Lahr Spannende neue Sichtweisen

Das Team der Wandzeitung "Die Ampel" ist stolz auf ihre erste Ausgabe. Foto: Haberer

Lahr - Ein Jahr nach der Initialzündung in einer Schreibwerkstatt der von Menschen mit Down-Syndrom verfassten Zeitschrift "Ohrenkuss" liegt die erste Ausgabe der Wandzeitung "Die Ampel" vor. Die Autoren sind Menschen mit Behinderung.

Es sind zwei DIN-A4 Seiten, eine Kurzgeschichte, ein Interview und ein Bericht über den Arbeitsalltag in den Lahrer Werkstätten, ein Musiktipp und zwei Kurzbeiträge geworden. Die erste Ausgabe der "Wandzeitung für alle" mag für Außenstehende auf den ersten Blick bescheiden erscheinen. Das vor einem Jahr im Rahmen der Literaturtage "Orte für Worte" angestoßene Projekt ist aber etwas Besonderes. Menschen mit Behinderungen und Handicaps zeigen in den Beiträgen ihre Sicht der Dinge auf.

Sie finden in der eben erst durchstartenden Wandzeitung eine Plattform, ein Sprachrohr in eigener Sache. Es gibt hier keine von außen aufgepfropfte Themenauswahl, keine inhaltliche Überarbeitung durch professionelle Redakteure und wohlwollende Sozialarbeiter.

Martina Biegert und Katja Schirmer-Schlenk von der offenen Hilfe der Lahrer Werkstätten kümmern sich vor allem um die Betreuung und Organisation der Redaktionssitzungen. Die Journalistin Juliana Eiland-Jung berät in fachlichen Fragen, greift ansonsten aber nur ein, wenn es um das Thema Rechtschreibung geht.

"Die Ampel" folgt damit den Mustern der 1998 gestarteten Zeitschrift "Ohrenkuss", einem Magazin, das von Menschen mit Down-Syndrom gemacht wird.

Ursprung bei Literaturtagen im vergangenen Jahr

Zwei Autoren der Zeitschrift haben vor einem Jahr im Rahmen von "Orte für Worte" in Lahr gelesen. Am Tag darauf haben sie zu einer Schreibwerkstatt in den Räumen der offenen Hilfe der Lahrer Werkstätten eingeladen. Aus ihr heraus ist die zwölfköpfige Redaktion der Wandzeitung entstanden, die sich am Montag in der Lahrer Mediathek vorgestellt hat. Andrea Kaiser hat für die Erstausgabe einen Bericht über ihren Arbeitsalltag verfasst, Ulrich Thier hat eine Kurzgeschichte über Onkel Helmut beigetragen, der ein Elixier erfunden hat, dass ihn in einen Storch verwandelt. Ulrich Thier hat eine ganze Schublade voll Geschichten und Gedichte, das Schreiben ist schon lange seine Leidenschaft. Johanna Fehrenbach hat ihren Bruder Felix in einem Interview über die Trendsportart "Parcours" befragt. Der 27-Jährige leidet an Down-Syndrom, die sportliche Aktivität in einem urbanen Umfeld ist eine seiner großen Leidenschaften. Gemeinsam mit Heiko Kern stellen die beiden in der Wandzeitung auch die Punkband "Die Toten Hosen" vor. Die beiden Kurzbeiträge stammen von Dirk Schillinger, Daniel Zeller und Günter Schulz, der in seinem Beitrag über das Leben mit seiner auf eine Kinderlähmung zurückgehenden Behinderung spricht.

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