Lahr SPD schlägt Corona-Alarm

Lahr - Weshalb gibt es in Lahr mehr Corona-Fälle als andernorts? Diese Frage hat Roland Hirsch, SPD-Sprecher im Gemeinderat, in einem offenen Brief an OB Markus Ibert aufgeworfen.

Die 42 Infektionen bei Patienten und Beschäftigten des Lahrer Klinikums, die am Mittwoch bekannt geworden waren, haben bei Hirsch wohl das Fass zum Überlaufen gebracht. In seinem Schreiben will er wissen, weshalb die Öffentlichkeit erst nach einer Woche über den Corona-Ausbruch im Krankenhaus informiert wurde. Darüber hinaus thematisiert der Sozialdemokrat die "erschreckend hohe Inzidenz" in Lahr.

Worum geht es?

Bei den am Freitag vom Gesundheitsamt übermittelten Infektionszahlen nimmt Lahr kreisweit wieder einen unrühmlichen Spitzenplatz ein: 18 Corona-Fälle wurden aus der Stadt gemeldet, 17 aus Offenburg, sieben aus Achern, in den anderen Ortenau-Kommunen sind die Zahlen niedriger.

Diese Reihenfolge ist ein gewohntes Bild, seit Monaten werden aus Lahr konstant hohe Corona-Zahlen gemeldet. Insgesamt sind es in der Stadt 1637 Infektionen seit Beginn der Pandemie (Stand: 26. Januar). Zum Vergleich: In Offenburg wurden 1730 Infektionen nachgewiesen – bei deutlich mehr Einwohnern.

In Lahr liege die 7-Tage-Inzidenz – Fälle auf 100.000 Einwohner gerechnet –­ "bei besorgniserregenden ca. 200", ­rechnet Hirsch in seinem Schreiben vor. Kreisweit beträgt die Inzidenz 114,2, bundesweit liegt sie bei knapp unter 100. Politisch wird ein Wert von unter 50 angestrebt, damit die Gesundheitsämter die Infektionsketten besser nachverfolgen können.

Was will Roland Hirsch?

Die anhaltend hohen Infektionszahlen in der Stadt haben bei dem Kriminalhauptkommissar a. D. die Alarmglocken schrillen lassen. In seinem offenen Brief schreibt Hirsch, dass er auch immer wieder von Bürgern gefragt werde, weshalb die Corona-Fälle in Lahr so zahlreich seien.

Diese Frage gibt er nun an den OB weiter, mit der Bitte um "zeitnahe Antwort", wie er es formuliert. Konkret fragt er, welche Ursache die hohe Inzidenz in Lahr hat, was die Stadt unternimmt, um sie zu drücken und in welchem Umfang der KOD die Einhaltung der Corona-Regeln überprüft.

Weshalb sind die Infektionszahlen in Lahr denn nun so hoch?

In den vergangenen Monaten hat unsere Redaktion regelmäßig beim Landratsamt nachgehakt, wenn es auffiel, dass die Corona-Ansteckungen in Lahr zahlreicher waren als andernorts. Als Antwort hieß es, dass die Zahlen sich "nicht auf ein einzelnes Infektionsgeschehen zurückführen" ließen.

Dabei spielt auch der Persönlichkeitsschutz der Erkrankten eine Rolle. Als Infektionsherd bekannt wurde etwa eine kurdische Großhochzeit Ende September, die zu mehr als 70 Corona-Ansteckungen führte (wir berichteten). Außerdem wurden nach einem Gottesdienst der Freien Evangelische Christusgemeinde Ende November in Langenwinkel 41 Infektionen nachgewiesen.

Um den Jahreswechsel gab es rund 20 Infektionen im Lahrer Klinikum, vor wenigen Tagen waren dort sogar 42 Tests positiv. Die Informationspolitik bei diesem aktuellen Fall sorgt bei Hirsch nun für Unmut.

Wo sieht Hirsch Probleme?

Dem SPD-Sprecher gefällt es nicht, dass der aktuelle Corona-Ausbruch beim größten Gesundheitsversorger der Stadt der Öffentlichkeit nur mit Verzögerung gemeldet worden ist. "Warum dauerte es über eine Woche?", will er vom OB wissen, außerdem, wann er, Ibert, von dem Ausbruch erfahren habe. Hirsch schlägt vor, dass städtische Gremien wie der Gemeinderat regelmäßig über die Corona-Entwicklung in Lahr informiert werden.

Was sagt die Stadt?

"Seit Beginn der Pandemie steht die Stadt mit dem Gesundheitsamt in sehr engem Austausch, der gerade in den letzten Wochen auch die Fragestellung beinhaltet, ob sich möglicherweise im Lahrer Infektionsgeschehen eine Clusterbildung abzeichnet", hieß es am Freitag aus dem Rathaus. Aktuell lägen dafür keine Hinweise vor. Bis Montag soll es eine ausführliche Stellungnahme zu Hirschs Anfrage geben.

Was sagt das Landratsamt?

Unsere Redaktion hat die Offenburger Behörde mit der Hirsch-Frage nach den hohen Infektionszahlen in Lahr konfrontiert. Die Antwort: Die Inzidenz-Rechnung für einzelne Kommunen sei "nicht zielführend". Das Runterbrechen mache weder medizinisch noch epidemiologisch Sinn, "sonst hätten wir bei kleineren Gemeinden mit 2000 Einwohnern bei zwei Fällen innerhalb von sieben Tage schon einen Wert von 100".

Außerdem habe der Gesetzgeber ganz klar geregelt, "dass die Inzidenz nur auf die gesamten Stadt- und Landkreise berechnet und daraus Maßnahmen abgeleitet werden", so das Landratsamt. Wie die Stadt sieht auch die Kreis-Behörde keinen Corona-Cluster in Lahr: Ansteckungen gebe es "in sämtlichen Bereichen des täglichen Lebens, im privaten und dem Arbeitsumfeld". Die Fallzahlen in der Stadt seien "nicht auf einzelne Infektionsherde zurückzuführen", auch wenn diese, wie im restlichen Kreisgebiet, "vereinzelt" auch in Lahr vorkämen.

Das Ortenauer Gesundheitsamt teilt jeden Tag die Zahl der Neuinfektionen im Kreis mit. Rechnet man diese Zahlen zusammen, ergibt sich für die vergangenen sieben Tage folgende "Top 10":

Lahr: 88 neue Corona-Fälle

Offenburg: 79

Achern: 49

Hornberg, Friesenheim: 34

Gengenbach: 25

Kehl: 22

Oberkirch: 20

Ottenhöfen: 14

Hausach, Neuried, Sasbach: 12   

Willstätt, Haslach: 11 

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