Lahr Und wieder muss in Szenarien gedacht werden

Sport-Lockdown: Verbände überlegen, in welchem Modus die Saison weitergehen kann / Tennis zu zweit ist weiterhin erlaubt

Seit gestern liegt der Amateursport wieder brach, Sportplätze und -hallen sind zu. Bei den Verbänden werden dagegen die Drähte wohl heiß laufen. Im Mittelpunkt dürfte eine Frage stehen: Wie geht es mit der Saison weiter?

Im Amateursport ist nun das eingetreten, wovor wohl alle Funktionäre in den Verbänden Sorge hatten. Vorläufig rollt oder fliegt der Ball nicht mehr, auch der Trainingsbetrieb ruht bis Ende November deutschlandweit. Zwangsläufig wirft das die Frage auf, was mit den erst vor wenigen Wochen oder Monaten gestarteten Saisons passiert. Ist der Spielplan noch zu halten? Droht eine weitere unvollständige Saison? Welche Alternativen gibt es, um die Saison sportlich zu beenden? All diese Fragen dürften derzeit in den Gremien der verschiedenen Verbände diskutiert werden, teilweise wurde in den Spielordnungen für einen solchen Fall schon vorgesorgt. Ein Überblick über den Stand der Dinge in den Sportarten.

Fußball

"König Fußball", wie es oft heißt, ist mit der Saison schon am weitesten. Zehn Spieltage wurden in den Ligen bis zur Verbandsliga absolviert, insgesamt sind jedoch 34 nötig. Durch die Beschlüsse der Politik fallen allein im November fünf Spiele ins Wasser, dass es direkt Anfang Dezember mit dem Spielbetrieb weitergeht, ist mehr als unrealistisch. "Man kann nicht direkt von Null auf 100 wieder einsteigen", sagte etwa Reiner Heitz, Trainer des Landesligisten FSV Altdorf.

Dass also im Jahr 2020 noch mal um Punkte gekickt wird, ist derzeit äußerst unwahrscheinlich. Sieben Spieltage würden dann bis Weihnachten ausgefallen. "Wenn wir aber mehrere ganze Spieltage absetzen müssten, wird es irgendwann natürlich schwierig", hatte Christian Dusch, Vizepräsident beim Südbadischen Fußballverband (SBFV) schon vor der Saison im Interview mit der LZ zum Thema Spielplan unter Corona-Bedingungen gesagt. Der Fußball nähert sich also einer Grenze. Ist diese überschritten, wird eine reguläre Saison mit Hin- und Rückrunde nur schwer durchführbar.

Es braucht also neue Szenarien. Frank Müller, der Vorsitzende des SC Lahr, konnte schon im Frühjahr der Idee, nach der Hinrunde eine Art Play-off-Turnier zu veranstalten, etwas abgewinnen. Diesen Vorschlag brachte er auch am Donnerstag noch mal ein – auch beim Verband dürfte eine solche Idee diskutiert werden. Abhängig ist der Modus aber natürlich vom Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Spielbetriebs. "Wer sagt uns, was im Frühjahr ist?", hatte Reiner Heitz bereits am Donnerstag gefragt. Dann würde unter Umständen auch das Saisonende nach der Hinrunde zu einer Option werden.

Die derzeitige Pause wird man beim SBFV nun dafür nutzen, die verschiedenen Szenarien durchzugehen. Die Ermächtigung für Änderungen am Modus hat der Verbandsvorstand vom Verbandstag bekommen. "Wir hoffen aber natürlich, dass wir diese nicht brauchen werden", hatte Dusch vor der Saison gesagt. Es scheint so, als käme sie aber nun doch früher als erwartet zum Tragen.

Nicht betroffen von dem Sportverbot ist der Frauen-Bundesligist SC Sand, der zum Profisport zählt. Inwieweit Regionalligist Bahlinger SC in diese Kategorie fällt, ist dagegen noch unklar. Derzeit wird innerhalb der Liga diskutiert, beim BSC spricht man sich für eine Pause aus, da sich Geisterspiele nicht lohnen würden.

Handball

Schon im Vorfeld der Saison hatte man beim Südbadischen Handballverband den Modus geändert, um dem Spielplan mehr Flexibilität zu geben. Diese ist nun auch zwingend notwendig, mindestens fünf Wochenenden fallen durch das Spielverbot im November weg. Ähnlich wie bei den Fußballer wird auch bei den Kollegen in der Halle von einigen Trainern bezweifelt, dass 2020 noch mal gespielt werden kann. Ob bei einem Re-Start im Januar dann der ursprünglich geplante Modus mit einer Haupt- und einer Endrunde noch durchgeführt werden kann, ist zumindest fraglich.

In seinen Durchführungsbestimmungen geht der SHV darauf bereits ein, eine Kürzung der Endrunde ist daher eine Variante. Mehrere denkbare Szenarien stehen im Raum, zur Not könnten Entscheidungen über Auf- und Abstieg auch durch Entscheidungsspiele herbeigeführt werden. Einen Stichtag hat der SHV bereits festgelegt: "Ist das Ende der Vorrunde das Wochenende 24/25. April 2021 oder später, entfällt die Endrunde komplett, die notwendigen Entscheidungen werden in Entscheidungsspielen herbeigeführt, wo das möglich ist", heißt es in den SHV-Durchführungsbestimmungen.

Offen ist dagegen noch, wie es in der Oberliga weitergehen wird. Hier hatte der Verband Handball Baden-Württemberg zunächst auf eine Modus-Änderung verzichtet und die reguläre Saison mit 34 Spieltagen geplant. Dieses Pensum dürfte durch die Zwangspause nun nicht mehr zu schaffen sein. "Wann der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird und vor allem in welchem Modus werden die Verantwortlichen nun klären und zeitnah darüber informieren", heißt es auf der Homepage des Verbands dazu. Ebenfalls unklar ist der Status des Drittligisten TV Willstätt. Der DHB hat den Spielbetrieb in Liga drei vorerst bis Mitte November unterbrochen, ausschlaggebend ist, ob die Liga als Profi- oder Amateurliga deklariert wird (siehe Info).

Volleyball

Der Drittligist VC Offenburg hat seit Donnerstag Klarheit, die Regionalliga sowie die Dritte Liga wurden vom Deutschen Volleyball-Verband (DVV) bis zum 30. November ausgesetzt. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar. "Der Bundesspielausschuss wird die Zeit nutzen, um Szenarios zu erarbeiten, die eine Weiterführung des Spielbetriebs nach Beendigung der Beschränkungen ermöglichen", wird Gerald Kessing, Bundesspielwart des DVV, auf der Verbandsseite zitiert.

Hockey

Eigentlich wollte der HC Lahr im November in die Hallenhockey-Runde starten. Doch daraus wird nun nichts, der Start verzögert sich. Nach derzeitiger Planung des Verbands wäre der Start der Saison am Wochenende 12./13. Dezember. Die Lahrer wollen in der 2. Verbandsliga an den Start gehen und den Abstieg aus dem Frühjahr vergessen machen. Möglich ist das – zwar gibt es keine Absteiger, der Weg nach oben ist für den Ersten jedoch frei.

Tischtennis

Am Samstag noch spielten die TTSF Hohberg in der Regionalliga gegen TG Wallertheim (Endstand 5:7 aus Hohberger Sicht), seit Montag haben auch sie Pause. Wie es danach weitergeht, ist zumindest für Ober- und Regionalligisten klar. "Die Hauptrunde wird auf eine einfache Runde reduziert, in der jede Mannschaft einmal gegen jede andere gespielt hat", heißt es vom zuständigen Deutschen Tischtennis-Bund. Anhand der dann ermittelten Tabelle werden Auf- und Absteiger ermittelt. Auch in den Ligen unterhalb der Oberliga ist eine solche "Einfachrunde" denkbar, wie es auf der Homepage von Tischtennis Baden-Württemberg heißt.

Unklar ist dagegen noch, wie es für die Zweitliga-Damen der DJK Offenburg weitergeht. "Laut der Verordnung von Bund und Ländern ist Profisport ohne Zuschauer erlaubt. Die Definition von ›Profisport‹ im Tischtennis ist allerdings derzeit noch unklar", sagt Tim Karcher von der DJK. Der DTTB versuche momentan, diese Frage zu klären.

Sportkegeln

Nach zwei Niederlagen zum Start haben die Zweitliga-Kegler des SKC Hugsweier erst mal Pause. Für den November wurde die Runde unterbrochen, die ausfallenden Spiele sollen zu einem späteren Zeitpunkt in der Saison nachgeholt werden.

Tennis

Gute Nachrichten für alle Tennisspieler: "Bereiche, die dem Individualsport dienen, können jedoch geöffnet werden – so zum Beispiel Tennishallen oder Allwetter-Tennisplätze", heißt es auf der Homepage des Badischen Tennisverbands (BTV). Zwar ist Gruppentraining untersagt, Einzeltraining ist jedoch genauso erlaubt wie das Spielen zu zweit oder mit Personen aus dem eigenen Hausstand, wie der Verband mitteilte. Was die neuen Regelungen für die Winterrunde, die für den November erst einmal ausgesetzt ist, bedeuten, will der BTV zeitnah kommunizieren.

"Im Profisport, auch Berufssport genannt, erhält ein Sportler für die Ausübung seiner Sportart Einkünfte, von denen er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann", heißt es im Wikipedia-Artikel über "Profisport". Dort steht allerdings auch, dass die Grenzen zwischen Amateur- und Profisport oft fließend sind. Aus diesem Grund wird im Deutschen Sport derzeit auch sehr intensiv darüber diskutiert, welche Ligen zum Profisport gehören und damit auch im November trainieren und spielen (ohne Zuschauer) können. Vor allem in der Fußball-Regionalliga mit dem Bahlinger SC und der dritten Handball-Liga, in der der TV Willstätt spielt, gibt es derzeit Unklarheiten. In beiden Ligen gibt es Vereine wie die Bahlinger, die sich als Amateure sehen, andere – wie die Willstätter – sehen sich eher dem Profisport zugehörig.

Für den Deutschen Olympischen Sportbund scheint die Sache klar. Neben Kaderathlet zählen ersten drei Ligen in allen olympischen und nicht-olympischen Sportarten und auch die vierte Liga im Männerfußball – also die Regionalliga, die eigentlich als höchste Amateurspielklasse gilt – zum professionellen Sport. Zumindest von der Regionalliga, in der etliche Profiteams spielen wird zeitnah eine Entscheidung erwartet, da der Spieltag am kommenden Wochenende noch nicht abgesetzt ist.