Lahr Tagelanger Protest endet im Obdachlosenheim

Nur noch wenige Überreste waren am Freitagvormittag vor dem Polizeirevier in der Friedrichstraße von der Protestaktion übrig. Foto: Sadowski Foto: Lahrer Zeitung

Lahr (sad/jr). Acht Tage lang hatte ein Mann aus Protest sein Lager in der Friedrichstraße aufgebaut und dort campiert. Eine Matratze, mehrere Decken und Kartons stapelten sich vor dem Eingang des Lahrer Polizeireviers. Daneben stand ein beschriftetes Schild: "Korrupte Schurkengruppe, die sich fremden Eigentums bemächtigt." Seit Freitagvormittag ist der Platz jedoch wieder leer.

"Wir haben mit ihm heute Vormittag gesprochen und an seine Vernunft appelliert", erklärte der stellvertretende Revierleiter Joachim Ohnemus gegenüber unserer Zeitung am Freitag.

Ohnemus und seinen Kollegen war der Mann bereits vor seiner Protestaktion bekannt: Zuvor lebte er bei Verwandten, ehe der Mann bei seiner Schwester ausziehen musste. Danach saß er auf der Straße, wie die Polizei und die Stadt Lahr auf Nachfrage bestätigten.

In der Folge boten die Beamten ihm immer wieder an, ins Obdachlosenheim zu gehen. Er lehnte mehrfach ab – bis zum gestrigen Freitag.

"Es gab keine großartigen Diskussionen und lief total unkompliziert ab", freute sich Ohnemus. Er sei selbst überrascht gewesen, dass der Protestierende den Platz ohne Gegenwehr räumte.

Spekulationen, ob der Mann ein Reichsbürger sei, konnte Ohnemus nicht abschließend klären. Auf ihn hatte der Mann "sehr überzeugt und entschlossen" gewirkt.

"Da gehört auch etwas Mut dazu, vor ein Polizeigebäude zu ziehen und dort einige Nächte zu verbringen". Zudem sei ihm wichtig zu betonen, dass die Polizei gezeigt habe, "nicht gleich die große Keule zu schwingen" zu müssen.

Man habe den Obdachlosen zunächst gewähren lassen. Dass das jetzt so ein Ende nahm, sei eine "schöne Sache", so Ohnemus. Die Situation "hätte auch eskalieren können".

Seit Freitag ist der Mann nun in einer Obdachlosenunterkunft. Da die Friedrichstraße eine öffentliche Straße ist, ist das Nächtigen dort untersagt, sagt Lucia Vogt, Abteilungsleiterin für Öffentliche Sicherheit und Ordnung.

Einige Tage lang hätten Stadt und Polizei dieses Verhalten toleriert. Aber: "Wir hätten einen Platzverweis ausgesprochen, wäre er länger geblieben", so Vogt.

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