Lahr Spahn redet sich aus der Bredouille

 Quelle: Unbekannt

Lahr - Viel Unmut hat es in der Bevölkerung gegenüber Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gegeben. Der Impfstoff sei zu spät bestellt worden, es gebe zu wenige Tests. Im Gespräch mit den Lahrer CDU-Kandidaten musste er sich der Kritik stellen.

Landtagskandidatin Marion Gentges bezeichnete Spahn als einen der momentan meistbeschäftigten Politiker. Bei den Impfungen habe es jedoch ein "großes Gezerre" gegeben. In der Kommentarspalte hagelte es Vorwürfe von Zuschauern der Konferenz bezüglich der Impfgeschwindigkeit.

Spahn äußerte sich dazu: "Wir dürfen nicht vergessen, dass die Impfstoffproduktion wahnsinnig komplex und anspruchsvoll ist. Der Impfstoff lässt sich nicht einfach hochskalieren. Der Produktionsprozess musste zuerst in Gang kommen, mit Geld wäre es nicht schneller gegangen." Er habe in Marburg mitgeholfen, damit dort Impfstoff produziert werden könne.

Kommende Monate sollen leichter werden

Spahn zeigte sich jedoch optimistisch, dass die nächsten Monate leichter werden würden. Ab April seien mehr Impfungen möglich. Wie lange der Schutz anhalte, sei noch nicht klar, da die längste Impfung erst zwölf Monate zurückliege.

Ob der Impfschutz nach ein paar Jahren aufgefrischt werden müsse oder man Anpassungsimpfungen an die Mutation brauche, würde sich erst in Zukunft zeigen. Wer bisher an Corona erkrankt sei, benötige nach bisherigem Wissensstand aufgrund der Vorimmunität nur eine Impfung.

Weltweit würden erst 50 Regionen impfen. Auf die Nachfrage antwortete Spahn, Deutschland würde erst Impfstoff an andere Länder abgeben, wenn hier nennenswert geimpft worden sei. Dies sei schwierig, denn man müsse die Balance finden und auch die Außenpolitik und die anderen Regionen nicht vergessen. "Wir sind erst sicher, wenn alle geimpft sind", so Spahn.

Die Debatte, bestimmte Dinge nur Geimpften zu ermöglichen, würde im Bundestag unausweichlich sein. Zum Beispiel könnten nur Geimpfte in bestimmte Länder reisen.

Die Skepsis vor dem Astrazeneca-Impfstoff wolle Spahn relativieren. Nach Echtzeitstudien aus Schottland und England würde er besser abschneiden als BioNTech und weniger Nebenwirkungen nach sich ziehen. "Aber besser, man ist zwei Tage müde, als dass man an Covid erkrankt", so Spahn, der selbst schon infiziert war. Und er appellierte hiermit an die Menschen: Wenn man die Chance habe, sich impfen zu lassen, dann solle man es tun, andere würden sich dieses Privileg wünschen.

Mehr Tests müssen nicht bestellt werden

Auch die Tests habe er zu spät bestellt, merkte ein Kritiker an. Dazu sagte Spahn: "Wir müssen nicht mehr Tests bestellen, denn es sind genug Tests da. Die Schwierigkeit liegt nur in der Umsetzung." Er merkte an, dass es nicht helfe, alle Verantwortung auf den Bund abzuwälzen. Man könne die Tests stattdessen besser und schneller umsetzen, wenn alles vor Ort geschehen würde.

In Tübingen sei das DRK für die Tests zuständig, anderswo Apotheken. Dies sei produktiver als eine bundeseinheitliche Regelung. Für die Umsetzung würden auch Gelder bereitgestellt werden. Aber die Tests seien ein Schritt nach vorne. Spahn könne sich gut vorstellen, dass Besuche in Restaurants, Kinos, Opern et cetera in Kürze für frisch Getestete möglich sein könnten. Die Selbsttests würden dann unter Beobachtung gemacht werden.

"Es können großartige Konzepte entstehen, wenn man die Tests als Voraussetzung nimmt", sagte Spahn. "Die einzelnen Einrichtungen müssen kreativ werden, aber ich habe großes Vertrauen, dass das gelingt." Auch könne man den Rahmen eventuell erweitern und zum Beispiel Getesteten Musikproben ermöglichen. Die Tests würden Sicherheit geben, bis alle geimpft seien.

Auch die Gastronomie kam zur Sprache, ein Zuschauer bezeichnete die Hilfen für Kleinunternehmen wie die Überbrückungshilfe 3 als zu kompliziert. Auch Landtagskandidatin Jutta Zeisset betreibt einen gastronomischen Betrieb. "Der Atem wird weniger", sagte sie und wies auf die Kleinen hin. Für große Unternehmen wie beispielsweise den Europa-Park sei die Umsetzung mit Tests leicht, aber für kleine Cafés sei der Aufwand schwierig, die dürften keinesfalls übersehen werden.

"Ich bin genauso müde wie ihr alle", sagte Spahn abschließend. "Aber wir müssen beachten, was wir im letzten Jahr schon alles geschafft haben. Wir haben im März 2021 Möglichkeiten, von denen wir im März 2020 noch nicht zu träumen gewagt hätten."

Info

Die Landesregierung hatte sich am Mittwoch, 24. Februar, darauf geeinigt, den Kommunen drei Millionen Schnelltests aus der Landesreserve zur Verfügung zu stellen und damit die Teststrategie des Landes deutlich zu erweitern. Auf der Homepage des Landes Baden-Württemberg heißt es: "Außerdem wird die Landesregierung sieben Millionen Schnelltests zur Selbsttestung beschaffen und diese in die Teststrategie einfließen lassen. Das Angebot an die Kommunen ist zunächst bis zum 31. März 2021 befristet."

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