Lahr Sprung ins kalte Wasser ist geglückt

Nicht nur die Styrnol-Brüder, sondern auch Pianist Pervez Mody (Bild) betrat beim Auftritt im Schlachthof Neuland.Foto: Haberer Foto: Lahrer Zeitung

Das Onlinefestival "We live" hat am Sonntagabend mit einem klassischen Klavierkonzert einen klaren Kontrapunkt gesetzt, beim Publikum aber erneut gepunktet. Mehr als 15 000 Mal wurde das Konzert mit Pervez Mody bereits geklickt.

Lahr. Ein klassischer Konzertpianist auf einer Rockbühne, Frédéric Chopin und Alexander Skrjabin an der Stelle satter Gitarrenriffs. Es war für alle Beteiligten ein Sprung ins kalte Wasser, ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

Die Lahrer Rockwerkstatt hat noch nie ein Klassikkonzert produziert, das Filmteam um Maik und Pirmin Styrnol noch nie ein solches gefilmt. Absolutes Neuland hat auch der aus Indien stammende Pianist Pervez Mody betreten. Heraus aus der Komfortzone des klassischen Konzertbetriebs und mitten hinein in ein Abenteuer voller Unbekannten.

Flügel wurde eigens für das Konzert in den Schlachthof gebracht

Höchste Konzentration im Licht bunter Scheinwerfer, auf Tuchfühlung mit den Kameraleuten, konfrontiert mit der trockenen, harten Akustik eines Konzertsaals, eines eigens gestellten Flügels in einem ehemaligen Schlachthof.

Das Ergebnis dann präsentiert im Kontext eines von Rockbands geprägten Onlinefestivals. Pervez Mody hat nicht lange gezaudert. "Wahre Kunst muss mutig sein", unterstreicht er am Rande der Filmpremiere bei Maik und Pirmin Styrnol, die er einst als Klavierschüler kennengelernt hatte.

Das von ihm ausgewählte Programm ist ein Spiel der Kontraste. Auf der einen Seite Werke von Frédéric Chopin, musikalische Poesie, sinnlich und voll inniger Gefühle.

Auf der anderen Seite Alexander Skrjabin, ein Experimentator des frühen 20. Jahrhunderts, ein Klangästhet im Spannungsfeld zwischen Spätromantik und Atonalität. Mody meistert die spürbare Anspannung, ergänzt die live eingespielten Stücke später durch einführende Gedanken und Worte.

Klavierhersteller präsentiert Video auf seiner Homepage

Skrjabins Poem "Vers a flamme" verdichtet sich im pulsierenden Licht eines Stroboskops. Ein letzter Ausbruch, eine Geste der Befreiung am Ende des Konzertes. Maik und Pirmin Styrnol produzieren einen bemerkenswerten Konzertfilm mit brillantem Sound. Der Klavierhersteller "Stenway and Sons" vertraut den beiden, präsentiert die Filmpremiere live auf seiner Webseite, öffnet dem Onlinefestival "We live" eine weitere Plattform und dem Zugang zu einem klassisch geprägten Publikum. Die Resonanz ist auch dieses Mal überwältigend. Nach 24 Stunden haben bereits mehr als 15 000 Internetnutzer den Film angeklickt.

Der Stream zum Konzert des Pianisten Pervez Mody im Schlachthof kann neben den Plattformen Facebook und Youtube auch über die Webseite des Klavierherstellers "Steinway and Sons" aufgerufen werden. In knapp zwei Wochen geht es beim Lahrer Onlinefestival "We Live" weiter mit einem Konzertmitschnitt der Ska-Punk-Band "No Authority".

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