Lahr Müll in der Schutter: »Eine Riesen-Sauerei!«

Lahr - Zwei Themen sorgen beim Angelverein Lahr-Kinzigtal für Ärger und Frustration: Müll in der Schutter und das Füttern von Enten & Co. mit Brot, das den Tieren keinesfalls gut tut. Was nun? Die Angler wünschen sich mehr Rückendeckung von der Stadt.

Gartenabfälle, Salate und Pizzen landen in der Schutter

Die Liste der Abfälle, die in der Schutter treiben, ist lang: Ganze Brote, Gartenabfälle, Salatköpfe und einmal sogar zehn fertig gebackene Pizzen. "Es wird einfach alles reingeschmissen", fasst es Wolfgang Glatz, Mitglied im Angelverein Lahr-Kinzigtal, zusammen. Besonders schlimm sei es in Lahr auf Höhe des Hallenbads – und, das hebt er hervor, vor allem an Samstagen.

Bei den Mitgliedern des Angelvereins sorgt das für Unverständnis und Ärger. "Es ist eine Riesen-Sauerei!", bringt es der Vorsitzende Gerard Arnold auf den Punkt. "Garten-Abfälle werden kostenlos abgeholt. Warum muss man die da reinschmeißen?", ärgert sich auch Mitglied Jens-Peter Bick.

Vermüllung ist für Angelverein seit Jahren Thema

Die Vermüllung der Schutter sei für den Angelverein schon seit einigen Jahren Thema, durch Corona habe sich die Situation aber noch einmal verschärft. Das sieht auch die Stadt so. Sie schreibt unserer Redaktion auf Nachfrage: "Das Müllaufkommen in der Schutter ist gestiegen und nach wie vor sehr hoch. In den Sommermonaten ist aber in jedem Jahr eine Steigerung festzustellen." Ob es in diesem Jahr mehr als 2019 sei, könne man aber nicht eindeutig sagen. Fest steht auch für die Stadt: "In jedem Fall ist es deutlich zu viel."

Deutlich zu viel finden das auch die Angler. Um des Mülls zumindest einmal im Jahr habhaft zu werden, packen die Angler selbst kräftig mit an. Für die Schutter, die sie von Kuhbach bis Hugsweier säubern, benötigen die rund 15 Helfer gut fünf Stunden, sagt Arnold. Vom Land gebe es für den Einsatz der Mitglieder zwar eine kleine Spende, aber es könne trotzdem nicht sein, dass die Schutter als "Entsorgungsort für sämtliche Abfälle" genutzt werde, empört sich Arnold. Zudem sei das illegale Entsorgen eine Straftat, die mit empfindlichen Geldstrafen geahndet werde.

Was sich der Angelverein wünscht: Mehr Unterstützung von der Stadt Lahr, mit der der Angelverein seinen Pachtvertrag abgeschlossen hat. Zum Beispiel durch regelmäßigere Kontrollen des Gewässers. Was sagt die Stadt dazu? "Die Schutter liegt in der Zuständigkeit des Wasserwirtschaftamts", heißt es aus der Pressestelle der Stadtverwaltung.

Enten sollten nicht mit Brot gefüttert werden

Und weiter: Der Uferbereich innerhalb des Stadtgebiets werde im Rahmen der Stadtreinigung durch den Bau- und Gartenbetrieb betreut. Unrat, wie Einkaufswagen und ähnliches, werden von den Mitarbeitern wenn möglich aus dem Wasser gefischt. Für den Angelverein ist diese Antwort der Stadt ernüchternd.

Neben der Vermüllung stößt den Anglern aber noch ein weiterer Punkt sauer auf. Die Fütterung von Enten und Fischen durch Spaziergänger. Denn damit tun sie den Tieren keinen Gefallen, im Gegenteil. Im schlimmsten Fall endet die Fütterung mit Brot für die Tiere tödlich. Zudem gewöhnen sich die Tiere an die Fütterung und verlernen, selbst auf Nahrungssuche zu gehen, erklärt Arnold. Erschwerend hinzu komme, dass Brot dem Wasser Sauerstoff entziehe und deshalb doppelt gefährlich für die Fische sei.

Die Menschen wissen es nicht besser

"Das Problem ist", sagt Bick, "dass es die Menschen nicht besser wissen." Passanten, die Tiere füttern, müssten darüber aufgeklärt und mit Schildern auf die Gefahr hingewiesen werden. Hilfreich wäre ein allgemeines Fütterungsverbot oder eine Aufklärungskampagne, dass Fütterungen Wassertieren schaden. Immerhin habe der Angelverein bereits ganze Brote in der Schutter treiben sehen. Nur: Dazu bräuchten die Angler die Hilfe der Stadt – und deren Rückendeckung.

Denn das Land spricht kein allgemeines Verbot zur Entenfütterung aus, das obliegt den Städten und Kommunen. "In unserer Polizeiverordnung ist nur ein Fütterungsverbot für Wasservögel im Bereich von stehenden Gewässern enthalten. Für die Schutter ist dies demnach nicht anwendbar", heißt es zu diesem Thema aus dem Rathaus. Und auf erneute LZ-Nachfrage: "Derzeit ist keine entsprechende Änderung der Polizeiverordnung geplant."

Für die Angler steht jedenfalls fest: Es müsse etwas getan werden: "Wir brauchen ein Verbot". Dann nämlich könnten sie Spaziergänger darauf hinweisen, dass die Fütterung offiziell verboten ist. So sind ihnen die Hände gebunden.

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