Lahr Über seinen eigenen Schatten gesprungen

Lahr / Berlin - Nachwuchsrapper Lenny Yves Noel Bulut hat am Samstag bei der TV-Casting-Show "The Voice Kids" die nächste Runde erreicht. In den sogenannten Battles setzte sich der elfjährige Lahrer gegen seine Teamkollegen Rio (13) und Amy (11) durch.

Lenny hatte die freie Wahl

Mehrere Millionen Zuschauer haben am Samstagabend um 20.15 Uhr wieder auf den Fernsehsender SAT.1 geschaltet, um dort den teils verblüffenden Stimmen junger Nachwuchsmusiker zu lauschen – es war wieder Zeit für "The Voice Kids".

Schon nach der ersten Runde, die über mehrere Wochen ausgestrahlt wurde, hatten sich sicherlich viele Menschen für ihren persönlichen Favoriten entschieden. Im Ortenaukreis dürfte es nicht wenige geben, die bei der Casting-Show auf Lenny Ives Joel Bulut setzen und ihm fest die Daumen drücken.

Diese Ehre hatte sich der 11-jährige Lahrer mit seinem ersten Auftritt verdient. Damals begeisterte er nämlich nicht nur die Fernsehzuschauer, sondern auch die Jury: mit Textsicherheit, starken Flowpassagen und Coolness rappte er den Song "Oh Junge", einem von Deutschlands bekanntesten Vertretern im Hip-Hop-Genre.

Alle Jurymitglieder hatten schnell den "Buzzer" gedrückt, um damit zu signalisieren: "Ich will dich in meinem Team.". Lenny hatte die freie Wahl, seinem favorisierten Musikgenre entsprechend, trat er dem Team Michi & Smudo bei.

Seit dem ersten Auftritt am Samstag, 6. März, ist es um Lenny in der Öffentlichkeit ruhig geworden. Andere junge Künstler zeigten in der Zwischenzeit der Jury, was sie draufhaben, die Teams füllten sich nach und nach.

Lenny nutzte die Zeit, um sich im Team Michi & Smudo auf das vorbereiten, was jetzt anstand: die Battles mit Wettstreitern aus dem eigenen Team. Lenny (11), Rio (13) und Amy (11) bildeten das jüngste Trio im Talentstall der Fanta 4-Mannschaft.

Flow passte perfekt

Dann passierte das, was Lenny unbedingt vermeiden wollte: Die Jury gab den Titel preis, den Lenny, Rio und Amy in den Battles singen sollen: "Lila Wolken" von Marteria, Yasha & Miss Platinum. Richtig gehört: singen. "Am Anfang war es so, dass ich Schiss hatte", gibt Lenny später zu. Schließlich würde nur einer die nächste Runde – die "Singoffs" – erreichen. Und als Rapper würde er wohl eher schlechte Karten haben.

Seine Coaches wollten Lenny davon überzeugen, dass er mit diesem Song über seinen Schatten springen, andere Facetten zeigen könne. "Sonst wirst du schnell in einer Kategorie abgestempelt." Der nächste Auftritt würde sicher eine Herausforderung, er könne aber gleichzeitig eine Riesenchance für Lenny sein.

Dann war die Zeit für den Auftritt gekommen: Amy begann mit ihrem schönen Gesang, Rio stand ihr gefühlt in nichts nach. Auch im Refrain hörte man zunächst nur die Stimmen von Amy und Rio. Bis sich plötzlich Lenny – mit seiner erkennbar raueren, erwachseneren Stimme – in den Refrain einschaltete: "Wir bleiben wach, bis die Wolken wieder lila sind".

Den anstehenden Rap-Part übernahm der Elfjährige mit der erwarteten Routine Der Flow passte perfekt zum Lied, die Gestikulationen wirkten fast schon professionell. Immer wenn Lenny eingeblendet wurde, strahlte er. Man merkt: Auf der Bühne – insbesondere auf der Rap-Bühne – fühlt sich der selbstbewusste Lahrer pudelwohl. Immer häufiger schaltete sich Lenny beim Rest des Liedes beim Gesang ein – und hatte sichtbar Spaß daran.

Das galt auch für die Jury, die auch für Lennys Gesang lobende Worte fand. Smudo attestierte Lenny sogar, die Töne getroffen zu haben. Und dann richtete Michi das Wort an Lenny: "Wir sind Rapper, du hast an dir gearbeitet, Lenny, als Rapper dich auch in den Gesang reinzuwagen – und das wollen wir belohnen und dich mit in die Sing-Offs nehmen." Einem kurzen ungläubigen Blick folgte die pure Freude, auch bei Lennys Vater Murat, der den Sohn bei jedem seiner Auftritte begleitet. Wann es mit den Sing-Offs weitergeht, hat SAT.1 noch nicht bekannt gegeben.

Info

Früher undenkbar, heute nichts Ungewöhnliches mehr: Rapper, die auch singen können. Bis in die 2000er-Jahre hinein gab es eine klare Trennung zwischen Rappern und Sängern. Um einen Kassenhit zu produzieren, wurden oft die Stärken beider Kategorien vereint: Der Rapper übernahm den Rap-Part, der Sänger den Refrain. Heutzutage ist es nicht mehr verpöhnt, wenn Rapper auch singen können. Weltbekannte Rapper wie Drake oder Chris Brown beweisen das in ihren Songs, die regelmäßig die Charts stürmen. Und falls die Stimme tatsächlich zu schlecht sein sollte, gibt es ja immer noch Autotune.

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