Lahr Stadt sichert sich mit Bebauungsplan ein Mitspracherecht

Janosch Lübke
Das Gebiet in der Obertorstraße ist sehr eng. Aufgrund der schlechten Zugänge zu den Grundstücken kritisieren Anwohner die Baupläne.Foto: Lübke Foto: Lahrer Zeitung

Gemeinderat: Investor zieht Voranfrage für Obertorstraße zurück / Anwohner kritisieren Pläne

Lahr. Im Bereich der Obertorstraße sollen die Bagger rollen. So lautet das Ziel eines Investors, der auf die Stadt zugekommen ist. Das Bestandsgebäude Obertorstraße 17 soll umgebaut werden und drei neue Mehrfamilienhäuser entstehen. Eine entsprechende Bauvoranfrage, die im Technischen Ausschuss diskutiert wurde, wurde vom Investor mittlerweile allerdings zurückgezogen. Bislang existiert für das Wohngebiet, das zu den ältesten in der Stadt gehört, kein Bebauungsplan. Über die Aufstellung eines solchen Planes, in dem auch Aspekte des sozialen Wohnungsbaus festgeschrieben werden sollen, hatte der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montag zu entscheiden.

"Es geht uns mit der Aufstellung eines Bebauungsplanes darum, die städtischen Gremien in die Lage zu versetzen, über Bauvorhaben von Investoren zu diskutieren. Wir können in einem Plan Obergrenzen für die Wohneinheiten festsetzen und auch Einfluss auf die Gestaltung beispielsweise der Dächer nehmen. Dann könnte dort nicht unkontrolliert gebaut werden", beschrieb Baubürgermeister Tilman Petters die Ziele der Stadtverwaltung.

"Die ergänzende Bebauung muss die städtebaulichen, historischen und stadtökologischen Strukturen berücksichtigen. Bei einer Nachverdichtung soll der besondere Charakter des Quartiers weitgehend beibehalten werden", heißt es in den Planungszielen der Stadt, die in einem Bebauungsplan aufgenommen werden sollten. Diese Vorgaben waren allerdings einigen Stadträten zu undifferenziert. "Diese Vorlage ist zu dünn. Die Pläne sind nicht dazu geeignet, Zweifel zu zerstreuen", sagte Sven Täubert (Grüne), der dafür plädierte, die Entscheidung zu vertagen. SPD sowie Linke Liste/Tierschutzpartei unterstützten ebenfalls eine Vertagung. Die CDU-Fraktionsvorsitzende Ilona Rompel sprach sich in der Debatte generell gegen eine weitere Bebauung an der Obertorstraße aus.

In einer kurzen Pause besprachen sich die Fraktionsvorsitzenden mit OB Markus Ibert und Bürgermeister Petters. Mit einem geänderten Beschlussvorschlag – das vorgesehene beschleunigte Verfahren wurde gestrichen und die Planungsziele sollen im Detail weiter definiert werden – votierte der Rat bei einer Enthaltung für die Aufstellung eines Bebauungsplans.

Die Pläne für die Obertorstraße wurden von Anwohnern bereits kritisiert. "Die Zugänge zu den Grundstücken sind extrem kompliziert. Wir haben zudem Angst, dass unser Haus, der Sandstein ist empfindlich, durch eine Baustelle Schaden nimmt. Wir sind nicht gegen Sozialwohnungen, aber die Voraussetzungen für den Bau sind hier sehr schlecht", sagte Anwohnerin Evelyne Stern Bayer gegenüber der Lahrer Zeitung. Zudem kritisiert sie, vom Bauamt nicht über die Bauvoranfrage informiert worden zu sein.