Lahr Tuberkulose bei Pflegerin: Amt untersucht 290 Patienten

Eine Mitarbeiterin des Ettenheimer Krankenhauses ist an Tuberkulose erkrankt. Ob sie sich während ihrer Arbeit angesteckt hat, kann nicht gesagt werden. Archivfoto: Decoux-Kone Foto: Lahrer Zeitung

Eine Pflegerin des Ettenheimer Krankenhauses ist an Tuberkulose erkrankt. Das bestätigte das Ortenau-Klinikum der LZ. Rund 300 Patienten und Kollegen werden vom Gesundheitsamt beobachtet. Bislang soll noch kein weiterer Fall aufgetreten sein.

Ettenheim. "Bei Tuberkulose handelt es sich um eine meldepflichtige Erkrankung. Deshalb haben wir unverzüglich nach dem ersten Verdacht das Gesundheitsamt informiert", erklärte Chefarzt Andreas Schröder am Freitag auf Nachfrage der Lahrer Zeitung. Die Behörde habe den gesamten Kreis von Mitarbeitern und Patienten, die in letzter Zeit Kontakt mit der Frau hatten, informiert und nach Symptomen befragt. Bislang seien keine weiteren Erkrankungen nachgewiesen worden, auch nicht im familiären Umfeld.

Für Entwarnung ist es laut Schröder, der die Zentrale Klinikhygiene am Ortenau-Klinikum leitet, aber noch zu früh: Weil die Inkubationszeit von Tuberkulose, also der Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch, mehrere Wochen betrage, würden sich die Tests bei den Betroffenen bis Ende Januar ziehen. "Erst dann können wir ausschließen, dass sich jemand angesteckt hat." Von den rund 300 unter Beobachtung stehenden Personen seien etwa zehn Kollegen der Frau, der Rest Patienten des Klinikums.

Die Gefahr einer weiteren Infektion hält Schröder für "relativ gering": "Die betroffene Mitarbeiterin hat sich nach Auftreten des ersten Hustenreizes Anfang November sofort krankschreiben lassen, sodass sie nicht mit Symptomen an den Atemwegen gearbeitet hat." Nur in diesem Stadium sei Tuberkulose ansteckend.

Festgestellt wurde die gefährliche Lungenkrankheit, die unbehandelt im schlimmsten Fall tödlich enden kann (siehe Info), bei der Pflegerin im Ettenheimer Krankenhaus. Nachdem sie nicht auf die Antibiotika ansprach, die ihr ihr Hausarzt wegen Verdachts auf Lungenentzündung verschrieben hatte, wurde sie geröntgt. "Die Kollegen in Ettenheim haben vorbildlich reagiert, die Frau kam nach der Untersuchung sofort in Isolation", sagt Schröder. Seit Mitte November wird die Erkrankte in einer Fachklinik für Lungenheilkunde in St. Blasien behandelt. "Mittlerweile ist sie auf dem Weg der Besserung", berichtet der Arzt.

Wann und wo sich die Pflegerin angesteckt hat, ist laut Schröder im Nachhinein nicht mehr festzustellen. Grundsätzlich sei nicht auszuschließen, dass sich die Frau während ihrer Arbeit, also bei einem Patienten, infiziert hat. Das wäre allerdings reine Spekulation, sagt Schröder: "Tuberkulose kann lange Zeit unbemerkt im Körper schlummern. Teilweise zeigen sich Symptome erst 20 Jahre nach der Ansteckung." Besonderen Risikofaktoren, etwa durch die Mitarbeit bei einer Flüchtlingshilfe oder Reisen in gefährdete Länder, sei die Frau nicht ausgesetzt gewesen. Das habe die Überprüfung durch das Gesundheitsamt ergeben.

Kein vergleichbarer Fall in der Vergangenheit

Der aktuelle Fall sei ein äußerst seltener, sagt Schröder: "Am Ortenau-Klinikum sind aus den vergangenen Jahren keine Tuberkuloseerkrankungen unter Mitarbeitern bekannt. Selbstverständlich werden aber in einem Klinikum dieser Größe ständig Patienten wegen Tuberkulose behandelt."

Die Strukturen im Krankenhausverbund seien darauf ausgelegt, Menschen mit ansteckenden Krankheiten zu therapieren. Dafür gebe es "umfangreiche und auf die einzelnen Abteilungen angepasste Hygienemaßnahmen".

Tuberkulose (kurz TB, früher auch Schwindsucht) ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die vor allem die Lunge betrifft. Sie wird in der Regel durch Tröpfcheninfektion übertragen. Erste Anzeichen einer akuten Infektion ("offene TB") sind erhöhte Temperatur, Husten, Nachtschweiß und Appetitlosigkeit. Tückisch ist, dass die Erreger lange im Körper überleben und auch noch nach Jahren einen Ausbruch verursachen können ("latente TB"). Tuberkulose galt in den westlichen Indu­strieländern lange als nahezu ausgerottet. In den vergangenen Jahren ist die Krankheit durch Zuwanderung erkrankter Personen, beispielsweise aus osteuropäischen Staaten, wieder häufiger geworden. TB, an der weltweit jährlich etwa zehn Millionen Menschen erkranken, führt die WHO-Statistik der tödlichen Infektionskrankheiten an.

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