Lahr Sprachbarrieren spielen keine Rolle

Die Weltmusik von der Gruppe "Papyros ‘N", Schülern der Musikschulen aus Lahr und Straßburg sowie Gastmusikern aus Kurdistan kam gut an. Foto: Baublies Foto: Lahrer Zeitung

Lahr (bau). Das Ensemble, das am Freitag auf der Marktplatz-Bühne die Zuhörer überzeugt hat, bestand aus Schülern der Lahrer Musikschule, Eleven des französischen Pendants aus Straßburg, der Gruppe "Papyros ‘N" und Musikern aus Kurdistan. Ihr Weltmusik-Programm nannte sich "Lahr und die Welt". "Papyros ‘N" ist ein Projekt, das der Franzose Jean Claude Chocjan vor 20 Jahren an der Straßburger Musikschule ins Leben gerufen hat.

Mit dem jiddischen Lied "Aus dem Schtetl" eröffnete das gesamte Ensemble den Reigen. Es folgten mehrere jüdische Tänze. Die Dynamik der Geige, der Flöten, zweier Klarinetten, der Gitarren, zweier kurdischer Saiteninstrumente und eines Klaviers war mitreißend. Das Ensemble, ergänzt durch Akkordeonspieler und einem Saxofon sowie insgesamt vier Sängerinnen, überzeugte genauso mit irischer Folklore. Ein Clou dabei war die "Ode an die Freude", die Friedrich Schiller verfasst hat. Die Melodie dazu ist freilich keine Folklore, sondern das Grundthema der neunten Sinfonie Ludwig van Beethovens. So gesehen war das dann auch eine Art Weltmusik, die wunderbar ankam.

"Das nächste Stück müsste manchen Spanisch vorkommen." So kündigte Herbie Wickertsheimer ein Lied der kurdischen Musiker an. Die, das musste er korrigieren, spielten eine arabische Weise, die heute auch in Spanien bekannt ist. Wickertsheimer betreut seit Jahren eine Band, die aus Flüchtlingen besteht. Die Weltmusik, die die rund 20 Musiker aus Lahr, Kurdistan sowie aus dem Elsass präsentierten, bestand überwiegend aus Folklore. Die arabische Weise ist in Spanien bekannt, da Mauren – also Araber – Jahrhunderte in Spanien lebten. Lange vor den Kreuzzügen lebten auf der spanischen Halbinsel neben den Moslems und Christen auch Juden in einer völlig friedlichen und äußerst fruchtbaren Koexistenz. Daher ist es nicht verwunderlich, dass gerade die jiddische Folklore gar nicht so viele Unterschiede zu arabischer und keltischer Folklore aufweist.

Ein ganz anderes Genre bediente die Gruppe mit dem französischen Gassenhauer "Champs-Élysées". Da war auf dem Marktplatz gut zu erkennen, dass auch viele Besucher von der anderen Seite des Rheins zur Blumenschau gekommen waren. Eine Weltpremiere gab es dazu. Ein arabisches Lied intonierte das Gesangsquartett auf Arabisch und mit einer Strophe auf Deutsch. Das gelang außerordentlich gut. Wickertsheimer sagte dazu, dass Musik überall auf der Welt verstanden werde. Dass das stimmt, war unter anderem am Folgenden gut zu hören. Die kurdischen zweisaitigen Instrumente wurden ähnlich gespielt wie die russische Balalaika. Der Klang war also vertraut.

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