Lahr SWEG-Chef Müller steigt jetzt aus

Haltestelle Ruhestand: Johannes Müller hört als Vorstandsvorsitzender der SWEG in Lahr auf. Hier lehnt er an einer Deko-Tafel in der Hauptverwaltung der Verkehrsgesellschaft in Lahr. Gut 40 Jahre lang arbeitete er dort. Foto: Braun

Lahr - Der Chef über hunderte Busse und Züge bei der SWEG hat seine beruflich letzte Haltestelle erreicht: Ende März geht Johannes Müller in Ruhestand. Gut 40 Jahre lang hat er die Nahverkehrsgesellschaft des Landes sehr erfolgreich und stark mitgelenkt.

Keine Verabschiedungsfeier für Johannes Müller 

Der Verkehrsminister hätte diese Woche nach Lahr kommen sollen. Eine kleine Verabschiedungsfeier war geplant, im Kreis engster Vertrauter. Kein großer Bahnhof, denn so etwas mag der bescheidene Reichenbacher überhaupt nicht. Doch Corona machte selbst diese Mini-Feier zunichte.

Kein Minister, kein Sekt, keine Reden. Für den bald 63-Jährigen kein Problem. "Ich gehe einfach. Und dann geht es ohne mich weiter", meint er. Um seine eigene Person hat Müller nie Aufhebens gemacht. Um sein Unternehmen freilich schon.

Schwierige Situation zu Beginn seiner Karriere

Als er in den frühen 80er-Jahren bei der SWEG anfing, nach einem Studium der Betriebswirtschaft, war die Situation schwierig, erinnert sich Müller in der Rückschau. "Der Linienverkehr war ein einziger Flickenteppich, viele Strecken waren rein zufällig und verzettelt." Hinzu kam, dass das Unternehmen noch einen Reiseverkehr anbot, der nicht wirklich zur SWEG passte, wie Müller damals fand.

Er kam als junger Mann und hatte Ideen. Die musste er dem damaligen Vorstand erstmal verkaufen. "Das war nicht leicht, aber es gelang. Wir haben den Reiseverkehr aufgegeben und uns ganz auf den öffentlichen Nahverkehr konzentriert."

Verbünde teilweise 25 Jahre alt 

Müllers Vision von einem Verbund der Verkehrsbetriebbe, er wurde Stück für Stück Realität. Ende der 80er-Jahre ketteten sich immer mehr Verkehrsbetriebe zusammen und bauten das Netz für die Fahrgäste flächendeckender aus. Die ältesten dieser Verbünde, die Johannes Müller mit auf den Weg brachte, sind heute 25 Jahre alt.

Für den scheidenden SWEG-Chef ist klar, dass öffentlicher Nahverkehr ein sehr wichtiger Teil der Daseinsvorsorge für die Menschen ist. "Wie Wasser-, Gesundheits- und Energieversorgung gehört das in öffentliche Hand". Das Land Baden-Württemberg, der Träger der Aktiengesellschaft, habe dies erkannt, sagt Müller. "Die Unterstützung des Landes ist groß – und das ist gut so."

Kostenlose Busse? Davon hält Müller nichts

Von kostenlosem Nahverkehr, wie im Zuge der Klimadebatte derzeit häufig gefordert, hält Müller nichts. "Was kostenlos ist, ist nichts wert", findet er. Allerdings brauche es tatsächlich einfache und faire Preise für die Fahrgäste. "Wir müssen konkurrenzfähig zum Individualverkehr werden", fordert er. Zehnerkarten für Busse für zehn Euro hält er für denkbar, zum Beispiel. Und er war stets ein Freund umweltfreundlicher Antriebe.

In seiner Flotte fahren die ersten Elektrobusse. Auch einen autonom fahrenden Bus ließ er bei der Lahrer Landesgartenschau schon ausprobieren. Versuchsfahrzeuge für Wasserstoff sind in Planung. Auch da gibt es Unterstützung vom Land. Strecken in der Ortenau dürften dann wieder zum Vorzeigeprojekt werden, wie so oft in Müllers Dienstzeit.

Freude auf die Ruhezeit 

Bis kommenden Dienstag ist er noch im Büro. Dann kommt der Schnitt. Vor dem Ruhestand hat Johannes Müller keinen Bammel. Er freut sich auf Reisen, wenn diese hoffentlich bald wieder möglich sein werden, auf Lesen und Wandern, seinen Garten in Reichenbach und nicht zuletzt den Traktor dort.

Das steckt hinter der SWEG

Das Unternehmen: Die SWEG ist ein Unternehmen mit Hauptsitz in Lahr, das in Baden-Württemberg und teilweise angrenzenden Gebieten Busverkehr im Stadt- und Überlandverkehr sowie Schienengüter- und Schienenpersonennahverkehr betreibt.

Die Verschmelzung: 2018 ist die Verschmelzung der Hohenzollerischen Landesbahn (HzL) mit Sitz in Hechingen zur Südwestdeutschen Landesverkehrs-AG vollzogen worden. Dadurch wuchs die Mitarbeiterzahl deutlich.  

Die Mitarbeiter: Bei der SWEG arbeiten nach der Fusion mit der HzL mehr als 1350 Mitarbeiter, zuvor waren es rund 900. Das Unternehmen hat in der Branche einen guten Ruf und deshalb keine Probleme bei der Besetzung neuer Stellen.

Die Nachfolger: Als Vorstandsvorsitzender wird ab 1. April der bisherige technische Vorstand Tobias Harms (46) sein Amt antreten und Müllers Nachfolger. Neu in den Vorstand gewählt wurde als kaufmännisches Vorstandsmitglied Thilo Grabo (42). Er war bisher bei den Karlsruher Verkehrsbetrieben als kaufmännischer Prokurist tätig und soll sein Amt auch zum 1. April antreten.

"Die gute und harmonische Nachfolgeregelung versetzt die SWEG in die Lage, ihren bisherigen Kurs hin zu einem modernen Nahverkehrsdienstleister fortzusetzen", so Uwe Lahl als Aufsichtsratsvorsitzender.

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