssen.

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