Lahr Unmut über "Flickschusterei"

Ortsvorsteherin Diana Frei (Zweite von rechts) zeigt Walter Caroli (links) und Roland Hirsch von der SPD auf einem Plan der Hauptstraße, wo Handlungsbedarf besteht. Mit dabei ist Udo Lau vom Tiefbauamt der Stadt Lahr (rechts). Foto: Breuer Foto: Lahrer Zeitung

Die Mietersheimer lassen nicht locker, wenn es um den Ausbau ihrer Hauptstraße geht. Das war bei der SPD-Sommertour zu erfahren, die am Donnerstag in den Stadtteil geführt hat. Weiteres Thema war die Hector-Kinder­akademie.

Mietersheim. Die Mietersheimer sind, wenn es um ihren Ortsteil geht, für ihr Durchhaltevermögen bekannt. Ist ein Ziel erst einmal ins Auge gefasst und thematisiert, wird es nicht mehr aufgegeben, bis es erreicht ist. Das hat sich schon beim Bürgerhaus gezeigt und zieht sich jetzt weiter bei der Sanierung der Hauptstraße.

"Das Thema hat Alfred Baum schon aufgegriffen", sagte Ortsvorsteherin Diana Frei. Ihr Vorgänger habe der Stadt schon mit dem maroden Zustand der Hauptstraße in den Ohren gelegen. 2009 sei auch erstmals Geld dafür in den Haushalt eingestellt worden. Getan habe sich aber nicht viel. Lediglich das Teilstück in der Ortsmitte zwischen Rathaus und Bürgerhaus sei von Grund auf neu gemacht worden. "Der Rest, von der ›Linde‹ bis zur Breisgaustraße und in der anderen Richtung vom Rathaus bis ins Fachmarktzentrum ist Flickschusterei. Jedes Frühjahr werden die Löcher für rund 10 000 Euro gestopft, die im Winter dann wieder aufbrechen." Jetzt stehe die Straße wieder im mehrjährigen Haushalt, der bis 2021 angelegt ist. Der dringliche Teil sei der von der ›Linde‹ bis zur Breisgaustraße.

Udo Lau, Leiter des Tiefbauamts bei der Stadt Lahr, machte den Mietersheimern am Donnerstagabend Hoffnung: Das rund 120 Meter Lange Teilstück von der ›Linde" bis zur Breisgaustraße könnte schon im nächsten Sommer angegangen werden. Vorausgesetzt, der Gemeinderat stimmt bei den Haushaltsberatungen für dieses Projekt Rund 250 000 Euro sind dafür veranschlagt. 2009 hätte es noch etwa 210 000 Euro gekostet. "Je nachdem, wie der Unterbau aussieht, müssen wir alles neu machen", sagte Lau. Damit würde die Straße also nicht nur saniert, sondern neu gebaut. Die Mietersheimer müssten sich dann auf eine gut zweimonatige Sperrung des Teilstücks einstellen. Das längere Stück bis ins Fachmarktzentrum wird mit 600 000 bis 700 000 Euro kalkuliert. Wann es an die Reihe kommt, ist nicht bekannt.

Im zweiten Programmteil informierten sich die SPD-Mitglieder über die Hector-Kinderakademie, die besonders begabte Grundschüler spezielle Kurse in den MINT-Fächern fördert. Die MINT-Fächer behandeln die Themen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. 68 Kinder, davon nur 25 Mädchen, aus mehr als 20 Schulen im Bereich von Rust bis Schuttertal und Meißenheim/Friesenheim haben im Vorjahr an den Kursen in Mietersheim teilgenommen, erklärte die Geschäftsführerin des Mietersheimer Ablegers, Katja Berchtenbreiter. Die Kurse seien für die Kinder kostenlos und ein Angebot, das außerhalb der Schulzeit auf freiwilliger Basis angenommen werden könnten.

Für viele Kinder sei das Zusammentreffen mit Gleichgesinnten besonders schön und spannend, weil sie in ihren Klassen nur selten Kinder fänden, die sich für ihre exotischen Interessen begeistern könnten. Astronomie, Komponieren mit Lego oder Schach sei nicht jedermanns Sache, so Berchtenbreiter. Träger sei neben dem Kultusministerium die Bildungsregion Ortenau (BRO), die die Gelder in Höhe von insgesamt 50 000 Euro verwaltet. "Von den 50 000 Euro gehen aber nochmal 14 000 Euro ab, die das Land für die zwei Lehrerstunden, die die Geschäftsführer für den Verwaltungs- und Organisationsaufwand haben, kassiert." Die restlichen 36 000 Euro werden auf die drei Standorte Mietersheim, Biberach und Wolfach verteilt und zur Anschaffung von Materialien und zur Bezahlung der Dozenten verwendet. Für den Schulträger, in Lahr die Stadt, entstünden keine Kosten.

"Für den Schulstandort Lahr, in dem es alle Schularten gibt, ist die Kinderakademie nicht nur eine Bereicherung ,sondern auch das letzte Puzzelsteinchen, um alle Schularten und -möglichkeiten abzudecken", so Roland Hirsch fest, Sprecher der SPD-Fraktion im Gemeinderat.

Die Hector-Kinderakademie entspringt einer Stiftung, die das Ehepaar Hector 2008 angelegt hat. Es ist bereits die zweite Stiftung der Familie, die 32 Millionen Euro investiert hat. In Mietersheim besteht die Akademie seit 2010. Die Förderung wurde zunächst auf zehn Jahre angelegt, die 2020 auslaufen. Wie es danach weitergeht, weiß Geschäftsführerin Katja Berchtenbreiter noch nicht. Die Standorte werden regelmäßig evaluiert, wobei die Mietersheimer gut abschneiden. Die Aussichten, dass es weitergehen könnte, seien also nicht schlecht.

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