Lahr Viele Klicks, aber nur wenige Spenden

Mit dem Auftritt der Gruppe "Oil", der seit Sonntag im Internet zu sehen ist, geht das Onlinefestival zu Ende. Foto: Haberer

Lahr - Der sechste und letzte Stream des Onlinefestivals "We live" schießt förmlich durch die Decke. Fast 40 000 Mal wurde das Video auf Facebook bisher angeklickt. Die Resonanz auf das Projekt ist trotz Finanzierungslücke überwältigend.

Festivalstimmung trotz Corona

Bei der Veröffentlichung des letzten Streams von "We live" kommt trotz Corona fast so etwas wie Festivalstimmung auf. Drei Dutzend Akteure, die Musiker der beteiligten Band, Film und Tontechniker, die Crew der Rockwerkstatt, haben sich im "Schlachthof" eingefunden, um alle sechs Episoden des Festivalprojektes auf Großleinwand anzusehen. Zuerst natürlich der brandaktuelle Stream mit der Gruppe "Oil", danach dann die Konzerte mit Dominik Büchele und "Qult", den Gruppen "Von Welt" und "No Authority" sowie das klassische Klavierkonzert mit Pervez Mody. Die Stimmung ist prächtig, auch wenn das Publikum eher untypisch, mit ausreichend Abstand an Tischen sitzt.

Der Erfolg des Onlinefestivals ist überwältigend. Die sechs Konzertfilme und ein halbes Dutzend ausgekoppelter Clips mit einzelnen Songs, wurden weltweit bisher mehr als 200 000 Mal im Internet aufgerufen.

Dominik Büchele und seine Band "Umleitung" haben zum Auftakt die Marke von 25 000 Aufrufen vorgegeben, die selbst das klassische Konzert des indischen Pianisten Pervez Mody geknackt hat. "No Authority" hat die 30 000-Klick-Marke durchbrochen, bei "Oil" könnte nun sogar die Marke 40 000 fallen. Das Trio mit zwei ehemaligen Mitgliedern der Gruppe "Scaramouche" spielt prägnanten Hardrock, eine erdige und doch ungemein vielschichtige Melange, die nicht zuletzt dank einer hervorragenden Arbeit der Filmcrew immer wieder zündet.

Noch nicht alle Kosten sind gedeckt

Das Team und die Brüder Maik und Pirmin Styrnol haben ganze Arbeit geleistet und sechs Konzertfilme produziert, die sich klar gegen die Masse der schnell produzierten "Corona-Clips" und Wohnzimmerkonzerte abheben. "We live" muss sich auch vor den aktuellen Internetprojekten der großen Stars nicht verstecken. Die Resonanz ist riesig: Mehrere Dutzend Bands haben mittlerweile angefragt, würden gerne vor den zehn Kameras des Film- und Tonstudios "Punchline" im Lahrer "Schlachthof" auftreten. Die beiden Brüder und die Crew der Rockwerkstatt sind zwar insgesamt nicht abgeneigt, eine zweite Staffel von "We live" zu produzieren. Die Chancen sind aber eher gering.

Gut 10 000 Euro würde normalerweise die Produktion eines einstündigen Konzertfilms mit zehn Kameraeinstellungen kosten. Die Macher des Onlinefestivals haben sich auf 3000 Euro geeinigt, ein Gesamtbudget von 18 000 Euro anvisiert, das gerade so die Kosten decken würde. In der Realität klafft aber bereits hier eine deutliche Lücke.

Als Sponsoren haben die Sparkassenstiftung, die Volksbank Lahr und der Lions Club Lahr-Ortenau Flagge gezeigt. Das Crowdfunding hat knapp 5000 Euro eingebracht. Alles zusammen sind bisher gut 13 000 Euro zusammengekommen. Das ist deutlich zu wenig, wie die beiden Brüder betonen. Irgendwann müssen auch sie wieder Geld verdienen.

Wolfgang Richter, der Präsident der Rockwerkstatt lässt ergänzend durchblicken, dass bei ein paar Cent pro "Klick" eine andere Rechnung herauskommen würde. Corona habe Impulse hin zu mehr digitalen Formaten gesetzt, der finanziell immer mehr ausblutenden Kulturbranche aber keine neuen Optionen aufgezeigt.

Kritik an der Stadt und dem regionalen Publikum

Wenn alles frei und kostenlos verfügbar ist, bleibt nicht nur viel zu oft die Qualität auf der Strecke. Es fehlt auch das Auskommen für Kulturschaffende, die Akteure einer ganzen Branche.

Auch die Stadt Lahr und das regionale Publikum haben sich nach Ansicht von Maik und Pirmin Styrnol nicht gerade durch Spendenfreude und erkennbare Zeichen der Wertschätzung hervorgehoben, obwohl das Projekt überregionale Aufmerksamkeit erregt und ein positives Image transportiert habe.

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