Lahr Straßenverkehr: Mehr Sicherheit für Blinde durch Leitsysteme

Für Lothar Baumann ist der Doler Platz ein Musterbeispiel für ein gelungenes Blinden- und Sehbehindertenleitliniensystem in Lahr. Foto: Sadowski

Die Lahrer finden sie an Bushaltestellen, an Fußgängerampeln oder auch an Straßenüberquerungen: Blinden- und Sehbehindertenleitsysteme. Diese werden weiter ausgebaut, es gibt aber weiter viel Verbesserungsbedarf.

Lahr. Blinden- und Sehbehindertenleitsysteme gibt es in Lahr seit 2015, wie Martin Stehr vom Stadtplanungsamt auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt. Damals wurde am Doler Platz die erste Blindenampel errichtet. In der Zwischenzeit wurden zahlreiche weitere Projekte realisiert, wie zuletzt das Leitliniensystem in der Tramplerstraße, in der eine Querungshilfe mit einem Blinden- und Sehbehindertenleitsystem ausgestattet worden ist.

  Wie ausgeprägt sind die Systeme in Lahr? Die Stadt erklärt, dass die Blinden- und Sehbehindertenleitsysteme kontinuierlich ausgebaut werden. Im Vordergrund stehen dabei Bushaltestellen und Querungsstellen wie Ampeln, Kreisverkehre und Zebrastreifen mit Mittelinseln. Folgende Bushaltestellen sind mit einem Sonderbordstein für einen barrierefreien Zustieg in den Bus mit Leitsystemen ausgestattet: Zalando, Einsteinallee, Ersteiner-Straße, Bahnhof (ZOB), Fachmarktzentrum, Neuwerkhof, Friedensheim, Bergfriedhof, Urteilsplatz und Hochstraße.

  Wie sehen die weiteren Planungen der Stadt aus? Die Bushaltestellen Christian-Trampler-Hof, Industrie- und Handelskammer, Roonstraße, Seminarstraße, Clara-Schumann-Gymnasium und Burgheimer Kirche (Fahrtrichtung Heiligenzell) sollen in diesem Jahr noch umgebaut werden. Im Zuge der Sanierung der B 415 in Reichenbach werden auch die dortigen Haltestellen umgebaut. Außerdem hat das Straßenbauamt Ortenaukreis die Ampeln entlang der B 415 mit speziellen Blindentastern ausgestattet.

  Wer berät über den Ausbau der Systeme? Bei Straßenbaumaßnahmen oder anderen Umbauten werden die Leitsysteme – sofern möglich – automatisch berücksichtigt, informiert die Stadt. Auch können Anträge von Mitgliedern des Beirats für die Belange von Menschen mit Behinderungen gestellt werden.

  Was kostet das widerrechtliche Parken auf einem Behindertenparkplatz? Das widerrechtliche Parken auf einem Behindertenparkplatz ohne Behindertenparkausweis wird mit einem Bußgeld in Höhe von 35 Euro geahndet. Im schlimmsten Fall kann das Auto sogar auf Kosten des Verursachers abgeschleppt werden, so die Stadtverwaltung.   Was sagt ein Betroffener aus Lahr? Lothar Baumann sieht weiterhin noch viel Verbesserungspotenzial, so etwa beim Bahnhof. Der wurde wirklich schön gemacht, so Baumann, aber nach wie vor würden Hürden auf ihn warten. So zum Beispiel die fehlenden Lautsprecheransagen zu einfahrenden Zügen oder nicht vorhandene Tür-Signale an Zügen. Diese Signale würden Baumann helfen, die Türen zu finden.

Besonders Ansagen seien für ihn enorm wichtig, da die Geräuschkulisse am Bahnhof immer wieder Probleme bereite, so der 77-Jährige. Wenn er beispielsweise auf seinen Zug wartet und parallel ein Güterzug vorbeirauscht, überhöre er häufig seinen Zug. Der Lahrer Bahnhof sei zu klein, antwortete die Deutsche Bahn auf Nachfrage Baumanns wegen einer möglichen neuen Lautsprecheranlage. Ein weiterer Streitpunkt ist der Bahnhofsinnenbereich. Um den Bahnhof herum sei alles schön mit Leitlinien versehen, im Bahnhof selbst gebe es aber keine Leitlinien. Bürger mit einer Sehbehinderung könnten so weder zum Bäcker, zum Kiosk oder Fahrkarten kaufen, erzählt er.

Generell seien Bushaltestellen und Ampeln gut ausgestattet, jedoch fehle es im Zentrum an Leitlinien, so Baumann. Wenn er etwa zum Bürgerbüro möchte, vertraut er auf Regenrinnen und seine Hündin Annabelle. Die Stadt erklärte ihm jüngst, dass weitere Leitliniensysteme nur in Verbindung mit Umbauten realisiert werden können. Als Beispiel nennt er die Bushaltestelle beim Modehaus Zinser. Dort gebe es weder Leitlinien noch irgendwelche Noppen. Ein Umbau komme auch nicht in Frage, da das Areal aus Platzgründen einen barrierefreien Umbau nicht zulassen.

So bleibe ihm nichts anderes übrig als zu hoffen, dass sich zukünftig mehr weiterentwickelt als die Bushaltestellen, so Baumann. Spätestens, wenn Passanten aus dem Bus aussteigen oder auf dem Weg zum Bus durch die Stadt wollen, sind sie auf sich alleine gestellt. Deshalb wünscht sich Baumann, dass vor allem die Kreisverkehre an der Gärtnerstraße, an der Goethestraße und an der Lotzbeckstraße ebenfalls bald mit Leitlinien ausgestattet werden.

Blindenhunde, amtlich Blindenführhunde, sind speziell ausgebildete Assistenzhunde, die blinden oder hochgradig sehbehinderten Menschen eine gefahrlose Orientierung sowohl in vertrauter als auch in fremder Umgebung gewährleisten sollen. Der Blindenhund "im Dienst" ist in Deutschland an seinem weißen Führgeschirr erkennbar. Etwa ein bis zwei Prozent der Blinden in Deutschland besitzen einen Führhund.

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