Lahr Technische Brillanz, aber ohne Höhepunkte

Christoph Andreas Schäfer aus Heidelberg an der Orgel der Stiftskirche Foto: Haberer

Lahr - Der Heidelberger Organist Christoph Andreas Schäfer hat das letzte Konzert der diesjährigen Sommermusiken bestritten. Das Programm wartete mit einer musikalischen Reise durch Europa auf.

Programm mit bekannten Melodien 

Orgeltranskriptionen und Choralvertonungen, eine Prise Jazz und Opernfragmente: Das Programm war gespickt mit Melodien, die jeder schon einmal gehört hat. Der Organist ist ein Vermittler zwischen der weltlichen und kirchlichen Musikliteratur, zwischen alter und neuer Musik, ernsten Klängen, Popmusik und Folklore.

Die von ihm am Sonntagabend ausgesprochene Einladung zu einer europäischen Sommerreise wartete mit Klängen aus allen Himmelsrichtungen und ganz unterschiedlichen Epochen auf. Unter dem Strich erlebten die gut zwei Dutzend Zuhörer in der Stiftskirche aber ein immer wieder gefällig anmutendes Potpourri bekannter Melodien, einen Konzertreigen, dem es an Überraschungsmomenten und Kontrapunkten mangelte.

Musikalische Reise durch Europa 

Die einleitenden Renaissanceklänge nahmen Bezug auf eine wohlbekannte Galliarde von John Downland. Gottfried Heinrich Stölzel stellte ebenso einen Bezug zu Johann Sebastian Bach her wie der 2008 verstorbene Jazzmusiker Holger Clausen.

Von Bach selbst erklang ein Auszug aus einer seiner bekanntesten Kantaten. Aus Schweden kam ein bekanntes Sommerlied, aus Norwegen wurde auf der Orgel eine Melodie aus der "Peer Gynt Suite" angestimmt. Frankreich wurde durch den "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saens repräsentiert, von Giuseppe Verdi erklang der Marsch aus der Oper "Aida".

Der Blick in Richtung Russland manifestierte sich in einem Auszug aus Modest Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung". Die überaus bekannte Passacaglia von Joseph Gabriel Rheinberger ließ am Ende das Kirchenschiff erbeben, schmorte aber wie vieles andere im eigenen Saft. Es war einfach ein bisschen zu viel des Guten und Schönen.

Verhaltener Schlussapplaus

Schäfer spielte das Potenzial der Orgel aus, überzeugte mit seiner technischen Brillanz. Das Konzert kam ohne herausragenden Glanzpunkt, ohne Überraschungsmoment daher. Es unterhielt eine gute Stunde lang, wartete in der Fülle seiner Orgelbearbeitungen mit altem Wein in neuen Schläuchen auf. Schäfer hat am Sonntag sicherlich niemandem weh getan, erntete unter dem Strich aber auch zu Recht einen eher verhaltenen Schlussapplaus.

Das nächste Konzert in der Stiftskirche am Samstag, 26. September, wartet mit einer "Abendmusik der Romantik" auf. Es ist das erste Vokalkonzert seit dem Lockdown im März. Mit dabei sind Hanna Feist (Sopran), Michael A. Müller (Orgel) und das "Concertino vocale Lahr" unter der Leitung von Hermann Feist.

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