Lahr Unruhe im Zalando-Lager

Tausende Pakete verlassen täglich das Lahrer Zalando-Zentrum. Und Tausende kommen zurück. Deren Abwicklung wird nun neu geregelt, mit einer Drittfirma, die Kosten spart. Archivfoto: Braun Foto: Lahrer Zeitung

Im Lahrer Verteilzentrum des Online-Modehändlers Zalando bekommen viele der 1300 Mitarbeiter neue Jobs: Das Unternehmen wickelt künftig Rücksendungen von Kundenpaketen über eine Drittfirma ab. Entlassen werden soll jedoch niemand, heißt es.

Lahr/Berlin. Früher gab es Mode nur im Geschäft: Hingehen, probieren, kaufen, mitnehmen, so ging das. Heute kaufen sich immer mehr Menschen ihre Mode online. Das geht so: Im Internet anschauen, bestellen, liefern lassen, zu Hause probieren, behalten – oder gratis zurückschicken. Mit diesem Geschäftsmodell wurde die Berliner Firma Zalando groß und zum wichtigsten Online-Modehändler der Republik. In Lahr entstand im Zuge dieser Expansion das riesige Logistik-Zentrum an der Autobahn. Eine Erfolgsgeschichte mit aktuell mehr als 1300 Mitarbeitern. Doch nun knirscht es offenbar bei Zalando, mit Auswirkungen auch auf die Lahrer Belegschaft.

Was sorgt für Unruhe?

Zalando will die Annahme von zurückgeschickten Waren sowie die Aufbereitung der Retouren nicht mehr in Eigenregie erledigen, sondern dafür "spezialisierte Drittanbieter" engagieren. Zalando-Sprecherin Nora Kurzhöfer bestätigte dies auf Nachfrage unserer Redaktion. Die "Wirtschaftswoche" hatte diese Änderung zuerst gemeldet.

Warum ändert Zalando diese Abwicklung?

"Wir analysieren ständig unsere Prozesse in der Logistik und überlegen, wie wir diese verbessern können. Das ist ein routinemäßiger Vorgang", erklärt Sprecherin Nora Kurzhöfer. Um sich auf den ausgehenden Versand fokussieren zu können und um die Prozesse zu vereinfachen, habe sich Zalando entschlossen, die Retoure samt der Aufbereitung an den Logistikstandorten in Erfurt, Lahr und Mönchengladbach durch Dritte abzuwickeln zu lassen. "Diese Art der Abwicklung ist ein in der Branche übliches Vorgehen", so die Sprecherin.

Kein anderer Grund?

Intern gelte die Änderung als Spaßmaßnahme, berichtet die "Wirtschaftswoche". Tatsächlich steht Zalando unter Druck, denn jedes zweite Paket wird von Kunden zurückgeschickt. Zalando bestätigte diese Quote. Sie sorgt für hohe Kosten. Die "ineffiziente Aufbereitung retournierter Artikel" sei für rote Zahlen im dritten Quartal 2018 mitverantwortlich, hieß es.

Wie viele Mitarbeiter betrifft die Änderung in Lahr?

Unklar. An drei Standorten seien insgesamt 570 Mitarbeiter betroffen, sagt Zalando. Für Lahr alleine gab es zunächst keine Zahlen.

Was passiert mit den Retoure-Mitarbeitern?

"Unsere Mitarbeiter der Retoure an allen drei Standorten werden schrittweise anderen Abteilungen zugeteilt. Es gab keine betriebsbedingten Kündigungen von unbefristeten Arbeitsverträgen. Wir haben an den Standorten mit dem Betriebsrat unter Beachtung der rechtlichen Vorgaben eine für den jeweiligen Standort passende Lösung entwickelt", sagt Zalando.

Aber in Lahr gibt es doch gar keinen Betriebsrat?

Richtig. In Lahr hat das Werk eine "informelle Mitarbeitervertretung". Mit dieser habe es laut Unternehmen ebenfalls "eine gute Lösung" für die Beschäftigten gegeben.

Wie viele Mitarbeiter hat Zalando mittlerweile?

Seit bald drei Jahren läuft das Lahrer Logistikzentrum. Nach einem Jahr waren 700 Kräfte an Bord, derzeit sind es schon mehr als 1300, erklärt das Unternehmen gegenüber unserer Zeitung. Es sollten nach internen Planungen mal bis zu 2000 Mitarbeiter werden. Ob und wann dieses Ziel erreicht wird? Unklar.

Wer arbeitet bei Zalando?

Laut Unternehmen arbeiten Menschen aus mehr als 40 Nationen in Lahr, davon rund 30 Prozent aus Frankreich und etwa 40 Prozent aus Deutschland. Bekannt wurde, dass der Einstiegslohn für Ungelernte bei 12,67 Euro liegt oder lag, also deutlich mehr als der Mindestlohn von 9,19 Euro. Es wird im Schichtbetrieb gearbeitet.

Zalando, der Mode-Riese. Seit seinem Börsengang vor gut fünf Jahren hat sich der Zalando-Aktienkurs verdoppelt. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen an seinen Standorten mehr als 15 000 Mitarbeiter. Es machte voriges Jahr einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro. Das Lager in Lahr soll Südbadens größtes Gebäude sein.

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