Lahr Stadt so sicher wie lange nicht

Insgesamt wird Lahr für die Bürger immer sicherer. Die Zahl der Gewalttaten sank voriges Jahr auf den niedrigsten Wert seit fast 20 Jahren. Sorgen bereiten jedoch zunehmende Alkohol-Exzesse und damit verbunden mehr Körperverletzungen.

Lahr. Ein Blick in die Statistik macht neben Polizeichef Felix Neulinger vom Revier Lahr auch OB Wolfgang G. Müller glücklich: Im vorigen Jahr sank die Zahl aller aktenkundig gewordenen Straftaten in Lahr auf 3342 Fälle. So wenige waren es schon lange nicht mehr. Lediglich im Jahr 1998, vor 19 Jahren, wurden weniger Straftaten registriert. Seither wurden immer zwischen rund 3500 und fast 4000 Fälle bei der Polizei bekannt. "Der Rückgang ist beachtlich, denn vor zwei Jahrzehnten lebten ja noch rund 5000 Menschen weniger in Lahr", erklärte OB  Müller bei der Vorstellung der Polizeizahlen im Revier Lahr. Von einer "sehr erfreulichen Entwicklung spricht auch Polizeichef Neulinger. Denn nicht nur die Fallzahlen seien gesunken, sondern auch die Aufklärungsquote mit fast 62 Prozent sei die zweitbeste der vergangenen zehn Jahre. Hier die Übersicht der einzelnen Kriminalitätsbereiche:

> Keine Toten: Voriges Jahr gab es keine Fälle von Tötungsdelikten. Sonst gab es bis zu drei Straftaten gegen das Leben pro Jahr.  

> Weniger Sexualdelikte: 22 Fälle mit Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden aktenkundig. Der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Zuletzt waren es vor drei Jahren fast doppelt so viele Sex-Delikte.

> Mehr brutale Gewalt: Sorgen bereitet der Polizei die Zunahme der Körperverletzungen. Insgesamt wurden 426 Fälle bearbeitet, im Vergleich zu 355 im Jahr davor. Vor allem die schwere Körperverletzung greift immer mehr um sich. Dort gab es einen Sprung von 91 auf 125 Fälle. Die meisten Tatverdächtigen, die ermittelt wurden, waren stark betrunken. Exzessives Saufen und dann Prügeln nehme zu, sagt Neulinger. Die Saufgelade würden oft zu Hause stattfinden.

> Flüchtlinge prügeln sich: Bei den Körperverletzungen spielen zunehmend Flüchtlinge eine Rolle. Bei dieser Straftat würden die Flüchtlinge einen Anteil von 15 Prozent ausmachen. Allerdings richte sich diese Gewaltbereitschaft fast zu 100 Prozent gegen andere Flüchtlinge in den Unterkünften. Dort gehe es teils heftig zur Sache. Eine Bedrohung für die Bevölkerung gebe es laut Neulinger aber nicht. "Das sind fast alles Fälle, die intern in den Unterkünften laufen." Deutlich sei aber auch, dass die Flüchtlinge einen spürbaren Anteil bei Diebstählen zu verantworten hätten. 14 Prozent dieser Straftaten seien laut Statistik dieser Gruppe zuzuschreiben. Insgesamt stieg die Zahl der tatverdächtigen Flüchtlinge von 111 auf 203 im vorigen Jahr an.

> Fahrräder sicherer: Die Zahl der Fahrraddiebstähle sank voriges Jahr um 20 Prozent auf nun 180 Fälle in Lahr.

> Wohnungseinbrüche stabil: In 47 Häuser und Wohnungen wurde voriges Jahr in Lahr eingebrochen. Das entspricht dem üblichen Wert, es gebe keine besonderen Auffälligkeiten.

> Weniger Betrüger: 364 Fälle von Betrug bearbeite die Polizei, ebenfalls so viele wie seit langen Jahren nicht. In Spitzenzeiten vor drei Jahren wurden schon doppelt so viele Fälle registriert.

> 206 Drogenfälle: Ärger wegen illegaler Drogen gab es für 206 Personen, leicht weniger als in den Vorjahren.

OB Müller sieht Lahr "nicht als heile Welt" ohne Kriminalität. Die sinkenden Fallzahlen seien jedoch ein Beleg dafür, dass die Polizei – in Zusammenarbeit mit dem städtischen Ordnungsdienst – gute Arbeit mache. Das habe sich jüngst beim Bombenfund wieder deutlich bestätigt.


Kommentar von Jörg Braun

Lahr ist besser als sein Ruf

Nein, Lahr ist keine friedliche Stadt. Das Mittelzentrum mit seinen 47 500 Menschen bietet die ganze Bandbreite an Kriminalität, wie sie jede Stadt in dieser Größe zu verzeichnen hat. Es wird gestohlen, betrogen, geprügelt, es kommt zu Gewalt und sexuellen Übergriffen. Doch Lahr, das zeigt ein Blick in die langjährige Statistik, wird immer sicherer. Trotz stark wachsender Bevölkerung mit vielen Problemen sinkt die Kriminalitätskurve auf einen Stand wie zuletzt vor fast 20 Jahren. Lahr ist in Sachen Sicherheit also weit weniger schlimm, als es manche einzureden versuchen. Nicht zuletzt viele Lahrer selbst. Aufsehen – auch hier in der Zeitung – erregen dabei meist die vielen Schlägereien und Gewalttaten, die vor allem in der Altstadt und rund um die Diskotheken zu verzeichnen sind. Die nehmen tatsächlich zu. Immer mehr betrunkene Männer geraten im Suff brutal aneinander. Das ist wirklich besorgniserregend. Dieser Entwicklung will die Polizei versuchen, Einhalt zu gebieten. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Schonungslos offen berichtet die Polizei unterdessen über kriminelle Flüchtlinge. Diese Transparenz ist wichtig und richtig. Ein Blick in die Zahlen zeigt dabei, dass die Zuzügler vor allem durch Stehlen und Schlägern auffallen. Letzteres allerdings fast nur unter Ihresgleichen. Nicht gut, aber immerhin beruhigend für die restliche Bevölkerung.

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