Lahr Spannung im Rathaus steigt

Schafft er’s? Heute wird in London verkündet, wer "Weltbürgermeister 2016" wird. Wolfgang G. Müller ist bis zuletzt im Rennen. Foto: Stadt/Montage: Fellner-Höhne Foto: Lahrer Zeitung

Gut möglich, dass Wolfgang G. Müller am heutigen Dienstag öfters als sonst auf sein Handy blickt. Im Lauf des Tages wird die Entscheidung erwartet, wer den Titel des "World Mayor 2016" gewinnt. Der Lahrer OB ist einer von fünf Kandidaten.

 

Lahr. "Die Nachricht wird mich auf elektronischem Weg erreichen", sagte der OB auf Nachfrage unserer Zeitung, war dabei aber bemüht, den Ball flachzuhalten. Es sei "ein ganz normaler Tag" für ihn. In seinem Terminkalender sei auch kein Platz für eine Feier reserviert.

Vormittags sind zum Beispiel Gespräche mit den Bürgermeistern Guido Schöneboom und Tilman Petters sowie dem Personalrat vorgesehen, nachmittags nimmt der OB unter anderem am Richtfest für neue Wohnungen am "Goethebrunnen" teil. Nicht ausgeschlossen, dass er dann bereits Glückwünsche entgegennehmen darf – und sei es für einen Platz auf dem "Treppchen". Bei der Wahl des "World Mayor" werden laut Müller nämlich auch ein zweiter und ein dritter Platz vergeben.

Aus seiner gespannten Erwartung macht er keinen Hehl. "Ich bin neugierig", sagt er und, auf einen möglichen Erfolg angesprochen: "Das würde mich sehr freuen." Es sei eine Auszeichnung für ganz Lahr, bei der Wahl überhaupt so weit gekommen zu sein, betont er.

Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre von der City Ma­yors Foundation mit Sitz in London verliehen. Diesmal soll ein Schultes den Preis erhalten, dessen Stadt sich besonders für Mi­granten eingesetzt hat. 38 Bürgermeister waren dafür Anfang 2016 nominiert worden, darunter die Stadtoberhäupter von Aleppo, Athen, Barcelona, Dallas, Salz­burg oder Wien. Später ist das Teilnehmerfeld in zwei Auswahlrunden reduziert worden, erst auf 15, dann auf fünf Bewerber. Müllers Konkurrenten sind die Bürgermeister von Mechelen, Lampedusa und Grande Synthe (bei Dünkirchen). Mit der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ist noch eine Deutsche dabei.

Die City Mayors Foundation hat die Kandidaten übrigens nicht selbst ausgewählt. Vielmehr kann an der Wahl nur teilnehmen, wer dafür vorgeschlagen wird. Müller weiß nicht, wer seinen Namen ins Spiel gebracht hat. Gleichwohl hat das Auswahlverfahren gezeigt, dass er auf eine breite Unterstützung in der Stadt zählen kann, finden sich doch auf der Internetseite zu seiner Nominierung zahlreiche Stimmen, die seinen Beitrag zur Integration hervorheben. Die Zahl dieser Statements, in denen Bürger sich für den Titelgewinn "ihres" Stadtoberhaupts einsetzen, ist bei Müller erheblich größer als bei seinen Konkurrenten.

Der OB dankt im Gespräch mit unserer Zeitung allen, die sich für ihn stark gemacht haben. Das bedeute ihm sehr viel – ebenso wie ein möglicher Erfolg bei der Wahl. Sei doch die Entscheidung, die von einer Jury gefällt wird, "nicht beliebig". Grundlage sind nicht nur die Beiträge von Unterstützern, vielmehr hat der Veranstalter von der Stadt umfangreiche Unterlagen zu ihrer Integrationsarbeit angefordert. Müller hatte einen Fragenkatalog zu beantworten und ein Essay zu dem Thema zu schreiben. Darin hebt er hervor, dass man die Aufgaben eines europäischen Bürgermeisters "niemals mit denen in den jeweiligen Krisengebieten der Welt vergleichen" könne. Auch im Gespräch mit unserer Zeitung betont er, dass er es verstehen könne, wenn die Wahl auf eine Stadt fällt, die unmittelbarer als Lahr von der Flüchtlingskrise als betroffen ist.

Die Auszeichnung "World Mayor" wird seit 2004 verliehen (seit 2006 alle zwei Jahre). Bisher sind nur Bürgermeister von Großstädten als preiswürdig erachtet worden, ging der Titel doch nach Calgary (2014), Bilbao, Mexiko-Stadt, Kapstadt, Melbourne, Athen und Tirana.

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