Lahr Tesla: Lahr bleibt außen vor

55 Hektar nördlich von Zalando sind dem US-E-Autobauer Tesla als Standort für eine Fabrik in Deutschland angeboten worden. Die "Gigafactory" soll jetzt bei Berlin gebaut werden – womöglich auch mit Subventionen. Foto: Archiv Foto: Lahrer Zeitung

Das wäre ein dicker Fisch gewesen: Das Flugplatzgelände war als Standort für die geplante Fabrik des E-Autobauers Tesla im Gespräch. Die 55 Hektar, die Tesla angeboten wurden, waren dem US-E-Autobauer jedoch zu klein.

Lahr. Mit dieser Nachricht überraschte der US-Unternehmer Elon Musk bei der Verleihung des "Goldenen Lenkrads": Das erste europäische Werk seines Unternehmens soll in der Nähe Berlins entstehen. Der Firmenchef kündigte an, Elektroautos in Brandenburg und ein Entwicklungszentrum in Berlin bauen zu wollen, bis zu 10 000 Arbeitsplätzen sollen dadurch entstehen.

Als Standort war aber auch das Lahrer Flughafengelände im Gespräch: Die Landesregierung hatte bei Tesla für einen Standort in Lahr geworben. Dabei ging es um ein 55 Hektar große Gelände nördlich von Zalando, wie OB Markus Ibert als früherer IGZ-Geschäftsführer unserer Zeitung bestätigte. Das sei Tesla zu jedoch zu klein gewesen, berichtet die Zeitung "Mannheimer Morgen". Deshalb habe die gemeinsame Initiative des Wirtschaftsministeriums mit dem Staatsministerium in Stuttgart keinen Erfolg gehabt. Laut Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) ist Baden-Württemberg als wichtiger Automobilstandort ideal geeignet für den Aufbau von Zukunftstechnologien. "Darum bedauere ich die Entscheidung von Tesla", zitiert der "Mannheimer Morgen" die Ministerin. Auch Standorte in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen waren als Tesla-Standorte im Gespräch, galten nach Medienberichten gar als Favoriten. Laut einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen" haben sich Vertreter des Autoherstellers in Emden und im Emsland umgesehen. Auch Papenburg, Dörpen und das niederländische Eemshaven hätten Interesse bekundet.

Am Dienstagabend hat nun Tesla angekündigt, eine Fabrik für Elektroautos in Grünheide bei Berlin zu bauen. Im Gespräch ist eine "Gigafactory" in der Nähe des unfertigen Großflughafens BER. In Berlin soll zudem ein Ingenieurs- und Designzentrum entstehen. In dem Werk werden Batterien, Antriebsstränge und der neue Sportgeländewagen Model Y hergestellt. Das künftige Tesla-Areal in Brandenburg soll bis zu 60 Hektar groß sei. Eine Rolle bei der Standortentscheidung soll auch die Frage der Subventionen gespielt haben. Anders als im Bundesland Brandenburg sind in Baden-Württemberg Subventionen des Landes für eine solche Ansiedelung keine Option.

Nach Angaben von Markus Ibert gab es im vergangenen Jahr eine Anfrage des Landes wegen eines möglichen Tesla-Standorts in Lahr. "Auch wenn wir diesmal nicht zum Zug gekommen sind, zeigt dies, welches Zukunftspotenzial wir haben", betonte der neue Oberbürgermeister. Mit dem Flugplatzareal habe Lahr große Chancen, so der frühere IGZ-Geschäftsführer und Zweckverbandsdirektor gegenüber unserer Zeitung.

Der Fall Tesla war nicht das erste Mal, dass Lahr bei einer großen Industrieansiedlung nicht zum Zug kam. Vor mehr als 20 Jahren wurde das Flugplatzgelände als Standort einer Fabrik für den Kleinwagen Smart im Gespräch, damals noch "Swatch-Mobil" genannt. Produziert wird statt dessen im französischen Hambach nahe der saarländischen Grenze, zeitweise auch in Born in den Niederlanden. Auch um die Endmontage des großen Airbus A380 hatte sich Lahr beworben. Der Flugzeughersteller hat sich jedoch für Toulouse als Endmontagestandort entschieden, in Hamburg-Finkenwerder werden die Kabinen ausgerüstet.

Erfolgreicher war Lahr bei der Ansiedlung von Logistikern, zuletzt mit "Zalando". Im Gemeinderat gibt es einen Konsens, beim Flugplatzareal generell mehr auf die Ansiedlung von produzierendem Gewerbe zu setzen. Im besonderen Fall der Munitionsfabrik, die auf dem Flugpplatz geplant war, gab es für jedoch keine Mehrheit.

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