Lahr Stadt gegen LGS-Taubenhaus

Die Stadt Lahr hat sich gegen einen Taubenschlag am LGS-Gelände ausgesprochen. Foto: Gollnow

Lahr.Ein Taubenhaus auf dem LGS-Gelände: Der Vorschlag der Fraktion "Linke Liste Lahr und Tierschutzpartei" ist im Gemeinderat gut angekommen. Im Rathaus steht man dem Vorhaben indes kritisch gegenüber – aus mehreren Gründen.

Hat Lahr ein Taubenproblem oder nicht? Seit Jahren wird das Thema diskutiert. Immer wieder gab es Ideen, wie die Innenstadt gefiederfrei zu machen sei, – eine Lösung fand sich bisher nicht. Zuletzt wagten Linke und Tierschutzpartei im Sommer einen Vorstoß: Ein sogenannter betreuter Taubenschlag solle her.

Davon, meinten die Vertreter der Gemeinderatsfraktion, würden alle profitieren: Die Vögel würden artgerecht gefüttert und gehalten, die Menschen in der Fußgängerzone wären die tierischen Futterbettler und ihren krankmachenden Kot los.

Quer durch den Gemeinderat fand der Vorschlag Zustimmung: Einstimmig beauftragte das Gremium die Stadtverwaltung, mögliche Standorte zu erkunden und die Kosten zu beziffern, die durch das Taubenhaus entstehen würden (wir berichteten). Nun liegt die Antwort aus dem Rathaus vor – und die steckt voller Bedenken.

Schlechte Erfolgsaussichten: Die Tauben komplett aus der Innenstadt zu verbannen, sei nur möglich, wenn sie dort "absolut" keine Nahrung mehr erhielten, schreibt die Verwaltung. Sonst ließen sich die Vögel "nur sehr begrenzt zu einem Umzug bewegen". Das sei wissenschaftlich erwiesen.

Das in der Polizeiordnung der Stadt festgeschriebene Fütterungsverbot durchzusetzen, sei aber "nicht leistbar". Das habe sich schon 2012 gezeigt, als das Thema zuletzt in den städtischen Gremien diskutiert worden war. Damals sei übrigens auch festgestellt worden, dass in der Innenstadt "nicht wirklich von einer Problemlage zu sprechen ist".

Stadt wäre verantwortlich: Bislang gelten die Tauben in Lahr als Wildtiere. Das  würde sich laut Verwaltung ändern, sobald es ein Taubenhaus gibt. Dann wäre die Stadt tierschutzrechtlich verantwortlich. Zudem könnten Haftungsprobleme entstehen, wenn die Tiere Gebäude beschädigen.

Betrieb macht Arbeit: Im Rathaus stellt man sich die Frage, wer sich um das Taubenhaus und seine Bewohner kümmern würde. Die Arbeiten – vom Füttern bis zum Eier-Austausch – fielen je nach Zahl der Tiere jeden zweiten Tag an. Mit Schutzanzug und Atemmaske. Das Urteil der Verwaltung zum Fraktionsvorschlag, bei der Betreuung zumindest teilweise auf Hilfe von Freiwilligen zu setzen, fällt hart aus: "Aus Erfahrung mit anderen Projekten muss davon ausgegangen werden, dass das ehrenamtliche Engagement mit der Zeit oft nachlässt, was zu einer zwangsläufigen Übernahme der Aufgaben durch die Stadt führt."

Schwierige Standortsuche: Den Seepark, den die Taubenhaus-Initiatoren ins Spiel gebracht haben, lehnt die Verwaltung als Standort ab: Das sei "nicht passend", weil es dort bereits ein Schwalbenhaus gebe. Zudem sei das Landesgartenschau-Gelände zu weit von der Innenstadt entfernt, ein erfolgreiches Umsiedeln deshalb unwahrscheinlich.

Das Taubenhaus im Stadtpark sei bereits besetzt und zu klein, ein Schlag in einem Privathaus in der Innenstadt wohl nur schwer zu finden. Blieben nur die Dachböden des Rathauses II und der Stiftsschaffnei. Möglich wäre auch ein Bau im Park bei der Stiftskirche oder im Werderpark.

Hohe Kosten: Für die Errichtung eines frei stehenden Taubenturms sind laut Verwaltung rund 50 000 Euro zu kalkulieren. Baut man einen Taubenschlag in ein Gebäude, wären es sogar mindestens 60 000 Euro. Wartung, Reinigung, Futter und Tierarzt würden jährlich mit etwa 20 000 Euro zu Buche schlagen.

Deutliches Fazit

Mit dem Thema Taubenhaus beschäftigt sich der Umweltausschuss der Stadt bei seiner Sitzung am Dienstag, 1. Dezember, ab 17.30 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses II. Derweil hat die Stadtverwaltung bereits ein Fazit gezogen: "Die Motivation einen kleinen, aber gesunden Taubenbestand zu erhalten, ist unter Aspekten der Tierliebe anzuerkennen. Ob dies mit einem Taubenhaus erreicht wird, muss hinterfragt werden." Ein Taubenschlag wäre "eher als Bürgerattraktion und Betätigungsfeld tierlieber Bürger zu sehen".

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