Lahr Stadt wächst prozentual stärker als Landeshauptstadt

David Bieber

Lahr überholt sogar Stuttgart/ 3000 neue Bürger

Lahr - Lahr wächst und wächst, deutlich mehr als 46 000 Menschen wohnen derzeit in der Stadt. Das sind rund 2800 Bürger mehr als noch vor fünf Jahren. Dafür gibt es mehrere Gründe. Das Wachstum hat aber auch Schattenseiten.

Die Bevölkerung in der Stadt legt weiter zu. Das betont Lahrs Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller immer wieder gerne. "Lahr wächst nicht nur laut OB, sondern insbesondere auch laut amtlicher Statistiken", teilt nun die Pressestelle der Stadt auf Anfrage unserer Zeitung mit. Zwar liegen im Vergleich zu anderen Städten noch keine verlässlichen Zahlen für das erste Halbjahr 2018 vor, dennoch sind die Prognosen weiter steigend.

Die Vorhersagen können sich sehen lassen – auch im Vergleich zu anderen Städten. Sogar mit der Landeshauptstadt kann sich Lahr messen: "Lahr wächst prozentual stärker als Stuttgart", berichtet die Stadt, die sich auf die Zahlen des Statistischen Landesamtes stützt. Für die nächsten Jahre prognostiziere das Statistische Landesamt für Lahr ein weiteres überdurchschnittliches Wachstum. Auch im Vergleich zu seiner um fast 12 000 Einwohner größeren Nachbarstadt Offenburg muss sich Lahr nicht verstecken. Die Bevölkerung wächst seit Jahren deutlich geringer als in Lahr. Im Herbst 2017 wohnten dort 58 897 Einwohner, 2013 waren es 57 407. Das ist ein Zuwachs von 1500 Menschen oder 2,5 Prozent.

Noch im dritten Quartal 2017, das sind die derzeit aktuellsten Zahlen, lebten in Lahr 46 189 Menschen. Anfang 2013 waren es noch 43 424. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre stieg also die Bevölkerung um rund 2800 Menschen an. Das ist ein prozentuales Wachstum von etwa sechs Prozent und damit wächst Lahr mehr als doppelt so viel wie Offenburg.

Damit hält der Einwohneranstieg seit Jahren an. Ein wesentlicher Grund dafür ist laut Stadt eine überdurchschnittliche Geburtenrate. Dazu komme noch "eine positive Wirtschaft- und Arbeitsplatzentwicklung durch gezielte aktive Standortpolitik, sehr gute weiche Standortfaktoren wie Bildung, Betreuung, Kultur, Freizeit, Einkaufen, Grünflächen." Hier dürfte vor allem die Ansiedlung des Modeversandhändlers Zalando gemeint sein.

Der kontinuierliche Wohnungsbau in unterschiedlichen Sektoren – manche sprechen gar vom Bauboom in Lahr – sowie ein im Vergleich zu Offenburg und vor allem Freiburg moderateres Preisniveau rundeten ein aufstrebendes Mittelzentrum ab.

"Grundsätzlich bewertet die Stadt das Wachstum positiv, ist es doch ein Beleg für eine erfolgreiche Stadt- und Standortentwicklung der vergangenen Jahr(zehnt)e und es wirkt sich positiv auf die Zukunftssicherheit in vielen Bereichen aus", resümiert die Verwaltung die Entwicklung. Sie räumt allerdings auch ein, dass Lahrs Infrastruktur etwa bei Straßenverkehr oder Kinderbetreuung damit auch an Grenzen stoße, was eine verstärkte Steuerung des Wachstums erfordere. Die Grünen im Stadtrat bemängeln, dass etwa die Infrastruktur veraltet sei und dringend erneuert werden müsse. "Die Kosten für die Anpassung der Infrastruktur sind heute schon immens. Der Wachstumswahn in Lahr geht in die falsche Richtung. Wo die Städte stark wachsen, nehme die Probleme zu", sagt Grünen-Stadtrat Claus Vollmer.

In Lahr nimmt der Ausländeranteil zu: Bis zum Herbst 2017 waren hier 6 865 Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit mit Hauptwohnung gemeldet – so viel wie bisher nie zuvor. Das entspricht fast 15 Prozent.