Lahr Trotte ist zurück am alten Platz – vorerst

Sulz - Die historische Sulzer Trotte ist zurück an ihrem angestammten Platz neben der Kirche. Geht es nach den Verantwort­lichen, bleibt sie dort. Auch der Ortsvorsteher kann sich das vorstellen. Die bisherigen Pläne sprechen aber dagegen.

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte es viel Wirbel um die alte Weinpresse in Sulz gegeben. Das denkmalgeschützte Bauwerk musste im Zuge der Dorfmitte-Sanierung weichen. Jahrzehntelang hatte sie ihren Platz direkt neben der Kirche St. Peter und Paul gehabt.

Es regten sich Unmut und Widerstand im Dorf, die Ausdruck auf einem Schild fanden: "Die Trotte muss bleiben", hieß es dort, wo bis dato die historische Presse stand. Ortsvorsteher Rolf Mauch beschwichtigte damals: Die Trotte komme definitiv zurück, man werde zu gegebener Zeit im Ortschaftsrat über einen neuen Standort beraten.

Materialkosten von bis zu 6000 Euro

Nun sorgt das gute Stück erneut für Gesprächsstoff im Dorf, oder besser: für Augenreiben. Denn seit Samstagmorgen steht die Trotte wieder an ihrem altbekannten Platz, ausgestattet mit einem schönen neuen Dach. Zurückgebracht hat sie eine Gruppe örtlicher Zimmermänner. Simon Becherer ist einer von ihnen.

"Eigentlich wollten wir die Trotte schon vor zwei Wochen wieder aufstellen, das wäre genau ein Jahr nach dem Abbau gewesen", sagt der Sulzer am Montag im Gespräch mit der LZ. Weil die Ziegel für das Dach nicht rechtzeitig geliefert wurden, verzögerte sich das Vorhaben.

Die Botschaft dahinter bleibt freilich unverändert, wie Becherer deutlich macht: "Die Trotte ist ein Sulzer Wahrzeichen, in gefühlt jedem zweiten Haushalt gibt es einen Kupferstich von ihr. Sie zu versetzen, wäre für viele so, als würde man die Kirche ab- und irgendwo anders wieder aufbauen."

Die Trotte war seit ihrem Abbau auf dem Gelände der Sulzer Firma Kindle gelagert. Ihre plötzliche Rückkehr kommentiert Ortsvorsteher Rolf Mauch gegenüber der LZ mit einem Schmunzeln: "Sie hat wohl jemand aus dem Winterschlaf geholt."

Die Aktion am Wochenende sei mit ihm nicht abgesprochen gewesen, sagt Mauch, böse ist er deshalb aber nicht – im Gegenteil: "Das ist wieder einmal ein Zeichen des großen bürgerschaftlichen Engagements im Dorf." Die jungen Zimmerleute um Simon Becherer sind auch für den Bau des Blockhauses im Sulzbachtal als Ersatz für das "Bangerthisli" verantwortlich (wir berichteten mehrfach). Vor einem Jahr hatten sie sich bereiterklärt, die Trotte fachgerecht zu restaurieren.

Nun wird – für das ganze Dorf sichtbar und für die meisten überraschend – das Ergebnis präsentiert. Sieben Helfer, sagt Becherer, hätten in ihrer Freizeit insgesamt 30 bis 40 Stunden an der Überdachung gearbeitet. Die Materialkosten lägen bei rund 5000 bis 6000 Euro. Als "Honorar" wünscht sich die Gruppe, dass die Weinpresse bleibt, wo sie jetzt wieder steht.

Ein Versprechen kann der Ortsvorsteher nicht machen. Denn: Der Plan für den zweiten Bauabschnitt zur Neugestaltung der Ortsmitte sieht an dieser Stelle eine E-Bike-Station vor. Für Mauch persönlich hat der neue alte Platz durchaus Charme, wie er gegenüber der LZ bekundet: "Rein optisch passt es."

Er könne sich "durchaus vorstellen, dass man die Pläne im Detail noch entsprechend anpasst" und die Stellfläche für die Elektrofahrräder um ein paar Meter verrückt. Die Entscheidung über den finalen Standort der Trotte habe aber der Ortschaftsrat zu treffen. Wann Klarheit herrscht, hängt laut Mauch nicht zuletzt vom Stadtgremium ab: "Wir müssen abwarten, ob die von uns beantragten Mittel für den Fortgang der Arbeiten im 2021er-Haushalt bewilligt werden."

Auch Thema im Lahrer Rathaus

Das eigenmächtige Vorgehen der Sulzer war am Montag auch Thema im Lahrer Rathaus, wie die LZ auf Nachfrage erfuhr. Eine offizielle Stellungnahme gab es zunächst jedoch nicht.

Den Aufstellern scheint derweil bewusst, dass die Trotte trotz all ihrer Bemühungen möglicherweise doch noch einmal den Platz wechseln muss. Sie haben nur scheinbar Fakten geschaffen: Das Bauwerk ist provisorisch auf Steinplatten gesetzt, die vier hölzernen Füße, auf denen das Dach steht, sind noch nicht am Boden verschraubt. "Für uns ist aber klar: Da war sie, da kommt sie wieder hin", sagt Becherer. Mit dieser Ansicht seien er und seine Mitstreiter nicht alleine: "Wir haben seit dem Wochenende unzählige positive Rückmeldungen erhalten."

Info

Die Sulzer Weinpresse hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel: Einige Teile wie die Holzspindel stammen aus dem 16. oder 17. Jahrhundert. Wie der auf der Trotte angebrachten Info-Tafel zudem zu entnehmen ist, wurde sie im 19. und 20. Jahrhundert mehrfach restauriert. Zunächst war die Presse in Privatbesitz, bevor sie 1974 an den Standort neben der Kirche versetzt wurde. Jahrelang war die Trotte Treffpunkt der Dorfjugend und ist auch Namensgeber des Sulzer Jugendtreff-Vereins.

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