Lahr So geht es dem Lahrer Puma

Lahr/Maßweiler - Ein Puma in Lahr? Als die LZ vor knapp zwei Jahren über das exotische "Haustier" berichtete, glaubten viele an einen Scherz. Mittlerweile ist der Welpe von damals zu einer muskelbepackten Raubkatze herangewachsen. Die Geschichte von "Tikam".

Tierhilfsorganisation Vier Pfoten

Anfang Fe­bruar 2019 rieb man sich in der LZ-Redaktion kräftig die Augen. Eine Kollegin hatte ein Video erhalten, das einen Mini-Puma an einer Leine zeigte. Im Hintergrund deutlich zu erkennen: Das Tier wird in der Lahrer Fußgängerzone spazieren geführt.

So wie den Redakteuren, die sich hinter dem Bildschirm versammelt hatten, über den der sechs Sekunden lange Clip flimmerte, ging es offenbar vielen Lahrern: Hochgeladen auf unserer Facebook-Seite, entwickelte sich die junge Raubkatze binnen weniger Stunden zum Internet-Hit. Fast 13 000 Mal wurde das Video angeklickt. Die zahlreichen Kommentare gingen fast alle in eine Richtung: Darf man einen Puma als Haustier halten?

Darf man nicht. Zum Zeitpunkt, als sich der exotische Neu-Lahrer virtuell der breiten Öffentlichkeit vorstellte, hatte er die Stadt längst wieder verlassen. Kurz vor Weihnachten 2018 hatten Behörden das Raubtier in einer Wohnung entdeckt und beschlagnahmt.

Die Tierhilfsorganisation Vier Pfoten schilderte den Fall damals wie folgt: Der zu dem Zeitpunkt zwei Monate alte Welpe wurde legal in Tschechien erworben, aber illegal nach Deutschland geschmuggelt. Ohne Haltungsgenehmigung, Einfuhr- und Ausfuhrpapiere und mit vertauschten Impf- und Herkunftsnachweisen war das Männchen bei einem Züchter für 2300 Euro erworben und im Auto nach Lahr gebracht worden. Die Vermieterin des Käufers machte die Behörden schließlich auf den illegalen Untermieter in ihrem Haus aufmerksam.

Wilde und gefährliche Tiere in Privathaltung

Heute lebt "Tikam", wie ihn seine Retter nannten, knapp 200 Kilometer von Lahr entfernt in Maßweiler in der Südwestpfalz. "Putzmunter und voller Tatendrang", wie Stefan Servos der LZ berichtet. Servos ist Autor beim WDR und hat den jungen Puma in der von "Vier Pfoten" betriebenen Wildtier-Auffangstation mehrmals besucht: "Tikam" schickt sich an, zum zweiten Mal in seinem noch jungen Puma-Leben zum Medienstar zu werden. Servos hat einen Film über wilde und gefährliche Tiere in Privathaltung gedreht – und stieß dabei auf die Raubkatze aus dem Video auf der LZ-Seite.

"Laut Schätzungen leben in Deutschland rund 500 Raubkatzen in Zoos, Zirkussen oder bei Menschen zu Hause. Wobei es bei Letzterem laut Tierschützern wohl eine riesige Dunkelfziffer gibt." Der Lahrer Puma hatte also Glück: "Er hat jetzt ein eigenes großes Gehege, in dem er sich augenscheinlich wohlfühlt und zu einer eindrucksvollen Raubkatze herangewachsen ist", berichtet Servos. Etwa zwei Jahre alt ist "Tikam" heute, aber noch längst nicht ausgewachsen. Servos: "Er bringt 50 Kilo auf die Waage, bis zu 100 können es bei Pumas in freier Wildbahn werden."

Dahin zurückkehren wird der einstige Lahrer, dessen Artgenossen auf dem amerikanischen Kontinent zu Hause sind, jedoch nicht mehr. "Er kann nicht ausgewildert werden, weil er nur menschlichen Kontakt hatte. Laut den Betreibern der Tierstation soll er in Maßweiler bleiben", sagt Servos und schiebt nach: "Ich kann allen Lahrern versichern: ›Tikam‹ geht es hier gut." Was aus seinem früheren Besitzer wurde, war indes nicht Teil der Recherche des WDR-Journalisten. Ob der Mann juristisch belangt wurde? "Keine Ahnung."

"Tiere suchen ein Zuhause"

Der Lahrer Puma ist morgen, Sonntag, ab 18 Uhr in der WDR-Sendung "Tiere suchen ein Zuhause" zu sehen. Wobei "Tikam" freilich nicht vermittelt werden soll. Laut Filmautor Stefan Servos, der bei seiner Recherche Hilfe von der LZ bekam, wird die Ausstrahlung durch diverse Online-Aktivitäten in den Sozialen Netzwerken begleitet. "Es wird sogar einen Einzelclip auf Facebook nur über den Puma geben, in dem man sieht, wie es ihm heute geht."

  • Bewertung
    7